Top Themen: Laufhelden | Individuelle Trainingspläne | Laufschuh-Datenbank | Uhren-Datenbank | Lauftrainer-App | Laufen anfangen | Laufen

Interview mit dem Sänger Ein Lauf mit Axel Bosse

Der Sieger des Bundesvision Songcontest 2013 Axel Bosse fand das Joggen früher langweilig. Mittlerweile hat sich seine Einstellung komplett geändert und er will sogar einen Halbmarathon laufen.

Axel Bosse +
Foto: Marcus Vogel

Axel Bosse macht sich mit Laufen fit für seine Tourneen.

Trainingstagebuch
Strecke: Hirschpark/Elbufer
Ort: Hamburg
Wetter: sonnig, 22 Grad
Distanz: 7,2 Kilometer
Zeit:43 Minuten
Tempo: 6:00 Min./km

Du bist gerade auf Konzerttournee. Kommst du währenddessen auch zum Laufen?

Damit ich so eine Tour durchhalte, laufe ich. Das ist ein Ziel. Und ich möchte damit gern ein paar Kilo verlieren, fit werden. Am Tag eines Konzerts laufe ich morgens acht Kilometer. Und dann spiele ich abends das Konzert. Das ist mein Sportprogramm. Ganz schön ambitioniert, oder? (Lacht.)

Trainierst du für die Konzerte?

Wir spielen im Schnitt 25 Konzerte am Stück, bei denen ich am Abend zweieinhalb Stunden durchtanze und -singe. Das geht mehr auf die Lunge und Pumpe als auf die Knochen. Vor allem das Singen ist bei der Luftfeuchtigkeit in den Konzertsälen anstrengend. Das ist für mich wie zweieinhalb Stunden Squash: volle Power in der Halle, wo wenig Luft ist und man gesanglich irgendwie gegenhaut.

Läufst du bei den Tourneen immer allein oder kommen auch mal andere aus der Band mit?

Mein Klavierspieler und ich, wir laufen. Und meine Sängerin ist super in Pilates. Das machen wir mit der ganzen Crew zusammen um 15:30 Uhr, vor dem Soundcheck.

Warst du schon immer sportlich?

Ich bin Sportler, seitdem ich laufen kann. Früher habe ich leistungsmäßig Fußball und Tennis gespielt. Ich habe auch Kickboxen gemacht. Das waren meine drei Sportarten.

Du hast früher richtig ambitioniert Tennis gespielt?

Ja, täglich. Mit Tennis-Camps in Tunesien und der Hoffnung, das Nick Bollettieri mal anruft (legendärer Coach, u. a. von Andre Agassi, Monica Seles, Marija Scharapowa und Sabine Lisicki; Anm. d. Red.).

Und aufs Laufen bist du ganz von allein gekommen?

Ich fand Joggen immer sehr, sehr langweilig und hatte nie diesen Moment, in dem man so sagt: Es läuft. Ich fand es auch anstrengend und dachte immer, ich bräuchte so was wie ein Ziel: ein Tor schießen, ein Ass schlagen, verlieren, gewinnen, irgendwo gegenhauen. Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, so beim fünften Anlauf, dass ich durch das Laufen einerseits gut runterkomme, andererseits aber auch gut draufkomme. Also genau das, was man sich vom Sport erhofft. Das Laufen ließ sich immer gut in meinen Tagesablauf integrieren und ich konnte dabei auf Tour Stadtviertel kennenlernen, die ich sonst höchstens per Fahrrad oder Regionalbus hätte erkunden können. Und es ist eigentlich die perfekte Sache um sich fit zu halten.

Hast du eine Laufroutine wenn Du nicht auf Tour bist? Eine Hausrunde?

