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Ultra-Läufer Scott Jurek im Interview Ultra-Läufer sind wie die Hippies

Scott Jurek ist einer der erfolgreichsten Ultra-Marathon-Läufer der Welt - und er ist Veganer. RUNNER'S WORLD hat Scott Jurek in Berlin getroffen.

12012015 Scott Jurek im Interview +
Foto: RUNNER´S WORLD

RUNNER'S WORLD-Redakteur Urs Weber im Interview mit Ultraläufer Scott Jurek.

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Ultramarathon

Der 41-jährige Amerikaner Scott Jurek läuft seit 20 Jahren Ultra-Marathon und erklärte uns, warum Ultra-Läufer Hippies sind, wie er als Veganer lebt und wie er über die Ultradistanzen kommt. Und er gab Trainingstipps für Läufer, die sich mal in einem Ultramarathon probieren wollen, also auf Strecken über die Marathondistanz hinaus.

Ein paar kurze Sätze zu deiner Person: Was macht Scott Jurek aus?

Scott Jurek: Ich war schon immer offen für Veränderungen und dafür, mein Potenzial zu erkunden und über das hinaus zu gehen, von dem ich dachte, es wäre möglich. Ich liebe es, meine Umgebung über das Laufen zu entdecken, meinen Körper zu Leistungen anzutreiben und auszuprobieren, was er wirklich kann. Trotzdem: Nicht in einer Million Jahre hätte ich gedacht, dass ich Ultra-Marathons laufen und Veganer sein würde. 1994 bin ich dann meinen ersten Marathon gelaufen, vier Wochen später meinen ersten 80 km-Lauf.

Was genau ist ein Ultra-Lauf und wie sollte man dafür trainieren?

Scott Jurek: Die geläufigste Definition setzt bei 50-km-Läufen an. Im Grunde genommen sind Ultra-Läufe Marathons mit einem Plus. Für das Training bedeutet das, dass man längere Läufe macht. Ich mache 2-3 Mal im Monat Back-to-Back-Training. Dazu ein Beispiel: Wenn ich 80 km im Wettkampf laufen will, dann mache ich in der Vorbereitung zwei 40-km-Läufe an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. So weiß ich, wie sich meine Muskeln am Wettkampftag anfühlen werden. Das macht nicht immer Spaß. Oft ist es das Ziel, das mich antreibt, der Anspruch, es gut zu machen. Das kennen sicherlich auch Marathon-Läufer. Generell muss man sich als Läufer die Fragen stellen: Was will ich erreichen? Welchen Körperteil will ich trainieren? Warum mache ich dieses Workout? Was ist das Besondere an der Wettkampfstrecke? Trotzdem will ich niemandem sagen, wie er trainieren muss. Ein Ultra-Marathon ist experimentelles Gebiet, hier gibt es wenig Wissenschaft.

Wie kommt das?

Scott Jurek: Ultra-Läufer waren schon immer anders, wie die Hippies. Und das ist auch heute noch so. Es geht nicht um Training nach Formeln. Was zählt, ist die Mentalität des Läufers, der Wille, durchzuhalten und den Lauf zu beenden. Vor meinem ersten 80-km-Lauf hatte ich gerade einmal einen 3-Stunden-Lauf im Training absolviert und wurde Zweiter. Danach dachte ich mir aber: Das ist zu hart.

Aber du hattest Feuer gefangen?

Scott Jurek: Ja, so wie viele Marathon-Läufer, die sich sagen: Nie wieder! Und dann laufen sie immer mehr und mehr. Für einen Ultra-Lauf brauchst du Selbstvertrauen. Und wenn du erst einmal 50, 80 oder 100 km gelaufen bist, wächst damit auch deine Zuversicht im Leben, du kannst Missgeschicken und Herausforderungen ganz anders begegnen, du wirst anpassungsfähiger. Laufen hat deswegen auch zu meiner persönlichen Entwicklung beigetragen.

Gilt das auch für deine vegane Ernährung?

Scott Jurek: Sicher. Ich ernähre mich seit 15 Jahren vegan; es ist Teil meines Lifestyles und trägt einen Großteil zu meinem Erfolg bei und dazu, wer ich heute bin. Früher war ich recht introvertiert, aber inzwischen unterstütze ich andere Menschen darin, sich besser zu ernähren, motiviere sie. Was das angeht, bin ich gerne Lehrer.

Was sollte ein Ultra-Läufer hinsichtlich seiner Ernährung beachten?

Scott Jurek: Beim Laufen ist der Magen fast so wichtig wie die Muskeln. Tatsächlich lernt man beim Ultra-Lauf durch das Trial-and-Error-Prinzip das richtige Essen und Trinken. Beim Ultra-Marathon gibt es nicht alle paar Kilometer einen Verpflegungspunkt, du musst also einen Teil deiner Verpflegung selbst tragen und das gut einteilen. Es hilft sehr, vorab einen Plan zu Papier zu bringen, was man isst, wieviel und zu welchen Zeitpunkten. Kohlenhydrate sind extrem wichtig. Meine Formel für die richtige Menge ist: Körpergewicht in kg mal 0,7. Das Ergebnis gibt an, wieviel Gramm Kohlenhydrate du beim Laufen in einer Stunde zu dir nehmen solltest.

Ist eine richtige Verpflegung für dich als Veganer während eines Ultra-Laufs nicht noch schwieriger?

Scott Jurek: Weniger als man denkt. Viele der Nahrungsmittel, die es an den Verpflegungsstationen gibt, sind vegan. Natürlich kommt es manchmal vor, dass man während eines Laufs mitten im Nirgendwo nur Milchprodukte oder Fleisch bekommt, aber das ist eher die Ausnahme.

Du bist jetzt schon seit 15 Jahren Veganer. Wie war das für dich?

Scott Jurek: Früher war es komisch, vegan zu essen. 1999, als ich die ersten Versuche startete, war ich da eine große Ausnahme. Das hat sich inzwischen geändert, aber noch liegt ein weiter Weg vor uns. Auf dem Land ist es zum Beispiel sehr schwierig, veganes Essen zu bekommen. Wenn die Leute vegane Gerichte einmal ausprobieren würden, wären sie überrascht, wie gut es ist. Mich langweilt das Essen nie und ich habe nie etwas vermisst. Läufer stehen dieser Ernährung relativ aufgeschlossen gegenüber. Das kommt daher, dass sie sich überhaupt für eine gesündere Ernährung interessieren. Sie stellen sich die Frage, was sie ändern können, um schneller zu werden.
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Autor: Urs Weber 05.03.2015
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