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ALS - Alle Laufen für Steffen

Ein Erfahrungsbericht zum Münster-Marathon von Frank Pachura

Alle Infos zum Münster-Marathon
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Steffen Auerswald ist Zimmermann und begeisterter und erfolgreicher Läufer. Er wohnt mit seiner Familie in Freckenhorst in der Nähe von Münster. Ich kenne Steffen schon seit einigen Jahren. Auf vielen Veranstaltungen haben wir uns gesehen. Er stand dann meistens auf dem Siegerpodest und ich mit einem Kaffee und einem Stückchen Kuchen davor. Im April 2017 bekam ich von Steffen eine Nachricht, in der er mich fragte, ob ich in diesem Jahr am Münster Marathon, seinem "Heimmarathon", teilnehmen würde. Zehnmal hatte er bereits daran teilgenommen und war dort vor zwei Jahren eine 2:42 gelaufen. Für einen Hobbyläufer rasend schnell. Und für mich als 4:00- bis 4:30-Läufer eine ganz andere Welt.

Diagnose ALS

Als ich mich nach dem Grund für diese Anfrage erkundigte, schrieb mir Steffen, dass er seit Januar 2017 die Diagnose ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) hat, sich nur noch mit einem Rollator bewegen konnte und jemanden suche, der ihn im September im Rollstuhl über die Marathonstrecke in Münster schieben würde. ALS greift die Nerven eines Menschen an und man verliert nach und nach seine Bewegungsmöglichkeiten. Da diese Krankheit eher selten ist, sieht die Pharmaindustrie nicht so einen großen Nutzen darin, an ALS zu forschen. Man scheint wohl nicht genug damit verdienen zu können. Die Lebenserwartung eines ALS-Erkrankten ist in der Regel drei bis fünf Jahre nach der Diagnose. Dies alles verschlug mir die Sprache und ich musste das Ganze erstmal verdauen. Dabei vergaß ich fast Steffens Frage, ob ich ihn in Münster schieben würde. Doch natürlich war ich sofort bereit, ihm diesen Gefallen zu tun.

Rolli-Aktion beim Münster-Marathon

In den nächsten Monaten wurde Steffens Rolli-Aktion im Münsterland bekannt und es fanden sich jede Menge Läuferinnen und Läufer aus Steffens Umfeld, die sich an der Schiebe-Aktion beteiligen wollten. So waren wir bis zum September dann schließlich rund 25 Läuferinnen und Läufer, die mit Steffen zusammen seinen wohl letzten Marathon bestreiten wollten. Leider war Steffens Krankheit inzwischen schon weiter fortgeschritten und er war nun komplett an den Rollstuhl gebunden. Am Wochenende vor dem Münster Marathon fand in Warendorf der Emssee-Volkslauf statt. Dort fand sich ein Großteil der Truppe rund um Steffen ein, um auf der 10 km - Strecke zu testen, wie es sich mit dem ausgeliehenen Sportrolli läuft. Jeweils zwei Läufer schoben abwechselnd den Rolli mit Steffen und alle wunderten sich darüber, wie angenehm der Rolli zu schieben war. Nach 58 Minuten waren die 10 km geschafft und es stand nun dem großen Tag nichts mehr im Wege.

