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Interview mit dem Schauspieler Ein Lauf mit Markus Ertelt

Schauspieler Markus Ertelt ist im letzten Jahr mit ­seiner Mannschaft beim World's Toughest Mudder gestartet, dem härtesten Hindernislauf der Welt.

Markus Ertelt +
Foto: Benjamin Hahn/Drake Images

Starker Typ: Schauspieler Markus Ertelt ist passionierter Hindernisläufer.

THEMEN

Hindernislauf

Trainingstagebuch
Strecke: Am Neckar
Ort: Wendlingen am Neckar
Wetter: sonnig, 7 Grad
Distanz: profilierte 15 Kilometer
Zeit: 1:23:27 Stunden
Tempo: 5:33 Min./km

Sie sehen so fit aus, als würden Sie schon Ihr ganzes Leben lang Sport treiben?
In meiner Jugend habe ich bis zum 14. Lebensjahr Leichtathletik gemacht: Weitsprung, Kugelstoßen und 100-Meter-Lauf. Die Leichtathletik wurde mir quasi in die Wiege gelegt, weil mein Vater und seine beiden Brüder auch Leichtathleten sind.

Wo steht Ihre Bestzeit über 100 Meter?
Die steht bei 11 Sekunden. Ich glaube, ich hätte da mehr draus machen können. Ehrgeiz hatte ich, war aber etwas trainingsfaul. Und mit 14 Jahren fängt man an, auch an andere Sachen zu denken als an Sport. Ich hatte immer viel Spaß am Sport und kann mich auch ziemlich gut selbst zerstören, aber um als Profi erfolgreich zu werden gehört eben noch etwas mehr dazu als Talent. Mit der richtigen Förderung wäre vielleicht ja doch was daraus geworden ...

Und wie ging nach der Leichtathletik-Episode weiter?
Ich kam von der Leichtathletik zum Kampfsport – erst zum Taekwondo, dann Kickboxen. Kampfsport wollte ich schon immer machen – schon als Zwerg. Aber meine Eltern waren nicht so begeistert von der Idee. Aber mit 14 Jahren habe ich mich dann durchgesetzt. Taekwondo habe ich bis zum schwarzen Gürtel gemacht und im Kickboxen besitze ich den 2. Dan (2. schwarzer Gürtel).

Und wann wurde aus dem Kickboxer ein Hindernisläufer?
2002 habe ich mit dem „Extreme Man“ meinen ersten Hindernislauf absolviert. Der Wettkampf war seiner Zeit voraus und gilt immer noch als Vorläufer der Strongmanrun-Läufe. Die Veranstaltung ging allerdings über drei Tage und man musste nicht nur Laufen und Schleppen, sondern auch Schwimmen und Radfahren. Sieben Jahre später fragte mich mein befreundeter Schauspielkollege Sebastian, ob ich seine Schauspiel-Studenten für ein Projekt für den Tough Guy in England trainieren wollen würde. Ich fand es eine richtig coole Idee! Also habe ich die Jungs vorbereitet. Und als ich meinen Kickbox-Kumpels davon erzählt, waren die auch sofort Feuer und Flamme. So hat sich gleich noch eine zweite Gruppe gebildet, die ich trainiert habe.

Wie viel Leute waren das dann?
Beim zweiten Trainingstreff kamen schon 20 Leute. Hinzu kam, dass die Stuttgarter Zeitung von dieser Gruppe „Freaks“ berichtet hatte, die mitten im Winter Baumstämme tragen, durchs Wasser springen und rumrennen. Wir hatten ziemlich schnell im Training sogar Zuschauer.

Wie sahen diese Trainingseinheiten aus?
Am Anfang war das Ganze noch etwas unkoordiniert, nach dem Motto: Hauptsache lang und fies! Wir liefen zum Beispiel drei Stunden lang und haben Unmengen von Liegestützen eingebaut, kombiniert mit Wasserquerungen und Klimmzügen auf Spielplätzen.

