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Kickbox-Weltmeisterin und Moderatorin Ein Lauf mit der Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss

Auch an trainingsfreien Tagen kann Christine Theiss nicht ruhig zu Hause sitzen. Die Boxerin läuft dann in Begleitung ihrer beiden Boxer.

Trainingstagebuch
Strecke: Nordteil des Englischen Gartens in München
Wetter: Nieselregen, 14 Grad
Distanz: 6,2 Kilometer
Zeit: 38 Minuten
Tempo: 6:00 min/km

Ihre Hunde sind ja Boxer – wie passend! Gehen die immer mit laufen?
Klar, die Hunde müssen ja raus. Wir sind im Moment täglich im Englischen Garten unterwegs, denn jetzt habe ich gerade trainingsfrei.

2003 haben Sie ein Buch mit dem ­Titel „Das Vollweib-Training“ geschrieben. Haben sich Ihre Trainingsprinzipien seitdem geändert?
Nein, an den Prinzipien hat sich nichts geändert, aber ich habe sie über die Jahre weiterentwickelt. Im letzten Jahr habe ich zum Beispiel mein täg­liches Programm mit ­meinem Personal-Trainer Klaus Kerndl zusätzlich um ein regelmäßiges Boxtraining erweitert.

Sie laufen täglich, weil Sie trainingsfrei haben
Ja, ich brauche die Bewegung, auch in der Ruhephase, so paradox das klingt. Mein letzter Kampf war im Mai, der nächste wird erst im Dezember sein. Sportlich ist es also ­gerade ruhig: Ich gehe dreimal pro Woche Kickboxen und laufe gemütlich längere Strecken.

Was ist eine „längere Strecke“?
Zwölf Kilometer in einer Stunde. Das ist für mich Wohlfühltempo und gilt als Grundlagentraining. Wenn es dann wieder losgeht mit der konzentrierten Vorbereitung, dann kommen Sprints dazu und Intervalltraining am Berg.

Sie machen Vollkontakt-Kickboxen. Haben Sie dabei keine Angst?
Ich gehe mit der Einstellung rein: „Das wird jetzt wehtun.“ Da muss man durch, vor allem vom Kopf her. Bei meinem letzten Kampf habe ich mir die Nase gebrochen. Ich hatte sie mir drei ­Wochen vorher schon im Training gebrochen, und ich wusste, dass sie im Kampf noch einmal brechen würde. Da mir das im Vorfeld bereits klar war, war es für mich gut zu verkraften.

Ist diese mentale Stärke der Grund für Ihren Erfolg?
Auf jeden Fall. Mittlerweile habe ich 20 WM-Kämpfe gewonnen, die letzte Niederlage war im Amateurbereich. Die Option der Niederlage gibt es für mich einfach nicht.

Und wenn Sie doch einmal verlieren?
Darum kann ich mich dann immer noch kümmern. Ich denke nie an den übernächsten Kampf, sondern immer nur an den nächsten. Vor der Europameisterschaft habe ich nicht über die WM nachgedacht. Man darf sich nicht auf alten Leistungen ausruhen. Was bringt mir mein Weltmeistertitel von 2007? Wir haben jetzt 2012!

Neben ihrem Leben als Profisport­lerin sind Sie promovierte Ärztin, ­sitzen im Beirat der ProSiebenSat1. Media AG. Mit Ihrer Boxerhündin arbei­ten Sie in einer Rettungshunde­staffel mit und Sie moderieren mit großem Erfolg die Abnehm-Show „The Biggest Loser“ auf Sat 1. Da wird ­einem ja schwindelig!
Ich bin halt so: ich will viele verschiedene Dinge machen. Das Medizinstudium habe ich nach dem Abitur gemacht, weil ich wirklich Arzt werden wollte. Kickboxen war nur mein Hobby. Nachdem ich Amateurweltmeisterin geworden war, wollte ich wenigstens einmal zehn Runden als Profi kämpfen, weil die drei Amateurrunden mir einfach zu wenig waren. Im Oktober 2007 habe ich meine schriftliche Examensprüfung in Medizin bestanden, im November die mündliche Prüfung und im Dezember habe ich gekämpft und wurde Weltmeisterin. Das plötzliche Medieninteresse gab mir die Chance, meinen Sport aus seinem Schattendasein zu holen und mir eine Existenz zu sichern. Und in der Hunde­staffel lebe ich wahrscheinlich mein Helfersyndrom aus, da ich es schon nicht als Medizinerin kann. Tja, und das Fernsehen macht mir einfach nur Spaß.

Das Interview führte Sonja von Opel
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