Top Themen: Laufhelden | Individuelle Trainingspläne | Laufschuh-Datenbank | Uhren-Datenbank | Lauftrainer-App | Laufen anfangen | Laufen

Sänger Tim Bendzko im Interview Seine Erfolgsformel: Laufen und Ernährungsumstellung

Die Ernährungsumstellung und das Laufen halfen Tim Bendzko sich wohler und fitter zu fühlen.

Tim Bendzko +
Foto: Lars Pillmann

Laufend in Berlin unterwegs: Tim Bendzko und RUNNER'S-WORLD-Redakteur Urs Weber.

Du hast selbst viel ausprobiert – und dann die vegane Ernährung für Dich entdeckt! Wie kam es dazu?

Ich habe schon früher auf einige Dinge, wie Fleisch, verzichtet. Und vegan-Essen hat mir einen krassen Schub gebracht. Ich habe gemerkt: Du bist klarer und fitter. Allerdings ließ das nach einer Weile nach, und ich war immer müde. Mir ging es immer beschissen. Ich hatte das Gefühl, als hätte ich jeden Tag Sport gemacht, auch wenn ich gar nichts gemacht habe. – Ich weiß eigentlich gar nicht, wie ich darauf gekommen bin, aber irgendwann habe ich dann beschlossen, kein Weizen mehr zu essen. Und darüber habe ich dann auch in mehreren Büchern gelesen, gleichzeitig. Das Buch „Siegernahrung“ von Tennisspieler Novak Djokovic habe ich tatsächlich im Bett in einem Rutsch nachts durchgelesen. Von zwei bis vier Uhr nachts. Ich fand die Herangehensweise gut, sich zu fragen: „Wofür esse ich das jetzt?“ Nicht nur: „Ich habe jetzt Hunger und esse irgendetwas“. Sondern sich zu fragen: „Welche Aufgabe hat das Essen?“ Wenn ich abends ins Bett gehe, brauche ich keine Energie mehr – ich brauche halt Regeneration; also gibt es halt Eiweiß am Abend, weil der Körper die Bausteine braucht. Das fand ich so schön einleuchtend. Wir ernähren uns ja, um den Körper zu versorgen, das ist doch der grundlegende Gedanke. Ich habe gelesen, dass man 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen sollte. Und da habe ich als Veganer kurz überlegt – ich war vielleicht bei 20 Gramm am Tag bis dahin, hätte aber über 100 Gramm zu mir nehmen sollen. Da wurde mir bewusst: Okay, das könnte einiges erklären über meinen Zustand. Bei Novak Djokovic habe ich dann auch den Tipp gelesen, den Weizen wegzulassen aus der Ernährung. Und den Effekt davon habe ich dann sehr schnell gemerkt.

Fällt es schwer, das im Alltag umzusetzen?

Witzigerweise hat unser Caterer, der uns auf den Tourneen immer das Essen zubereitet, ein paar Wochen vorher angefangen, die Paleo-Diät zu befolgen. Unabhängig von mir. Dahinter steckt ja ein ähnlicher Gedanke wie bei meiner Ernährung, nur halt, dass bei Paleo Fleisch erlaubt ist. Und unser Caterer hatte unendlich abgenommen. Das konntest Du schon von weitem sehen. – Und bei mir ging das auch so, ich habe unheimlich schnell unheimlich viel abgenommen. Nach drei Wochen dachte ich schon: „okay, bald ist nix mehr übrig“. Aber es passierte genau so, wie ich es in allen Büchern gelesen hatte: Genau nach drei Wochen hat es dann aufgehört. Ich kam von circa 82 Kilo und war dann bei 75 Kilo. Und da bin ich auch noch heute, wobei ich allerdings das Rest-Fett auch durch Muskelmasse ersetzt habe. Aber viel wichtiger: Mein Leistungssprung war einfach krass. Ich fühle mich einfach fitter. Ich habe dann mit dem Lauftraining angefangen. Und in der ersten Woche kamen mir 5:45 Minuten auf den Kilometer mit meinem Coach noch total schnell vor. In der zweiten Woche hieß es dann von meinem Trainer: „Wir laufen die 10 Kilometer jetzt mal unter 5:20 Minuten pro Kilometer.“ Und dann sind wir unter 5:00 Minuten auf den Kilometer gelaufen.

Und das ging?

Das ging. Einfacher als ich dachte. Das war sogar entspannt. Und da merkte ich: Okay, scheint irgendwie wichtig zu sein, wie man sich ernährt.

Hat Dich das überrascht?

