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Laufen mit der Fernseh- und Radio-Moderatorin Ein Lauf mit Bettina Tietjen

Bettina Tietjen läuft seit elf Jahren. Die Fernseh- und Radio-Moderatorin beim Norddeutschen Rundfunk möchte das Laufen nicht mehr missen.

Trainingstagebuch
Strecke: Harburger Berge
Ort: Hamburg
Wetter: schwül, 25 Grad
Distanz: 7,5 Kilometer
Zeit: 50 Minuten
Tempo: 6:40 min/km

Wir laufen hier auf Ihrer Hausrunde durch die Harburger Berge. Laufen Sie die sonst allein oder in Begleitung?

Wenn’s passt, laufe ich mal mit einer Freundin, aber meistens alleine. Manche mögen das ja nicht so gern allein im Wald, aber ich hab hier überhaupt keine Angst. Ich laufe aber nur im Hellen, immer morgens, mal um 8, mal um 9, mal um 10 Uhr; meine Arbeitszeit kann ich mir ja Großteils selbst einteilen. Mit meinem Sohn bin ich auch mal gelaufen, aber ihm bin ich viel zu langsam. Er sagt, nur ganz Alte und ganz Dicke würden so langsam laufen.

Ist denn schon mal was Beängstigendes passiert?
Einmal hatte ich eine Begegnung mit einer Wildschweinbache mit ihren Jungen; da muss man aufpassen, weil sie aggressiv werden können. In einiger Entfernung vor mir stand plötzlich ein Tier auf dem Weg. Ich konnte aber nicht so recht erkennen, was es war. Erst dachte ich, es sei ein Hund oder sogar ein Wolf, hab dann aber gesehen, dass es ein Wildschwein war. Es setzte sich dann in Bewegung und zwei oder drei Kleine liefen hinterher. Während ich noch überlegte, ob ich umdrehen sollte, lief sie mit den Kleinen über den Weg in den Wald und verschwand, sodass ich einfach weiterlaufen konnte. Ein anderes Mal rannte ein sehr großes Wildschwein direkt vor mir über den Weg, verschwand aber auch sehr schnell wieder. Da hab ich schon einen ganz schönen Schrecken bekommen.

Skurriler war aber eine andere Begegnung. Ich lief allein und sah auf einmal an der nächsten Wegkreuzung einen Mann entlangspazieren mit Kappe, Rucksack, Wanderschuhen und Handschuhen, der Rest war hautfarben. Komisches Outfit, dachte ich, ein hautfarbener Jogginganzug. Erst als ich näher kam, sah ich, dass er nackt war. Ein Nacktwanderer. Kurze Zeit später kam mir dann mitten im Wald ein Polizeiwagen entgegen, sie hielten an und sagten, sie suchten zwei Personen – einen Nackten und einen mit Vollbart, der sich hier im Unterholz rumtreiben soll. Ich sagte, der Nackte ist grad da links rum, den Bärtigen hab ich noch nicht gesehen. Danach hab ich aber schon Ausschau gehalten.

Haben Sie erfahren, wie es ausgegangen ist?
Nein, eben nicht, ich hab tagelang die Zeitung durchforstet, aber es stand nichts drin.

Und was war das schönste Lauferlebnis?
Hmm, das war, dass ich einen Marathon geschafft habe. Ich lauf ja nicht schnell, ich bin eigentlich gar nicht besonders sportlich, hab ja erst vor elf Jahren angefangen zu laufen und hatte vorher gar keinen Sport gemacht, höchstens mal Fahrradfahren und Skifahren. Ich hab Sport gehasst. Ich bin eine richtige kleine Sporthasserin gewesen. Im Sport hatte ich auch immer eine Vier. Aber irgendwann hatte ich das Buch von Carl-Uwe Steeb gelesen, Moving. Er war vor elf Jahren bei mir in der Sendung und forderte uns auf, eine persönliche Moving-Wette abzuschließen, um den inneren Schweinehund zu überwinden. Ich war gerade Mitte vierzig und in einem Stadium, dass ich dachte, ich muss irgendwas machen, ich muss mein Leben ändern, ich fange an einzurosten. Ich wollte nicht mit Mitte fünfzig kaum noch gehen können. Ich war auch deutlich schwerer, 15 Kilo hatte ich damals mit dem Laufen abgenommen und auch heute wiege ich noch 10 Kilo weniger als damals.

Was hatten Sie gewettet?
Die Wette war, wenn ich es nicht schaffe, vier Wochen lang dreimal die Woche eine halbe Stunde durch den Wald zu laufen, musste ich im ballonseidenen Jogginganzug moderieren. Das war für mich Grund genug, um das mal auszuprobieren. Aber ich hatte auch vorher schon diese innere Bereitschaft dazu. Das Laufen hat mir dann so einen Spaß gemacht, dass ich dachte, das mache ich jetzt immer.
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Autor: Britta Ost 20.08.2015
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