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Die Karrierefrau im Interview Ein Lauf mit Maike Röttger

Die Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International Deutschland läuft vor allem, um den Kopf frei zu bekommen. Wir haben sie bei einem Lauf begleitet.

Trainingstagebuch

Strecke: Stadtpark
Ort: Hamburg
Wetter: wolkig, 3 Grad
Distanz: 4,5 Kilometer
Zeit: 30 Minuten
Tempo: 6:40 Min./km

Wie haben Plan und der CRAFT Women’s Run zusammen gefunden?

Mit unserer Kampagne „Because I am a Girl“, die Mädchen stärken soll, passen wir perfekt zueinander – nicht nur farblich, auch thematisch. Das Thema „Stärkung von Mädchen“ ist überwiegend ein Frauenthema. Wir sehen, wie groß das Interesse und auch die Spendenbereitschaft sind. Wir sind vor Ort immer mit einem Stand vertreten, und das Interesse ist riesengroß. Die Leute kommen und wollen wissen, wie unsere Arbeit aussieht, wie wir die Mädchen unterstützen.

Was macht Plan International denn genau?

Plan International ist eins der ältesten und größten Kinderhilfswerke der Welt. Wir arbeiten in Projekten in 51 Ländern dieser Erde – Lateinamerika, Asien, Afrika. Unser Ziel ist es dort, vor allem die Kinder mit Selbsthilfeprojekten zu unterstützen, die Kinder und auch die ganzen Gemeinden. Unser Ansatz ist, dass wir zuallererst mit den Augen der Kinder durch die Welt gucken. Wir fragen also zuerst die Kinder: Was ist Euch eigentlich wichtig? Und wir erklären den Kindern, was ihre Rechte sind. Die sind in der Kinderrechtskonvention der UNO festgeschrieben. Und da ist zum Beispiel festgeschrieben, dass jedes Kind ein Recht auf Bildung hat, auf Gesundheit, auf Spielen.

Wie erreichen Sie die Kinder? Gehen Sie vor Ort in Schulen und Familien?

Wir legen in den Ländern, in denen wir arbeiten, bestimmte Projektgebiete fest. Dort gehen wir in die Gemeinden und kommen erst mal mit den Kindern ins Gespräch. Bei unseren Projekten legen wir einen Fokus auf die Mädchen, weil Mädchen auf dieser Welt noch immer stark benachteiligt sind. Wichtig ist auch die Gesundheitsversorgung für die ganzen Familien. Dass ein Kind gesund und gebildet aufwächst, ist für uns das größte Ziel. Eine gute Schulbildung ist entscheidend. Es ist oft so, dass es zwar eine Schule gibt und auch einen Lehrer, aber die Kinder können in der dritten Klasse immer noch nicht lesen und schreiben. Daher schulen wir die Lehrer und auch die Eltern, mit denen wir erarbeiten, wie wichtig die Schulbildung für ihr Kind ist.

Mit dem Fokus auf die Mädchen?

Wir sagen, alle Kinder sollen ihr größtes Potential ausschöpfen, wir schließen niemanden aus, fördern aber insbesondere die benachteiligten Mädchen in speziellen Projekten. Aber wir machen auch Hygiene- und Gesundheitsunterricht mit den Müttern. Das fängt bei solchen Dingen an wie: Warum muss ich mir die Hände waschen? Wie oft muss ich mir die Hände waschen? Wie muss ich mein Kind gesund ernähren? Wie lange kann ich es stillen? Kann ich irgendwo Gemüse anbauen? Bei den Mädchen-Projekten ist Sport ein wichtiger Baustein.

Wie läuft das konkret?

Wir haben beispielsweise Mädchenfußballprojekte in Brasilien, Indonesien, Togo. Der Sport und insbesondere das Fußballspielen stärkt das Selbstbewusstsein. Es wird dabei nicht nur der Körper gestärkt, sondern auch der Geist. Und wenn Mädchen diese Jungsdomäne Fußball erobern, dann gelingt es uns, Strukturen aufzubrechen. Die Jungs sehen das am Anfang sehr skeptisch und sagen zu den Mädchen „Ihr dürft hier nicht auf unseren Platz“, aber zum Schluss stehen sie am Rand und feuern ihre Mädchen an. Aus unseren Fußballprojekten in Ghana rekrutiert mittlerweile die ghanaische Frauennationalmannschaft. Diese Projekte haben sich inzwischen verselbstständigt. Das ist eigentlich immer unser Ziel: dass die Dinge sich verselbstständigen und wir letztlich dann gar nicht mehr viel dafür tun müssen. Aber nicht nur beim Sport, sondern auch in Workshops lernen die Kinder ein gesundes Leben, lernen, wie wichtig die Schulbildung ist, dass man nicht mit 14 heiraten sollte, dass man besser erst 18 ist, bevor man Kinder bekommt. Diese Frühverheiratung und die frühen Schwangerschaften bedeuten für die Mädchen nicht nur, dass sie nicht mehr zur Schule gehen und aus dem Kreislauf der Armut nicht mehr herauskommen, sondern enden oft sogar tödlich.

Wie nehmen die Familien das vor Ort auf?

Es ist ganz erstaunlich, was das für eine Kraft entwickelt. Was die Kinder in ihre Familien tragen, das verändert ganze Gemeinden, das Denken in den Familien. Es eröffnen sich geistig neue Welten. Viele Menschen sind traditionell damit groß geworden, dass Mädchen früh verheiratet werden. Es gibt Traditionen in Westnepal, die besagen, dass die Mädchen mit fünf Jahren als Haussklaven verkauft werden. Das sieht man als eine Tradition an. Wenn wir mit ihnen erarbeiten, dass das nichts Traditionelles ist, sondern dass es sogar gesetzlich verboten ist, dann verändert das auch das Denken der Erwachsenen. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen.
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Autor: Britta Ost 11.05.2015
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