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Wissenswertes und Kaufberatung Ideale Baby-Sitter: Laufkinderwagen und Babyjogger

Ihr Kind lehnt sich bequem zurück, Papa oder Mama laufen: Mit einem Laufkinderwagen kein Problem! Hier erfahren Sie, was die Unterschiede zu normalen Kinderwagen sind und was Sie vorm Kauf beachten sollten.

Läuferin mit Babyjogger +
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Ein Laufkinderwagen erweitert den Horizont. Das finden Mutter Helga und Sohn Paul, die gerne gemeinsam ihre Runden drehen.

Zuerst kommt das Kind. Das ist die Regel Nummer eins. Wer sich einen Laufkinderwagen zulegt, tut dies meistens, um nicht aufs Laufen verzichten zu müssen. Dieser egoistische Wunsch ist vollkommen okay, solange das Kind nicht darunter leidet. Ein Kind kann durchaus Spaß haben daran, im Babyjogger geschoben zu werden. Der Spaß hört aber früher oder später auf, eine Stunde ist oft das Maximum. Denn während Sie Ihrem Bewegungsdrang frönen, ist dem natürlichen Bewegungsdrang des Kindes Einhalt geboten. Die Spielmöglichkeiten im Laufkinderwagen sitzend sind begrenzt. Für das Kind ist es eher langweilig. Auf längeren Strecken – oder gar bei Marathon-Veranstaltungen – haben deshalb Babyjogger nichts verloren (denn mehr als eine Stunde sitzt kein Kind gerne ruhig).

Verantwortungsbewusst eingesetzt, ist ein Laufkinderwagen für laufende Eltern dagegen doppelt sinnvoll: Die Eltern werden durch die Kinder nicht am Laufen gehindert, es entsteht kein Frust, nicht laufen zu können, und das Kind ist, während die Eltern laufen, bestens versorgt, nämlich im direkten, leicht schaukelnden Umfeld der Eltern.

Für verschiedene Modelle der aktuellen Laufkinderwagen und Babyjogger gibt es auch Baby-Schalen oder -Tragewannen. Zum Laufen sind diese – im Sinne des Kindes – weniger geeignet. Das Kind erleidet auf holprigen Wegen trotz Federung und Luftbereifung zu viele Erschütterungen beim Laufen.

Das unterscheidet einen Babyjogger von einem klassischen Kinderwagen

  1. Konstruktion: Im Gegensatz zu normalen Kinderwagen sind spezielle Laufkinderwagen größer: Ihre Spurweite (Hinterachse) ist breiter, der Radstand ist länger, damit der Wagen besser geradeaus läuft. Gleichzeitig sollten sie aber auch möglichst leicht sein, weshalb auf Alltags-Komfortmerkmale mitunter verzichtet wird. Entscheidend für die Laufeigenschaften sind die Räder.
  2. Räder: Größere Räder bieten bessere Laufeigenschaften – und zwar sowohl für Sie als Läufer, als auch für das Kind, denn größere Räder laufen besser über Unebenheiten hinweg (wie zu Urgroßvaters Zeiten: da hatten Kinderwagen immer große Räder – es gab auch viel mehr schlechte Straßen). Am leichtesten rollen große 20-Zoll-Räder. Weniger Luftdruck – je nach Gewicht von Kind und Wagen zwischen 0,75 und 1,5 bar – erhöht den Komfort, federt besser.
  3. Griff: Der Schiebegriff sollte möglichst in der Höhe verstellbar sein. Unter- und Oberarm sollten einen Winkel zueinander bilden, so wie beim normalen Laufen. Die ideale Griffhöhe ist deshalb meist auf Höhe des Bauchnabels.
  4. Sicherheit: Das Kind muss immer angegurtet sein, und zwar so, dass es auch beim Umkippen des Wagens nicht heraus fällt. Im Idealfall ist es dann durch die Konstruktion des Wagens (Rahmen) geschützt. Allerdings sollte ein guter Kinderwagen im Laufbetrieb gar nicht erst dieser Gefahr unterliegen. Wer viel bergauf und -ab unterwegs ist oder auf unebenen Wegen, sollte auf einen niedrigen Schwerpunkt achten. Das Kind sollte gut in den Sitz passen.
  5. Bremsen: Die Bremse dient beim Laufen zum Abbremsen den Kinderwagens – nicht für den Läufer! Deshalb reicht meist die Felgenbremse am Vorderrad, Trommel- oder Scheibenbremsen an den Hinterrädern sind für Lauf-Geschwindigkeiten etwas überdimensioniert, aber natürlich eine luxuriöse Ausstattung. Wichtig ist eine Feststellbremse für den Stand, auch beim Ein- und Aussteigen des Kindes.
  6. Fahr-/Laufverhalten: Viele (preisgünstigere) normale Kinderwagen haben schlechte Lager: Laufkinderwagen haben meist hochwertige, gedichtete Lager. Dies merkt man beim Kauf, wenn man ein Rad anhebt und anstößt, es sollte leicht laufen. Auch sind diese Lager belastungsfähiger und verschleißärmer. Ein Laufkinderwagen muss nicht besonders wendig sein, für die engen Regalreihen eines Supermarktes taugt er nicht: Aber der lange Radstand sorgt für sicheren Gerade-auslauf, deshalb ist das Vorderrad auch starr. Am besten vor dem Kauf mit Gewicht im Wagen das Handling testen.
  7. Preis: Entscheidend ist unter dem Strich, welchen Nutzen Sie von dem Kinderwagen haben. Wenn Zeit Geld ist, ist der Preis oft Nebensache. Wenn Sie Ihr Kind ein paarmal zum Laufen mitnehmen können, brauchen Sie keinen Babysitter.

Checkliste, bevor Sie mit dem Laufkinderwagen loslegen

  1. Ein Kind sollte erst dann im Laufkinderwagen mitgenommen werden, wenn es selbst problemlos und gut sitzen kann. Dazu gehört, dass das Kind den Kopf sehr gut alleine und über einen längeren Zeitraum halten kann, was meistens nach sechs bis neun Monaten der Fall ist. Erst ab diesem Alter sollte über die Mitnahme im Laufkinderwagen nachgedacht werden, dies ist das früheste Eintrittsalter in die Laufkinderwagen-Welt.
  2. Vor dem Loslaufen muss die kostbare Ware sicher im Laufkinderwagen verstaut werden: Das Gurtsystem muss richtig justiert werden. Dies ist meist etwas fummelig und nimmt etwas Zeit in Anspruch. Auch lassen sich viele Kinder zunächst nicht gerne anschnallen. Aber die Zeit muss sein, da führt kein Weg dran vorbei. Die Gurte sollten perfekt sitzen, das Kind auf keinen Fall aus dem Gurtsystem herausrutschen können.
  3. Übrigens muss auch der Läufer den Gurt anlegen: Ein Sicherheitsgurt oder -band, das am Wagen befestigt ist und ums Handgelenk gelegt wird, damit der Kinderwagen sich nicht selbstständig machen kann. Sehr gut gefallen hat uns beim Test das System vom Kinzel K1: Hier ist die Sicherheitsleine am Bremsgriff befestigt. Gesetzt den Fall, der Läufer stürzt, reißt er die Sicherheitsleine aus dem Bremsgriff, dieser löst sich und bremst den Laufkinderwagen ab – und kann nicht durch den gestürzten Läufer umfallen. Bei den anderen Laufkinderwagen sollte die Sicherheitsleine übrigens immer lang genug sein und immer an der Achse befestigt werden, nie am Handgriff. Hier würde die gezogene Leine den Kinderwagen unweigerlich umkippen.
  4. Achtung: Das Kind muss deutlich wärmer angezogen sein als der Läufer. Selbst wenn Sie mit Funktionsshirt und kurzer Hose laufen, kann das Kind durch Fahrtwind und mangelnde Bewegung auskühlen: Mütze, Handschuhe, Jacke und eine leichte Decke sind bisweilen sogar im Sommer sinnvoll. Übrigens auch geeigneter Sonnenschutz, sofern das Kind nicht durch ein Sonnenverdeck des Laufkinderwagens geschützt wird.
Die richtige Schiebetechnik gewöhnt man sich mit den Kilometern meist automatisch an, sie variiert etwas in Abhängigkeit von den Roll- beziehungsweise Laufeigenschaften des Kinder-wagens. Grundsätzlich gilt: Sie sollten Ihren Laufstil nicht wesentlich verändern. Dazu gehört vor allem, dass Sie nicht beide Hände am Griff des Laufkinderwagens haben. Stattdessen schieben Sie nur mit einer Hand am Griff, die andere kann weiter frei schwingen. Der Griff sollte etwa in Höhe des Bauchnabels (Körperzentrum) justiert sein; hier ist der ideale Kraft-Ansatzpunkt.

Allerdings muss auch die eine Hand nicht ständig Kontakt haben. Sie können dem Mobil auch nur alle paar Laufschritte einen sanften Schubs geben, auf Asphalt rollen die leicht laufenden Laufkinderwagen dann leicht vor sich hin, fast wie von selbst. So werden Sie zu Ihrem eigenen, idealen Babysitter.
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Autor: Urs Weber 11.08.2015
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