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Von barfuß bis Fitbit Waffeleisen und Luftkissen

Bill Bowerman gibt flüssiges Polyurethan in ein Waffeleisen und ebnet somit den Weg für den modernen Laufschuh – und Nike.

From Barefoot to Fitbit Bill Bowerman Waffeleisen 03/17 +
Foto: RUNNER'S WORLD Archive

Bericht über die Geschichte, wie Bill Bowerman mit dem Waffeleisen seiner Frau die Waffelsohle erfand und Nike gründete.

Jede Religion braucht ihre Gründungsmythen und ihre Legenden. Eine der mythischen Entstehungs­geschichten des Laufsports beschreibt, wie Bill Bowerman 1971 flüssiges Polyurethan in das Waffeleisen seiner Frau Barbara goss. Das war die Ursuppe, in der Laufen und Hightech verschmolzen. Mit der legendären Waffel­sohle aus der Backform entstand der Nike Waffle Trainer. Und daraus erwuchs ein Imperium. Bowerman hatte mit einem seiner Athleten, Phil Knight, ursprünglich Onitsuka-Tiger-Schuhe aus Japan importiert. Ihren Vertrieb nannten sie Blue Ribbon Sports. Bowerman drängte Onitsuka vergeblich, ein von ihm konzipiertes Modell zu produzieren, den Tiger Cortez. Allein dem Umstand, dass daraus nichts wurde, verdankt Nike seinen kommerziellen Durchbruch. Der Nike Cortez war geboren. Wesentlichen Anteil daran hatte auch Jeff Johnson. Er war der erste Vollzeitangestellte von Blue Ribbon Sports – und der Mann, der Burfoot mit dem Tiger TG-4 ausgestattet hatte, in dem dieser den Boston-Marathon gewann (und die er nicht weiter vertreiben wollte). Johnson kam 1971 auf die Idee, Blue Ribbon umzubenennen: in „Nike“, die geflügelte Göttin des Sieges.

Meine Familie zog 1973 von Chicago nach Minnesota, und einer unserer neuen Nachbarn tat genau das, was Amby Burfoot nicht tun wollte: Nike-Schuhe verkaufen. Doug Cannady und sein Geschäftspartner Tom Adams waren Handelsvertreter für Campingausrüstung, Fahrräder und anderes Freizeit-Equipment. Und dann kamen plötzlich die Produkte von Nike dazu. Sie bekamen den Exklusivvertrieb für Minne­sota, Wisconsin, Iowa, Nebraska sowie North und South Dakota. In unserer Nachbarschaft war Laufen noch recht unbekannt. Eine Szene aus dem Film „Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy“ (2004) mit Will Ferrell in der Hauptrolle beschreibt das treffend: „Ich glaube, es heißt Jogging oder Yogging“, sagt Ferrell als Nachrichtensprecher Ron Burgundy, der 1970 selbst dem Trend folgt und laufen geht. „Es könnte auch ein ,Dsch‘ sein am Anfang, aber ich bin mir nicht sicher.“

Ob es nun Jogging oder Yogging hieß, war meiner Mutter egal. Sie glaubte nicht daran, dass Sneaker einen besseren Menschen aus einem machen, und kaufte uns weder welche von Nike, noch von Adidas oder Tiger. Stattdessen wollte sie uns billigere Schuhe andrehen, die so ähnlich aussahen. „Schau mal, vier Streifen“, sagte sie zum Beispiel, einen Schuh hochhaltend. „Das ist ein Streifen mehr als bei Adidas.“ Aber ich wusste – genau wie alle anderen Kinder –, dass es hier nicht auf die Zahl der Streifen ankam, wie bei der Armee, wo jeder zusätzliche Streifen einen höheren Rang bedeutet. Es gab damals aber noch einen weiteren Grund, warum mein Einstieg in den Laufsport sich schwierig gestaltete. Wie viele andere Läufer hatte ich Angst vor den vielen Hunden in unserer Gegend. „Frei lau­fende Hunde waren immer ein Thema“, sagt Dave McGil­livray, der 1978 von der West- bis zur Ostküste quer durch die Vereinigten Staaten lief. Der Schutz vor Hunden war für ihn wichtiger als seine Laufkleidung. „Ich lief damals mit Baumwollsocken und Baumwollshirt. Ich hatte keine Hightech-Shirts, keine Energieriegel oder Energiegels dabei, kein GPS, nichts von alledem.“ Er erzählt weiter: „Meine Energieriegel in den 70er-Jahren waren die Schokoladenkekse, die meine Mutter für mich gebacken hatte.“

In den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren fingen in den USA schließlich derart viele Menschen mit dem Laufsport an, dass sich Dave McGil­livray ­genau wie Bill Rodgers entschloss, in einem Vorort von Boston seinen eigenen Laufshop zu eröffnen. Nike-Vertreter Doug Cannady erinnert sich noch gut an den Boom der ersten Jahre: „Damals passierte es oft, dass ich in einen Laufshop kam, keine orangefarbenen Kartons mehr sah und fragte: ,Oh, habt ihr alle Nikes verkauft?‘ Und die Antwort lautete: ,Nein, es sind noch gar keine eingetroffen.‘“ Lieferengpässe waren damals an der Tagesordnung, die Nachfrage war gigantisch. Cannady: „In jenen Tagen war Nike ein Senkrechtstarter. Wir Vertreter verdienten mehr Geld als die Nike-Angestellten, vielleicht sogar mehr als Phil Knight. Wir waren eine verhasste Bande. Und Phil Knight wollte nicht zusehen, dass wir so fett wurden. Also kürzte er uns die Provision. Aber die Kollektion wurde so schnell größer, dass wir das überhaupt nicht merkten.“

Innerhalb kurzer Zeit explodierte das Laufschuhangebot, aber die Läufer wurden der Vielfalt schnell überdrüssig. „Die Kunden kamen ins Geschäft und wollten etwas Einfaches und Günstiges“, erinnert sich McGillivray. Bei dem hochtechnischen Angebot – mit Sprungfedern in den Sohlen, Pump-Mechanismen, Day-Glo-Elementen und anderem Gedöns – erschien das von außen sichtbare Luftkissen in der Sohle der Nike-Schuhe auf Anhieb als einfache, überzeugende Lösung. Vielleicht bestand genau darin das Erfolgsgeheimnis: dass da nichts weiter war als Luft.
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Autor: Steve Rushin 17.02.2017
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