Meine Hausrunde ist so viereinhalb Kilometer. Von der Haustür durch den Park und wieder zurück. Manchmal mag ich, es keine Runde zu haben, dann einfach mal zu laufen und irgendwie wieder zurückzukommen. Damit es auch mal ein bisschen länger wird, und ich nicht weiß, wie lang ich jetzt unterwegs bin. Das ist dann eigentlich eher anstrengend. In anderen Städten ist natürlich super schön, da kann man vorher mal gucken, wo man langrennt. Oder man fragt Leute vor Ort. Und dann rennt man einfach los. Auch Cottbus hat da seine Ecken. Da spiele ich morgen. Da weiß ich schon, wo ich lang laufe und da freu ich mich auch drauf.

Kickst Du noch gelegentlich?

Ich spiele gerne Fußball. Ich finde es Wahnsinn, dass es so gar nichts mit Laufen zu tun hat. Das hat eine andere Qualität. Beim Fußball: Dieses Antreten, auf den Punkt schnell sein und wieder abstoppen. Und wieder warten und gucken. Manchmal finde ich es affig, im selben Tempo durch den Park zu rennen, ich mache dann, wenn keiner guckt auch mal Sprints.

Bist du beim Laufen schon mal auf Textzeilen gekommen?

Ja, definitiv sogar. Es kommt aber auf meine körperliche Verfassung an. Manchmal ist es so, dass mir das Laufen weh tut. Besonders wenn ich mich zwinge. Zum Beispiel im Winter. Wenn ich darauf achten muss, dass ich die Runde schaffe und dass ich nicht hinfalle, bin ich der letzte, der dabei auf Ideen kommt. Manchmal wenn ich dann austrainiert bin, für meine Verhältnisse, und ich dann laufe, dann habe ich schon so ein freies Gefühl. Wobei das sogar stärker nach dem Laufen als während des Laufens ist. Mir geht es dabei aber vor allem um die Dusche danach, das ist so ein Gefühl wie nach der Sauna: Ich hab was gemacht, ich merke meinen Körper. Jetzt bin ich geduscht. Und wenn ich mich jetzt ans Klavier setze, dann hab ich den ganzen anderen Schmu vergessen und kann komponieren.

Laufen oder Sport spielt bei dir in der Musik keine Rolle?

Ich hab bis jetzt noch nie über`s Joggen gesungen. Ich habe eine Zeile über Aubameyang gedropt : „Das Glück ist schnell wie Aubameyang. Und ich ein dummer Elefant.“

Hat das Laufen für dich einen leistungssportlichen Anreiz?

Ich würde gerne einen Halbmarathon laufen. Ich weiß noch nicht wo. Irgendwo wo mich keiner kennt. Wo ich einfach so mein Ding machen kann. Ich finde, einmal im Leben sollte man auch einen Marathon gelaufen sein. Ich werde erstmal mit einem Halben anfangen, und danach möchte ich mal gucken. Dieses Jahr, 2016, ist mein physisches Jahr. Ich muss jetzt nicht Songs schreiben, ich kann. Aber ich habe keinen Druck. Die Tage sind also schon durchgeplant und ich kann mir zwischendurch suchen, was ich mir so als Ziel nehme. Ich will in diesem Jahr einen guten Halbmarathon laufen und im nächsten vielleicht einen Marathon. Aber dafür muss ich trainieren, da brauch ich auch jemanden für.

Wie ist das mit Styling und Equipment?

Ich find das gut. Also ich glaube, dass man gute Schuhe braucht. Ich hab diese Nike-Treter hier. Die habe ich auch schon ganz lange an. Die sind gut eingelaufen. Irgendwann sind die auch im Arsch. Aber ich hab auch schon die nächsten davon im Keller stehen. Ich kenne viele, die gerne Songs schreiben würden und die sich dann auch erstmal für 5.000 Euro ein Homestudio kaufen und dann irgendwann merken, dass es nix bringt. Und für mich gilt: Wenn ich joggen gehen will, dann geh ich eben joggen. Und mein Tempo ist mein Tempo. Manchmal ist es sicher toll sowas zu haben, so einen Technikfummel, damit man weiß, ich bin jetzt schon eine Stunde unterwegs und gleich macht der Körper schlapp, und ich lauf zu schnell oder so. Bei mir selbst ist es aber so: Ich lass mich von dem einen Typ aus meiner Band kontrollieren, dass ich mein Tempo habe, meine Atmung okay ist. Ich brauch das Equipment nicht. Ich find‘s manchmal auch so ein bisschen hinderlich, dass immer alles so zu wissen. Manchmal fühlt man sich halt so, manchmal anders. Das ist das Equipment doch egal.