Ich habe das letztens von dieser Sportuntersuchung gelesen – wo 50 Läuferinnen und Läufer befragt wurden, ob sie sich sportgerecht ernähren. Und von den Sportlern hat die Hälfte behauptet, dass sie sich „sehr gut“ ernähren. Und am Ende zeigte sich aber, dass nur eine Person von allen, eine Person aus der ganzen Gruppe, sich „gut“ ernährte – also noch nicht mal „sehr gut“, nach den Maßstäben der Forschergruppe. Bei weit über der Hälfte war es sogar so, dass man quasi von einem Mangel sprechen musste; ob Eisen-Mangel oder Magnesium, oder dass viele Standard-Stoffe fehlten. Und daran erkennt man doch auch, dass, wenn man abnehmen will, die Fehler immer bei der Ernährung gemacht werden. Nicht beim Sport. Bestes Beispiel ist doch wieder Novak Djokovics: Der hat sich komplett falsch ernährt, bis zu dem Moment, wo ihn ein Arzt im Fernsehen gesehen hat und vermutet hat, dass er gluten-unverträglich ist, und deshalb ständig abgeklappt ist. Bis dahin ist er häufig während der Tennisspiele einfach abgeklappt. Der Arzt hat daraufhin die Eltern kontaktiert und seine Vermutung der Gluten-Unverträglichkeit geschildert. Er solle zwei Wochen lang kein Gluten essen. Danach hat er ein Stück Brot gegessen – und da war ihm sofort schlecht. Und das war seine Erkenntnis. Ab da startete eine der längsten Sieges-Serien im Profitennis. So viele Spiele hintereinander hat kaum ein Tennisspieler je zuvor gewonnen. Und das ist das beste Beispiel, denke ich, dass Ernährung bei so einem sportlichen Niveau den entscheidenden Unterschied machen kann. Djokovics sagt auch, dass es bei den Tennisprofis da einen deutlichen Unterschied gibt zwischen den Top-Ten und den zweitklassigen Spielern, wo vielen die Ernährung ziemlich egal sei. Und beim Fußball will man es ja gar nicht wissen. Ich bin mir sicher, ernährungstechnisch sind die meisten Fußballer da noch hinter dem Mond. Da gibt es im Trainingslager immer noch Spaghetti Bolognese.

Wobei es da ja auch Angänge gibt, siehe Fußballnationalmannschaft, Küche des Top-Mannschaften wie Bayern München – oder auch einige Handball-Mannschaften?

Witzigerweise habe ich mich neulich mit Thomas Müller, dem Bayern-Profi darüber unterhalten. Und da hätte man vielleicht auch eine typische Fußballer-Reaktion erwartet, dass ihn das Thema Ernährung überhaupt nicht interessiere. Aber es war genau das Gegenteil, ganz krass. Der wusste echt genau Bescheid. Rein zufällig landet bei dem nix auf dem Teller. Aber ich glaube, das sind immer noch Ausnahmen, im Leistungssport wird das Thema immer noch unterschätzt. Und von anderen Bereichen gar nicht zu reden, etwa der Bundeswehr. Was da so in den Kantinen angeboten wird, das ist der schlimmste Fraß. Oder an den Schulen. – Das kenne ich ja selbst noch, das ist wie früher: Meine Mutter hat mir auch immer Stullen geschmiert, und dazu hat sie mir noch so ein Trinkpäckchen mitgegeben, und wenn man sieht, was da für Inhaltsstoffe drin sind, das geht ja gar nicht! Da denken die Eltern tatsächlich, dass sie ihren Kindern etwas Gesundes mitgeben, weil da eine Orange auf der Verpackung drauf ist.

Wir trinken hier Club-Mate – ist das denn okay für Dich?

Ein bisschen Sünde muss auch sein. Man kann sich nur in unserer Welt nicht nur gesund ernähren.
Jetzt noch besser laufen: aktuelle Lauftipps, News und Tests >>

Autor: Urs Weber 10.09.2015
WEITERLESEN
Zurück zur ersten Seite: Interview mit Sänger Tim Bendzko

Seite 1: Interview mit Sänger Tim Bendzko
Seite 2: Kein Fan vom Intervalltraining
Seite 3: Darum lebt Tim vegan
Seite 4: Seine Erfolgsformel

Kostenloser Newsletter
RUNNER'S WORLD ERLEBEN
Mehr zu Community
Praktikum bei RUNNER'S WORLD
Redaktion 2016 Kraftwerk

Foto: RUNNER'S WORLD

RUNNER'S WORLD sucht einen Praktikanten oder eine Praktikantin, die in einem sportlichen, ... ...mehr

Mit Olympia-Gold zur Welt-Leichtathletin
Welt-Leichtathletin des Jahres 2016 Almaz Ayana

Foto: race-news-service.com

10.000-m-Olympiasiegerin und Weltrekordlerin Almaz Ayana wurde als Welt-Leichtathletin des... ...mehr

Die Albvereins-Bank aus dem Jahr 1992
Die Bank

Foto: Dieter Baumann

Beim Dauerlauf auf der schwäbischen Alb fand Dieter Baumann eine Bank aus dem Jahr 1992, d... ...mehr

Sie sind hier: >> >> >>Seine Erfolgsformel: Laufen und Ernährungsumstellung
(©) Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG