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Exklusiv-Interview aus Kenia "Ich traue mir den Weltrekord zu"

Eliud Kipchoge ist beim Berlin-Marathon 2015 nach seinem Sieg beim London-Marathon im April ein ganz heißer Anwärter auf den Weltrekord. Das Interview.

Eliud Kipchoge Interview 2015 +
Foto: Jürg Wirz

Eliud Kipchoge ist nach dem Sieg in London der Favorit beim Berlin-Marathon 2015.

Vor zwölf Jahren wurde Eliud Kipchoge in Paris Weltmeister über 5.000 Meter – vor Hicham El Guerrouj und Kenenisa Bekele. Jetzt ist der 30-jährige Kenianer die erste Adresse, wenn es um den Marathon geht. Er gewann seine letzten drei Rennen und will in Berlin nach den Sternen greifen. Im Exklusiv-Interview für runnersworld.de sprach Jürg Wirz in Kenia mit dem Weltrekord-Aspiranten.

RUNNER’S WORLD: Eliud Kipchoge, der Countdown läuft. Nur noch wenige Tage bis zum Marathon in Berlin. Wie verlief die Vorbereitung?

Eliud Kipchoge: Gut, sehr gut. Diese Woche standen die letzten harten Trainings auf dem Programm: ein Bahntraining am Dienstag und der lange Lauf über 30 Kilometer am Donnerstag. In den letzten zehn Tagen geht es nur noch darum, mit leichten Läufen die Batterien aufzuladen, damit ich am Sonntag körperlich und mental hundertprozentig bereit bin.

Sie gewannen im April in London den wohl bestbesetzten Marathon in der Geschichte. Haben Sie sich diesmal gleich vorbereitet?

Eliud Kipchoge: Ja, wir haben nichts geändert, so nach dem Motto „never change a winning formula“. Patrick Sang, der mich betreut, seit ich mit dem Laufen angefangen habe, ist ein erfahrener Coach. In unserer Trainingsgruppe ist auch der Ugander Stephen Kiprotich, der Olympiasieger von London und Weltmeister von Moskau, und auch Emmanuel Mutai trainiert mit uns, obwohl er einen anderen Manager hat. Aber das ist überhaupt kein Problem. Wir profitieren voneinander und sind Kollegen.

Unter uns gesagt: Was trauen Sie sich am Sonntag zu?

Eliud Kipchoge: Ich kann nur sagen, ich bin bereit für eine ganz große Leistung. Ich traue mir den Weltrekord zu. Vieles hängt natürlich vom Wetter ab und auch von den Tempomachern. Wenn das Wetter gut ist und wir nicht schon nach 30 Kilometern alleine sind, ist viel möglich, sehr viel sogar. Die erste Streckenhälfte in 61:30 Minuten und die zweite dann einige Sekunden schneller...

Mit Ihrer Bestzeit von 2:04:05 Stunden sind sie aber mehr als eine Minute von Dennis Kimettos Weltrekord von 2:02:57 Stunden entfernt. Emmanuel Mutai, der auch in Berlin läuft, hat eine Bestzeit von 2:03:13 Stunden. Er ist der zweitschnellste Marathonläufer der Geschichte...

Eliud Kipchoge: Ich habe von meinen fünf Marathons vier gewonnen und in diesen zweieinhalb Jahren viel Erfahrung gesammelt. Die Umstellung vom Bahn- zum Marathonläufer war nicht ganz einfach. Die Motivation war kein Problem, aber Marathon stellt physisch und mental ganz andere Anforderungen. Ich weiss inzwischen, dass ein Marathon erst nach 35 Kilometern beginnt. Dann wird es echt hart. Jetzt, glaube ich, bin ich so weit, dass ich mich von 2:04:05 Stunden auf eine Zeit von unter 2:03 Stunden verbessern kann. Ich setze mir keine Grenze. Und was meinen Trainingspartner Emmanuel Mutai betrifft: Wir werden auf jeden Fall zusammenarbeiten. Wer von uns beiden am Schluss stärker ist, verdient den Sieg und, wenn es denn klappt, den Rekord. So einfach ist das. Das ist Sport.

Wird eines Tages einer kommen und den Marathon unter zwei Stunden laufen?

Eliud Kipchoge: Auf jeden Fall. Das wird schon in den nächsten zehn Jahren passieren. Wie war das mit Roger Bannister und der Meile? Er knackte 1954 als Erster die vier Minuten und trat damit eine Lawine los. Seither sind sicher schon tausend Menschen eine „Traummeile“ gelaufen. Und im Marathon: Kimetto blieb als Erster unter 2:03 Stunden. Jetzt wird ihm einer nach dem anderen folgen und noch schneller laufen. Es braucht immer einen, der die Barriere niederreißt. Es gibt im Sport keine Grenzen. Ich bin sicher, in der Zukunft wird es möglich sein, den Marathon in zweimal 59:30 Minuten zu laufen.

Da kommt natürlich auch die Frage des Dopings ins Spiel. Viele Beobachter glauben, ohne leistungssteigernde Mittel seien solche Super-Leistungen gar nicht möglich.

Eliud Kipchoge: Es ist sehr traurig, wie viele Dopingfälle es gerade in Kenia in den letzten Jahren gegeben hat. Ich kann nur sagen: Ich bin überzeugt, dass die Topathleten, die ich kenne, sauber sind. Wir alle trainieren sehr, sehr hart und das über viele Jahre. Auf der anderen Seite ist es schon so, dass viele Kenianer sehr leichtgläubig sind. Aber wir müssen aufhören, Ärzte oder Apotheker an den Pranger zu stellen. Jeder Athlet ist für sich und seinen Körper verantwortlich.

Das Interview führte Jürg Wirz.
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Autor: Jürg Wirz 17.09.2015

Hier finden Sie weitere Informationen zum Berlin-Marathon 2016.

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