Bist du mal mit anderen Musikern gelaufen?

Ja, sehr oft. Etwa mit den Donots, der Schlagzeuger läuft sehr viel. Mit Elif bin ich schon gelaufen, einer Berliner Musikerin. Elif ist sogar gerade einen Halbmarathon gelaufen. Mit Agnes Obel bin ich gelaufen, das ist eine dänische Künstlerin; mit der spiele ich sonst Badminton. Die Jungs von Calexico, das ist so eine Band aus Amerika. Die sind auch sehr joggaffin.

Hörst Du Musik beim Laufen?

Ich bin froh, wenn ich mal keine Musik hören muss! Eigentlich komme ich aus dem Studio und gehe dann joggen. Wenn ich da nochmal Musik hören müsste, würde ich verrückt.

Wenn du eine Empfehlung für eine Playlist geben würdest?

In der Tat hören viele Marathonläufer die Musik von meinen CDs. Bei iTunes sind das immer die 125er oder 135er-Songs (Beats per Minute, d. Red.), das muss irgendwie dieses Tempo sein, damit man im Laufflow ist. Mich bringt Musik immer komplett durcheinander. Ich hab das probiert, und es ist nix für mich. Früher hab ich mal versucht, auf die Ting Tings zu laufen, eine super Band, die haben viele Songs auch im 125er Bereich. Auf die Ting Tings würde ich immer Sport machen! Ansonsten würde ich immer Deichkind empfehlen. Aber da rennt man wahrscheinlich auch wieder zu schnell.
Jetzt noch besser laufen: aktuelle Lauftipps, News und Tests >>

Autor: Interview: Urs Weber 08.06.2016
Ein Lauf mit ...
Der SchriftstellerEin Lauf mit Eugen Ruge

Die Idee für seinen ersten Marathon hatte Eugen Ruge im Alter von 49 Jahren, als er am Brandenburger Tor beim Berlin-Marathon zuschaute. ...mehr

Der RechtsanwaltEin Lauf mit Matthias Prinz

Der Rechtsanwalt Matthias Prinz lief seinen besten Marathon in New York in 3:49 Stunden. ...mehr

Der BundesgesundheitsministerEin Lauf mit Daniel Bahr

Unser Gesundheitsminister Daniel Bahr trägt auf seinen vielen Reisen die Laufschuhe immer mit sich. ...mehr

Kostenloser Newsletter
RUNNER'S WORLD ERLEBEN
Mehr zu Community
Kaiserlicher Wiederbelebungsdauerlauf
Wiederbelebung

Foto: iStockphoto.com / Mihajlo Maricic

Dieter Baumann ist in der "Woche der Wiederbelebung" besorgt darüber, dass sich nur jeder ... ...mehr

Anspruchsvoller Unkenlauf
Teich

Foto: Rodale Images

Dieter Baumann läuft auf seiner Haus- und Hofstrecke regelmäßig an einem Teich vorbei, den... ...mehr

Lisa Richter finisht Hindernislauf im Rollstuhl
Rollstuhlfahrerin Lisa Richter finisht Hindernislauf Xletix Gelsenkirchen 2016

Foto: Lukas Poschmann Photography

Der Rollstuhlfahrerin Lisa Richter gelang beim Xletix in Gelsenkirchen eine Deutschlandpre... ...mehr

Sie sind hier: >> >> >>Ein Lauf mit Axel Bosse
(©) Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG