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Von barfuß bis Fitbit Laufuhren und Walkmans

Timex bringt eine Uhr speziell für Läufer auf den Markt und Sony eine Sportausführung des Walkmans.

From Barefoot to Fitbit Ihren-Test 03/17 +
Foto: RUNNER'S WORLD Archive

Noch ganz ohne GPS und Herzfrequenz – der große Laufuhren-Test von 1986 in Runner’s World.

Im Jahr 1984 war ich an einem Wochenende zu Besuch in Chicago. Mit einem meiner Kumpel – sein Vater arbeitete für Beatrice Foods, einen Sponsor des Chicago-Marathons – stand ich direkt an der Ziellinie des Laufs. Wir verfolgten fasziniert, wie Steve Jones aus Wales mit 2:08:05 Stunden einen neuen Weltrekord aufstellte. Ich war wie verzaubert. Die Ziffern auf der Zieluhr waren wie eine Offenbarung, auch für Steve Jones selbst: „Ich habe während meiner Rennen nie eine Uhr getragen“, erzählte Jones 30 Jahre später im Interview mit RUNNER’S WORLD.

Es war das letzte Jahr, in dem Läufer noch ohne Uhr liefen. Im Orwell’schen Jahr 1984 begann eine neue Zeitrechnung, als der Uhrenhersteller Timex seine Ironman-Serie vorstellte. „Wir haben die Zeitnahme von der Ziellinie ans Handgelenk gebracht“, schreibt der Hersteller stolz in seiner Firmenhistorie. Laut Timex’ eigener Darstellung war es die erste Sportuhr, die jeder kaufen und am Arm tragen konnte.

Allerdings hatte Casio schon 1974 die Casiotron auf den Markt gebracht, die erste Uhr mit Digitalanzeige, die von vielen Läufern in den 1970ern getragen wurde. Aber das Timex-Modell war mit einer wasserdichten Stoppuhr ausgestattet, die Zwischenzeiten und Intervalle messen konnte. Und die spätere, faszinierende Indiglo-Beleuchtung mit ihrer elektrolumineszierenden Anzeige leuchtete damals in dunklen Kinosälen wie ein Schwarm von Glühwürmchen. „Ich habe nicht alle Knöpfe an der Uhr verstanden“, gestand Amby Burfoot später einmal – vermutlich war er nicht der Einzige, dem es so ging. Aber allein durch das Anlegen der Uhr konnte man fortan signalisieren: Ich bin ein Läufer. Vielleicht war das auch der Grund, warum Bill Clinton zu Beginn seiner Zeit als US-Präsident so eine Uhr trug, sogar bei seiner Amtseinführung.

Einige Jahre später mischte auch ich mich als stolzer Besitzer einer Ironman-Uhr unter die Läufer im Central Park. Ich trug meine geliebten Nike Air Zoom Spiridons in „Silber Metallic/Desert Red-Black“. Für mich hatten die Schuhe etwas Mythisches. Außerdem hatte ich mittlerweile ein sehr zeitgemäßes Gadget: einen gelben Sony-Walkman in der Sportausführung mit eingebautem Radio. Zu der Zeit war übrigens ­alles, was schreiend gelb war, eine „Sport“-Sonderausführung, ob Musikplayer oder Herbstjacke.
From Barefoot to Fitbit Walkman 03/17 +
Foto: Julie Thurston

Wer beim Laufen Musik hören wollte, konnte dies mit einem für damalige Verhältnisse kompakten Gerät tun.

Der Walkman und die nachfolgenden iPods waren bei Läufern wie Burfoot und McGillivray freilich verpönt, sie gaben dem gepflegten Gespräch mit ihren Laufpartnern den Vorzug. Oder sie diktierten ihre Geistesblitze und profunden Erkenntnisse, die sich beim Laufen einstellten, in ein Diktiergerät. Gedanken, die wir anderen sicher auch alle hatten, die aber nach dem Lauf schneller wieder verflogen, als unsere triefenden Baumwollshirts auf der Leine hingen. So ein Baumwollshirt trug auch der Football-Spieler Kevin Plank Mitte der 90er-Jahre unter seiner gepolsterten Montur. Und irgendwann wunderte er sich, dass es im Sport immer noch nichts Besseres gab als die sich mit Schweiß vollsaugenden Baumwollprodukte, die schon seit Generationen getragen wurden.

Also machte sich Plank auf nach New York in den Garment District, ein Viertel, das für seine Textilproduktionsstätten bekannt war. Plank suchte sich entsprechende Stoffe aus und schneiderte schließlich ein T-Shirt aus feuchtigkeits-transportierenden Mikrofasern, das sich sehr leicht auf der Haut trug. Nach einer kurzen Testphase mit befreundeten Football-Spielern startete der Siegeszug von Planks Textilunternehmen, das er Under Armour nannte – und das in nur wenigen Jahren zu einem der weltweit führenden Sportartikelhersteller wurde. Ich lief dennoch in meinem Baumwollshirt weiter, auch wenn ich mich dabei nicht wie ein richtiger Läufer fühlte. Ich kam mir ein wenig vor wie ein Hochstapler, der nur so tut, als wäre er ein Marathonläufer. Meinen ersten richtigen Wettkampf, den New-York-Marathon, lief ich 1998 in langen, wallenden Billabong-Surfer-Shorts, dazu ein weißes Baumwollshirt. Unterwegs stopfte ich alles in mich rein, was ich kriegen konnte: Pasten und Gels – im Gegensatz zum viermaligen Sieger Bill Rodgers, der in den 1970ern immer noch auf Pizza mit Mayonnaise (!) vertraute. Dass ich mein Ziel knapp verfehlte – ich lief 3:01 Stunden –, hatte wohl mehr mit meiner Charakterschwäche als mit dem Schnitt meiner Shorts zu tun.
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Autor: Steve Rushin 17.02.2017
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