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Geballte Frauenpower Drei schnelle Wegbereiterinnen erinnern sich an die Anfänge des Frauenlaufs

Vor dem 30. Berliner Frauenlauf erinnern sich Irina Mikitenko, Kathrine Switzer, Frauenlauf-Pionierin in den USA und Christa Vahlensieck, erste deutsche Marathonmeisterin.

Treffen vor dem Berliner Frauenlauf: Irina Mikitenko, Kathrine Switzer und Christa Vahlensieck +
Foto: SCC EVENTS/Camera4

Geballte Frauenpower in Berlin. Anlässlich des 30. Avon Berliner Frauenlaufs kamen drei ganz starke Läuferinnen zusammen: Die beste deutsche Läuferin, Irina Mikitenko, die Pionierin des Frauenlaufs in den USA, Kathrine Switzer und Christa Vahlensieck, die erste deutsche Marathonmeisterin (1973).

Mit selbstverständlicher Leichtigkeit und Freude stehen am Samstag, den 4. Mai, über 18.000 Läuferinnen am Start des Berliner Frauenlaufs – doch das war vor 30 Jahren, bei der ersten Austragung noch anders. Die Geschichte des Frauenlaufs ist noch jung. Bei der ersten Austragung des Berliner Frauenlaufs 1984 lief auch Christa Vahlensieck mit. Sie hatte den weltweit ersten Frauenmarathon gewonnen. Der fand 1973 im westfälischen Waldniel statt. „Das war spannend, damals. Wir waren vielleicht 50 Läuferinnen, kannten uns fast alle von der Mittelstrecke, andere Läufe gab es ja nicht für Frauen. Und im Training war ich noch nie mehr als 25 Kilometer gelaufen.“ Christa gewann in 2:59:25,6 Stunden, „aber die zweite Hälfte bin ich neun Minuten schneller gelaufen als die erste: Keine von uns Frauen wusste ja so richtig, wie schnell wir anlaufen sollten. Und unser Trainer, der uns mit dem Rad begleitete, hat uns auf der ersten Hälfte immer gebremst. Er hatte Angst, dass wir zu schnell laufen.“

Wegbereiter für den Frauen-Marathon war Dr. Ernst van Aaken. „Er hat mir einen Brief geschrieben und mich zu dem Lauf eingeladen – so wie den anderen Läuferinnen auch“, so Christa Vahlensieck. Der Arzt war von den positiven gesundheitlichen Auswirkungen des langsamen Dauerlaufs überzeugt. Übrigens durften beim Schwarzwald-Marathon bereits 1968 Frauen offiziell teilnehmen. „Aber davon wusste ich gar nichts“, so Christa, „denn Laufzeitschriften oder schriftliche Informationen über Veranstaltungen gab es ja noch nicht – Internet oder Social Media schon gar nicht.“ Später lief Christa Vahlensieck neun Weltrekorde und verbesserte ihre Marathonbestzeit auf 2:34 Stunden.
Auch Kathrine Switzer war vor Ort beim ersten Frauenlauf in Berlin, sie hatte sich in den USA für die Entwicklung des Frauenlaufs stark gemacht. „Ich hatte mit Horst Milde Kontakt, dem Gründer des Frauenlaufs. Wir saßen in der kleinen Küche über seiner Backstube bei einem Kaffee zusammen“, erinnert sich Kathrine. Sie hatte bereits in den 70er Jahren in den USA den Kosmetikkonzern Avon überzeugen können, die Idee des Frauenlaufs zu sponsern. „In Deutschland war es genau die richtige Idee, mit dem Frauenlauf damals in das geteilte Berlin zu kommen und ein Zeichen zu setzen. Das wäre nirgendwo sonst so beachtet worden“, ist sich Katherine Switzer sicher.

1967 war sie mit Startnummer beim Boston-Marathon gestartet. Was sich heute wie eine Selbstverständlichkeit anhört, das war damals für Frauen verboten. Frauen durften nicht teilnehmen. Der Rennleiter entdeckte sie nach einigen Kilometern im Läuferfeld und wollte sie mit Gewalt am Weiterlaufen hindern. Die Fotos von dem Zwischenfall gingen um die Welt - und machten Kathrine als erste Frau, die offiziell einen Marathon gefinisht hatte, populär. Ihre spannende Geschichte hat sie in ihrem Buch „Marathon Woman“ festgehalten. Switzer ist noch heute auf der ganzen Welt unterwegs, um die Idee des Frauenlaufs zu fördern – vor ihrer Ankunft in Berlin war sie bei Frauenlaufpremieren in Afrika und Südostasien. „Frauen wollen überall laufen“, so Kathrine, „sogar in islamischen Ländern laufen sie jetzt schon – mit dem Kopftuch.“
Eine spannende Karriere hat Irina Mikitenko jetzt schon beschrieben, aber sie soll noch weitergehen. Denn in diesem Jahr startet Deutschlands erfolgreichste Langstrecklerin – 2008 gewann sie den Berlin-Marathon in deutscher Rekordzeit von 2:19:19 Stunden – erstmals in der Masters-Klasse. In Tokio lief sie 2013 bereits eine Topzeit (2:26:41 Stunden) und wurde Dritte. Die vierfache Siegerin des Berliner Frauenlaufs will im Herbst einen Marathon laufen und sich weiter steigern, ihr Ziel ist der Masters-Weltrekord der Frauen. „Beim Frauenlauf“, so lobt die Topläuferin, „ist einfach immer viel bessere Stimmung unter den Teilnehmerinnen, denen macht das Laufen einfach Spaß.“

Der Frauenlauf sei einfach eine Werbung für den Laufsport, ist sich die zweifache Mutter sicher. „Auch für die Zuschauer ist es ein Riesenspaß, bei einem Frauenlauf dabei zu sein.“ Aber nicht nur das: Gefragt, warum die deutschen Läuferinnen derzeit ein so viel besseres Leistungsniveau als die Männer haben, sagt sie: „Frauen können auch besser bis an ihre Grenzen gehen.“ Nach dem Frauenlauf will sie überlegen, wo sie in diesem Jahr – voraussichtlich im Herbst – einen großen Marathon laufen will. Der Berlin-Marathon, bei dem sie ihre Bestzeit und ihren ersten Marathon lief, steht da ganz oben in ihren Überlegungen.

Als größter Frauenlauf Deutschlands hat der Berliner Frauenlauf mittlerweile zahlreiche Nachahmer gefunden – in Deutschland allein gibt es an die 40 verschiedenen Veranstaltungen – neben Berlin unter anderem auch in Hamburg, Frankfurt, Köln und München (womensrun.de).
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03.05.2013

Hier finden Sie weitere Informationen zum Berliner Frauenlauf 2017.

Lesen Sie auch: Registrierungsphase für den Berlin-Marathon 2018 startet
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