Mittlerweile haben Sie ein eigenes Hindernislauf-Team.
Daran hatte ich, während ich die Schauspielstudenten und meine Kickbox-Jungs trainiert, überhaupt nicht gedacht. Ziel war es erstmal, die Teams zum Tough Guy fit nach England zu bringen. Aber das Rennen dort hat allen so viel Spaß gemacht und auch das Feedback war so gut, dass schnell die Idee kam, ein Team zu gründen. Mittlerweile sind wir 75 Athleten und seit 2011 auch ein eingetragener Verein, der Getting Tough e. V.

Heißt das, Ihr tretet überall als Mannschaft an?
Wir starten tatsächlich fast überall als Mannschaft. Letztes Jahr haben wir schon zum fünften Mal in Folge die Teamwertung beim Tough Guy geholt – das ist bisher noch keinem Team gelungen. Leider hatten wir dieses Mal keine Einzelplatzierung auf dem Podest, da fehlte uns die Spurtfähigkeit gegen Ende des Rennens. Wir haben aber auch schon den Einzeltitel mit Charles Franzke geholt. Und Robin Dechant und Felix Baiker aus unserem Team wurden auch schon mal Dritter.

Wo stehen Ihre Bestzeiten auf der Straße?
Ich kann auf 10 Kilometer schon 36 Minuten laufen. Und meine Halbmarathonbestzeit steht bei 1:20 Stunden. Die Zeiten bin ich aber nicht im Wettkampf gelaufen, weil ich kein allzu großer Fan von Straßenläufen bin. Marathon bin ich auch noch nie gelaufen. Letztes Jahr bin ich das erste Mal überhaupt die Marathondistanz gelaufen – und danach für ein paar Wochen in die Ultraschiene abgedriftet.

Wie kam es dazu?
Ende 2014 habe ich im Internet ein Video-Clip vom World‘s Toughest Mudder, das Non-Plus-Ultra im Hindernislauf, entdeckt. Das Rennen in der Wüste von Las Vegas dauert 24 Stunden. Sofort hat sich das Rennen in meinen Kopf eingebrannt. Am nächsten Morgen habe ich zwei Team-Kameraden davon erzählt, und dann war klar: Da müssen wir hin – und in der Teamwertung starten. 3 Monate später habe ich das Team angemeldet ...

Wie bereitet man sich auf solche körperlichen Strapazen vor?
Der 24-Stunden-Hindernislauf ist nicht mit einem klassischen Ultralauf zu vergleichen, weil man immer wieder durch Hindernisse unterbrochen wird. Man muss sich das so vorstellen: Das ist ein 5-Meilen-Kurs und jede 500 Meter kommt ein Hindernis, aber richtige Hindernisse, bei denen man Klettern, Springen und Geschicklichkeitsübungen machen muss. Die größte Herausforderung bestand darin, sich im Zeitraum von fünf bis sechs Monaten läuferisch anständig vorzubereiten. Ich habe es mit dem Vorschlaghammer versucht: Ich habe erstmal mit einem Marathonplan angefangen und bin dann mit fünf Jungs ins Trainingslager an die Ostsee gefahren. Dort haben wir mit einer 80-Kilometer-Tour losgelegt. Die letzten 12 Wochen vor dem Rennen habe ich mich an einen Ultraplan gehalten mit dem Ziel 180 Kilometer in 24 Stunden zu laufen. Dazu kamen immer wieder Kraftelemente im Training.

Sie sind ja nicht nur aktiver Athlet, sondern organisieren auch einen eigenen Lauf?
Zusammen mit meinem Partner Michael Kalinowski organisiere ich in der Nähe von Jena in Rudolstadt einen eigenen Hindernislauf. Angefangen hat alles ehrenamtlich als Verein, erst seit zwei Jahren sind wir eine GmbH. Unser Anspruch ist es, den härtesten und besten Hindernislauf der Szene zu organisieren, d.h. anspruchsvolle Hindernisse in Kombinationen mit einer guten Strecke und perfekter Organisation. Das soll ein ehrlicher Lauf von Hindernisläufern für Hindernisläufer sein.

Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie anspruchsvoll ist Ihr Lauf im Vergleich zum Strongmanrun?
Wenn der Strongmanrun eine 3 ist, sind wir eine 9. Unser Vorteil ist, dass wir selbst auch aktiv sind und beinahe jedes Rennen kennen. Wir versuchen genau diese Erfahrung in unser Rennen einfließen zu lassen. Und auch das Drumherum ist uns wichtig. Allein unser Start ist schon ein Ereignis: Auf 150 Meter laufen gleichzeitig 3.000 Leute auf ein Kriechhindernis zu, rechts und links stehen 4.000 bis 5.000 Zuschauer und jubeln. Und der größte Vorteil: Bei uns staut es sich nicht. Die Strecke ist wirklich besonders: Wir haben erst ein paar Riesen-Hindernisse, die breit genug sind, dass alle Athleten Platz finden. Danach geht’s ins Terrain, ca. 12 bis 13 Kilometer lang mit vereinzelten Hindernissen. Dann folgen drei Parcour-Einheiten: Auf einer Trainingsbahn müssen klassische Militärhindernisse wie Eskaladierwände oder Fuchstunnel überwunden werden. Danach führt die Strecke ins öffentliche Freibad, wo wir Tauchhindernisse und Hangelhindernisse aufgebaut haben. Anschließend müssen die Läufer riesige Traktorreifen in der Saale überwinden. Und das alles im Dezember! Trotz aller Härte haben wir den familiären Charakter nicht verloren. Wir kriegen ganz viel positives Feedback von den Leuten – und sind einer der wenigen Leute mit einer funktionierten After-Race-Party.

Sind beim Lauf auch Frauen am Start?
Tatsächlich haben wir die typische 10-Prozent-Frauenquote. Man muss aber sagen, dass die Leute bei uns insgesamt besser trainiert sind und weniger Leute im Kostüm starten.

Woran arbeiten Sie grad?
Derzeit drehe ich einen Bollywoodfilm, übrigens als erster Deutscher. Ich spiele einen russischen Bösewicht, den Gegner des Filmhelden. Das wird kein typischer Bollywood-Streifen mit Gesang und Tanz ...

... was auf uns Europäer oft befremdlich wirkt.
Für die Inder sind Musik und Tanz eben Teil der Filmkultur. Auch das Konsumverhalten ist dort etwas anders: Es gibt praktisch keinen DVD-Markt, und der Kinobesuch ist ein Familien-Happening, um dem harten Alltag zu entfliehen

Wie bist du zum Schauspiel gekommen?
Von der ersten bis zur vierten Klasse war ich auf der Waldorfschule, und kam dort sehr früh mit „Klassenspiele“ und Aufführungen in Berührung. Außerdem haben wir immer wieder Theaterstücke aufgeführt. Und irgendwann in der vierten Klasse sagte ich dann: Ich möchte Schauspieler werden! Nach dem Abi habe ich erst auf dem Bau gejobbt und bin dann ein halbes Jahr in den USA rumgereist. Und danach habe ich Schauspiel/Theater in Ulm studiert.

Wie lange dauert die Vorbereitung auf so eine Rolle?
Das Schwierigste ist, mein Englisch mit einem russischen Akzent zu unterlegen. Aber ich habe ein paar Freunde, die mir dabei geholfen haben. Texte zu lernen geht bei mir ziemlich schnell – bei dem Bollywoodfilm jetzt sowieso, weil wir extrem viel Zeit für die Produktion haben. Wir haben jetzt 135 Drehtage, weil es eine große Produktion ist. Zum Vergleich: Ein Tatort hat zwischen 24 und 32 Drehtage. Wir drehen am Tag etwa nur eine Minute Echtzeit. Meine zehn Sätze kann ich dann auch am Abend vorher lernen.

Lernen Sie auch beim Laufen Texte?
Lange Textpassagen spreche ich mir auf meinen MP3-Player und lasse die Texte dann ablaufen. Aktuell lerne ich etwas Hindi – auch beim Laufen.
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Autor: Interview: Daniel Eilers 19.02.2016
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