Start unter großem Applaus und Getöse

Der Tag des Münster Marathons war gekommen. Nach einem gemeinsamen Frühstück in der dem Münsteraner Schlossplatz benachbarten deutsch-holländischen Kaserne ging es in den Startblock hinein. Da die Presse und das Lokalfernsehen im Vorfeld mehrfach über unsere Aktion "ALS – Alle Laufen für Steffen" berichtet hatte, wussten viele Marathonis sofort, worum es ging. Steffen "lief" seinen letzten Marathon – im Rollstuhl. Da nicht alle aus unserer Truppe in der Lage waren, den ganzen Marathon zu absolvieren, starteten wir erstmal zu neunt aus der letzten Reihe des Startfelds. Unter großem Applaus und Getöse ging es nun auf die magischen 42,195 km. Steffen wurde andauernd von anderen Marathonis angesprochen, die ihm alles Gute wünschten. Auch wir Rolli-Schieber wurden oft abgeklatscht und mit einem "Tolle Aktion" oder "Ihr seid klasse" angefeuert. Uns wurde schnell klar, dass es heute ein ganz besonderes Marathonerlebnis werden würde. So arbeiteten wir uns über die ersten 21,1 km, wurden dabei immer wieder von Streckensprechern an den Powerpoints angekündigt und vom Streckenrand angefeuert. Sehr viele Münsteraner wussten anscheinend, worum es Steffen heute ging. Zusätzlich hatten wir Flyer zum Thema ALS dabei und dem einen oder anderen Zuschauer drückten wir sie in die Hände.

Außergewöhnliche Atmoshpäre am Streckenrand

Nach dem ersten Halbmarathon wartete der nächste Teil unserer Truppe auf uns. Da wir alle im einheitlichen Laufshirt mit "Stoppt ALS"-Aufdruck unterwegs waren, fielen wir nun noch mehr auf. Auch auf den kommenden Kilometern verteilten wir Flyer, genossen die tolle Atmosphäre und den unendlichen Zuspruch der anderen Läufer und Zuschauer. Steffen sah man deutlich an, dass er über so viel Zuwendung gerührt war. Auch war das Erleben der außergewöhnlich tollen Stimmung am Streckenrand eine neue Erfahrung für ihn. Früher stürmte er wie ein Torpedo über die Strecke und war nur auf sein Tempo fokussiert. Jetzt hatte er Zeit und einen freien Kopf, das ganze Drumherum wirklich in sich aufzunehmen.

Auf zum Prinzipalmarkt

Bei Kilometer 32 stand dann der nächste Teil unserer Truppe, die mit uns nun die letzten 10 km bestreiten wollten. Mit rund 25 Läuferinnen und Läufern schoben wir Steffen mit seinem Sportrolli nun in Richtung Prinzipalmarkt. Bei Kilometer 41 gönnten wir uns an dem bekannten letzten Verpflegungsstand, an dem es wie in jedem Jahr auch ein Gläschen Wein zu trinken gab, eine Pause und wir stießen zusammen mit Steffens Familie auf ihn und seinen letzten Marathon an. Als große Gruppe genossen wir nun den letzten Kilometer bis zum Ziel. Der Prinzipalmarkt kam in Sicht.

Zielrolle mit Gänsehaut

Die vielen bunten Wimpel über uns. Die Lambertikirche im Auge. Und der Zielbogen direkt vor uns. Ohne Ende Zuschauer, die uns anfeuerten. Steffen und seine Gruppe wurden über die Lautsprecher begrüßt. Wir warfen uns alle direkt vor der Ziellinie auf den Boden und rollten genauso wie Steffen nach 4:45 Stunden über die Ziellinie. Ich bekam Gänsehaut. Viele Leute kamen von überall her und beglückwünschten Steffen. Er hatte Tränen in den Augen und das steckte an. Auch mir flossen sie durchs Gesicht. Ein dicker Kloß steckte in meinem Hals und ich konnte nicht mehr sprechen. Emotionen pur.

Der letzte Marathon

Das war wohl Steffens letzter Marathon. Sein elfter in Münster und sein langsamster. Aber mit Sicherheit der emotionalste. Genauso wie für uns. Für seine Freunde. Wir sind eine große Läuferfamilie. "ALS – Alle Laufen für Steffen" Das war unser Motto. Und das wird es auch bleiben. Wir wollen weiter machen und mit Steffen in seinem Sportrolli noch den einen oder anderen Lauf unter die Sohlen und die Räder nehmen. So lange er es noch kann. Wie stand es auf einem Streckenschild beim Münster-Marathon? "Es ist immer zu früh, um aufzugeben!" In diesem Sinne.

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