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Sänger Tim Bendzko im Interview "Intervallläufe sind nicht gerade meine Lieblingseinheit"

Tim Bendzko legt wert auf eine gute Ausrüstung beim Laufen. Intervalltraining meidet der Sänger lieber.

Tim Bendzko +
Foto: Lars Pillmann

Das Intervalltraining zählt nicht gerade zu seinen Lieblingseinheiten.

Woher kommt diese Faszination für Golf?

Ich habe es so mit technischen Geräten. Ich komme immer so über das Equipment. Mein Lieblingsbeispiel: Mein bester Freund Philipp und ich haben mal ziemlich spontan beschlossen – damals haben wir noch Fußball gespielt: „Wir müssen jetzt auch Tennis spielen.“ Keine Ahnung, wie wir darauf gekommen sind. Ich komme ja aus dem Osten, und da denkt man eigentlich nicht über Tennis nach. Egal, jedenfalls haben wir uns beide Tennisschläger gekauft, dazu auch die komplette Tenniskleidung – Hose, Schuhe und T-Shirt. Wir waren beide top angezogen. Und so sind wir in Köpenick auf einen Tennisplatz gegangen. Auf den durfte man natürlich nur drauf, wenn man Mitglied ist, das ist ja beim Tennis so wie beim Golf. Wir sind da hin, haben gespielt – und dann haben neben uns zwei Vereinsmitglieder gespielt. Nach zwei Stunden fragen die uns dann, ob wir denn auch bei der Vereinsfeier am Abend dabei sind? Da haben wir uns natürlich gefeiert – weil es eigentlich offensichtlich war, dass wir noch nie Tennis gespielt hatten. Aber durch unser Outfit und unser Getue – wir haben natürlich auch alles imitiert, was wir so aus dem Fernsehen kannten – haben uns die Clubmitglieder für Ihresgleichen gehalten.

Dann wäre Triathlon eigentlich der ideale Sport für Dich? Das ist doch Material-Fetischismus pur! Na klar! Das wäre dann das nächste. Und da wäre es mit Sicherheit so, dass ich mich wochenlang mit dem Thema Fahrrad beschäftigen würde. Wie beim Golf. Da habe ich mir im November – da habe ich gerade drei vier Monate gegolft – ein Blade-Set bestellt. Das sind Schläger, die aus einem Stück gegossen sind – und wenn Du sie gut triffst, dann sind die extrem präzise. Aber es steht da überall auf der Verpackung mit fünf Ausrufezeichen, dass die nur für Single-Handicap geeignet sind. Und da muss ich erst noch dran arbeiten.

Achtest Du beim Laufen stark auf Deine Ausrüstung, auf Deinen Style?

Ja, schon. Das muss schon anständig aussehen. – Okay, beim Halbmarathon in Hamburg passte nix zusammen, das war eher funktionell – aber immerhin, in die Hose passte mein Handy. Und das T-Shirt, das war halt mein Lauf-T-Shirt, da fühle ich mich gut drin. Aber es muss schon Laufkleidung sein. Ich würde nicht im Deutschland-Trikot laufen. Das könnte ich nicht.

Bist du mal in Berlin bei so Lauf-Crews mitgelaufen?

Ich wollte das immer mal machen – aber irgendwann war ich dann auch schon zu schnell für diese Gruppen. Das war mir zu langsam – da hätte ich wirklich gar keinen Trainingseffekt mehr gehabt.

Wie würdest Du Dich selbst bezeichnen, ambitionierter Hobbyläufer? Oder läufst Du in erster Linie um abzuschalten?

Schon auch um abzuschalten. Aber in erster Linie um fit zu sein. Um schneller regenerieren zu können, also nicht nur sportlich, sondern generell, was ja Regenerationsfähigkeit bedeutet. Das hat vielleicht mit der Musik zu tun. Drei Wochen passiert da nix. Und dann arbeitest Du in zwei Wochen so viel wie andere in zwei Jahren. Und die zwei Wochen möchte ich gerne gesund überstehen.

Kann man das vergleichen: Ist so ein Konzertabend vergleichbar mit einem Halbmarathon?

Naja, das Konzert ist schon deutlich weniger anstrengend, aber man darf die Energie nicht unterschätzen. Es ist nicht nur eine Ausdauerfrage und eine Kraftfrage, sondern es ist auch eine Frage des Energie-Levels. – Der Ferritin-Wert muss schon stimmen! Wenn Du leer bist, geht nix. So ein Konzert saugt Dich ganz schön aus.

Vielleicht eher vergleichbar mit einem 10.000-m-Lauf vom Energielevel her?

Vielleicht, denn es geht nicht nur darum, dass man gut da stehen will. Ich sehe mich da auch in der Verantwortung. Die Leute zahlen halt Geld für das Konzert. Und das muss von der ersten bis zur letzten Sekunde passen. Ich will die Leute unterhalten. Wenn man so denkt: „Als Sänger und Songwriter mache ich mal so ein bisschen Musik, und das muss halt reichen.“ Nein, das reicht halt nicht!

Du hast seit letztem Jahr eine Reihe „Wohnzimmer-Konzerte“ gegeben, also in kleineren Sälen: waren die anstrengender?

Nein, im Gegenteil, das war aus vielerlei Hinsicht entspannter, was aber auch so ein Kopf-Ding ist: Weil wir das vorher schon klein-gedacht haben. Und so passiert es dann auch: Man geht mit der Einstellung auf die Bühne, dass das heute ein entspannter Abend wird – und so ist es dann. Man will den Leuten natürlich tatsächlich näher kommen. Eigentlich ist das ein Training, um es auch auf einer großen Bühne hinzubekommen. Also wenn man das vor 20.000 Leuten hinbekommt – dann kann man’s!

Beim Laufen gibt es da „Lieblingsläufe“ – so wie Du vielleicht auch Lieblings-Konzerte oder eine Lieblings-Bühne hast?

Das ist weniger eine Bühne als bestimmte Städte, wo man positiv anders drauf ist, aus irgendeinem Grund. Da machst Du den ersten Schritt auf die Bühne – und es macht „Bamm“! Die Leute sind schon am Start, wie zum Beispiel in Köln. Das ist allerdings deshalb nicht einfacher, nur weil die schon feiern. Oder in Berlin: Wir singen zwei Songs, und das Publikum ist außer sich. Das habe ich noch nie erlebt. Und dann muss man einen Modus-Wechsel hinbekommen, von: „Wir müssen die irgendwie kriegen“, zu „wir müssen die irgendwie bei der Stange halten. Den Entertainer kann ich heute vergessen – wir müssen musikalisch überzeugen.“

Und beim Laufen – Lieblingslauf? Oder eine Trainingseinheit?

Ich kann Dir sagen, was nicht meine Lieblingseinheit ist: Intervallläufe! Ich glaube, dafür ist mein Hirn einfach nicht gemacht, das ist wirklich so eine Einstellungssache. Wie letztens, 18 Kilometer mit sechs zehn-Minuten Intervallen „schnell“, dazwischen zwei Minuten gehen. Beim dritten Intervall hatte ich keine Lust mehr. Und wenn Du nach den Strecken fragst: Hamburg fand ich schon schön! Aber eigentlich spielt das Wetter auch eine wichtige Rolle. Ich bin auch nicht so ein Sightseeing-Typ, jedenfalls könnte ich jetzt nicht sagen, was ich von Hamburg gesehen habe!
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Autor: Urs Weber 10.09.2015
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