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Sänger Tim Bendzko im Interview Darum lebt Tim vegan

Im Interview verrät uns Tim Bendzko, warum er Veganer ist und erläutert seine Beweggründe.

Tim Bendzko +
Foto: Lars Pillmann

Urs Weber interviewte Tim Bendzko in Berlin.

Hast Du beim Laufen Melodien im Kopf, oder fallen Dir welche ein? Komponierst Du?

Eher nicht. Es ist schon eher ein „Leer“-Laufen bei mir. Klar, wenn ich über irgendetwas nachdenke oder an etwas zu knabbern habe, dann denke ich das beim Laufen auch gerne fertig. Und ich komme dann zurück und dann ist‘s auch gut, raus aus dem Hirn. Aber ich bin da nicht irgendwie kreativ – oder denke, wenn ich durch den Wald laufe: Oh, da müsste ich mal ein Lied über Bäume schreiben.

Oder ein Lied über‘s Laufen? Hast Du ja eigentlich schon!

Stimmt, aber der Titel „Ich laufe davon“ ist im 6/8-Takt – dazu kann man nicht laufen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Komponieren ist also getrennt vom Trainieren?

Dazu kann ich eine Geschichte erzählen: Als ich die Songs für meine letzte Platte komponiert habe, habe ich mal auf Facebook ein Foto gepostet, wie ich am Schreibtisch saß und gleichzeitig drei Laptops aufgeschlagen hatte. Die Leute dachten, dass hätte ich gestellt. Aber beim Komponieren ist die Zeit manchmal unheimlich verdichtet, ich bin voll konzentriert. Und es muss alles ganz schnell gehen. Das geht dann tatsächlich nur mit mehreren Rechnern. Wobei: Ich kann natürlich in zwei Wochen zwölf Songs schreiben und habe das früher auch gemacht. Heute lasse ich mir gerne Zeit. Zeit ist Luxus. Mir fallen dann manchmal im Laufe eines Tages die Zeilen ein. Oder manchmal sitze ich da, zwei Stunden, und ich weiß aber: Gleich fällt mir die letzte Zeile ein. Dann habe ich das Lied. Das ist natürlich auch Übung, früher hätte ich das auch nicht so gekonnt. Aber jetzt gönne ich mir den Luxus, und dann kann ich halt auch zwischendurch trainieren.

Hörst Du Musik beim Laufen?

Nein. Wobei, ich habe das letztens zum ersten Mal gemacht. Und wenn ich jetzt so ganz lange Strecken laufe in der Marathonvorbereitung, dann werde ich das schon ausprobieren. Das ist dann schon langweilig, gerade wenn man so langsam läuft. Wenn man auf Zeit läuft, ist man ja beschäftigt, die ganze Zeit. Aber alleine und langsam – da habe ich dieses Adidas–Teil, was quasi die Musik nach Deinem Tempo auswählt. Da läufst Du schneller und entspannter, weil du einen Rhythmus hast, so schnell wie du läufst. Ansonsten strengt es mich extrem körperlich an, Musik zu hören. Gerade wenn sie nicht in dem Rhythmus ist, in dem Du läufst.

Ist das vielleicht, weil Du Musiker bist – und deshalb ein anderes Verständnis von Musikgenuss hast?

Ich kenne viele, die genau so sind wie ich: Es würde sie völlig fertig machen, ständig Musik zu hören. Außerdem bin ich auch nicht der Kopfhörer-Fanatiker, der die ganze Zeit rumläuft und Musik hört. Das habe ich mal mit zwölf gemacht, aber heute nicht mehr.

Welche Musik würdest Du denn beim Laufen hören?

Ich habe bei einem Lauf mal die Zufallsauswahl auf Spotify ausprobiert – und das war wirklich ganz witzig. Weil das teilweise Musik ohne Rhythmus-Instrumente war. Aber statt Musik werde ich bei den langen Läufen eher versuchen, jemanden zu finden, der mich ein Stück begleitet. Sei es auch nur ein Stück lang. Die langen Läufe mit 25-30 Kilometern – das ist dann sonst schon auch Zeitverschwendung, da reicht dann mein sportlicher Ehrgeiz nicht mehr ganz aus. Das ist eigentlich das einzige, was mich am Laufen nervt: So drei bis vier Stunden machst Du dann eigentlich nichts außer laufen. Beim Golf habe ich irgendwie das Gefühl, das ich was tue, da bin ich die ganze Zeit beschäftigt.

Du planst jetzt Deinen ersten Marathon – wird das eine einmalige Sache, oder setzt Du Dir schon weitere Ziele?

Wir warten‘s mal ab, bis ich den gelaufen bin. Unter vier Stunden. Und danach will ich versuchen, den Halbmarathon auf eine schöne Zeit zu kriegen. Beim Halbmarathon reizt mich die Strecke mehr. Und da habe ich auch nicht das Gefühl, dass das so ungesund ist. Beim Marathon habe ich das Gefühl, dass das ab einem gewissen Grad nicht mehr gesund ist. Gerade auch, weil es so ein großer Trainingsumfang ist. Und ich weiß genau, dass ich die nächsten Jahre nicht den Trainingsumfang fahren kann, den ich fahren müsste.

Thema Ernährung – Du bist Veganer?

Ja, ich esse aber auch Fisch. Weil es mir beim vegan Essen nicht darum geht, dass ich kein Fleisch esse, sondern es geht mir mehr um die Milch. Die hat, finde ich, nichts in unserer Ernährung verloren. Es ist bei so vielen Dingen Milch drin oder Sahne, wo es einfach nicht reingehört. Und wo ich nicht glaube, dass wir Menschen das zu uns nehmen sollten. Wir sind die einzige Spezies, die die Muttermilch einer anderen Spezies trinkt. Und das fühlt sich für mich dumm an – unabhängig davon, dass ich eh Laktose-intolerant bin und das sowieso nicht zu mir nehmen sollte. Das ist so ein bisschen als Mode-Erscheinung verrufen. Aber de facto sind die meisten Menschen Lactose-intolerant. Viele wissen es nur nicht.
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Autor: Urs Weber 10.09.2015
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