Top Themen: Vitamine | Kalorienverbrauch | Wissenschafts-News | Kohlenhydrate | Abnehmen | Fddb-Ernährungstagebuch | Laufen

Gluten-Unverträglichkeit Wie gefährlich ist Weizen?

Glutenfrei ist in. Immer mehr Menschen, auch Läufer, glauben, ohne Weizen und das ­darin enthaltene Klebereiweiß Gluten ließe es sich gesünder leben. Was ist dran am Hype?

Brot +

Brot liefert wertvolle Kohlenhydrate.

Die Ernährungsdiskussionen werden immer hitziger. Speziell um das Thema Weizen oder Gluten ist in den letzten Monaten im Internet und in den sozialen Netzwerken eine regelrechte Hysterie ausgebrochen. Vor allem aus den USA klingen grobe Thesen wie „Weizen macht dick, dumm und krank“ zu uns herüber. Das Getreide sei die Ursache für Volkskrankheiten wie Alzheimer oder Diabetes, heißt es, und viele glauben, im Gluten endlich den Schuldigen für verschiedenste körperliche Probleme gefunden zu haben, vom Übergewicht über Bauchschmerzen bis zu vermeintlicher Leistungsschwäche.

Auch unter Läufern greift die Gluten-Panik um sich. Jeder Dritte glaubt mittlerweile, er habe eine Weizenallergie oder gar die Autoimmunerkrankung Zöliakie. Die Betroffenen sind überzeugt, dass sie ohne Weizen schneller laufen könnten, es ihnen allgemein besser gehe und sie ihr Gewicht leichter halten könnten. Nun kann das aber auch ganz einfach an der Ernährungsumstellung liegen: Wenn man weniger Weißbrot, Brötchen, Pizza und Pasta isst, bedeutet das meist, dass man sich insgesamt gesünder ernährt, mit vitaminreichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, besseren Fetten und vor allem weniger Zucker und schädlichen Zusatzstoffen. Das führt ganz automatisch dazu, dass man abnimmt und sich besser fühlt. Dennoch kann Weizen sehr wohl krank machen, und das liegt auch am Gluten.

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Eiweiß, das in Getreide­sorten wie Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste vorkommt. Es hat einen geringen Nährwert, aber vorteilhafte lebensmitteltechnische Eigenschaften, weshalb es auch als Kleber­eiweiß bezeichnet wird. So ist es nicht nur in Getreideprodukten zu finden, sondern auch in vielen Fertiggerichten, Süßigkeiten oder Backwaren. Gluten wird zur besseren Wasserbindung eingesetzt, zum Beispiel als Stabi­lisator in Soßen oder als Geschmacksträger in Gewürzmischungen. Wer Gluten meiden will, sollte daher insbesondere auf Fertigprodukte verzichten. Davor steht aber die Frage, um welche Beschwerden es überhaupt geht. Man muss zwischen drei Krankheitsbildern unterscheiden: Zöliakie, Weizeneiweiß­allergie und Weizensensitivität.

Zöliakie

Zöliakie ist eine immunologische Erkrankung des Dünndarms, die vor allem erblich bedingt entsteht, sich aber auch durch andere Faktoren wie ein schwaches Immunsystem, Infektionen, Umwelteinflüsse und falsche Ernährung entwickeln kann. Etwa zwei von 1.000 Deutschen leiden darunter. Die lebenslange Unverträglichkeit für Gluten oder das Protein Gliadin, das in Getreidesorten wie Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel und zum Teil auch Hafer vorkommt, bereitet den Betroffenen enorme Beschwerden und muss durch eine strikt glutenfreie Kost behandelt werden. Bei gesunden Menschen wird Gluten aus Getreideprodukten im Dünndarm in seine Bestandteile zerlegt und aufgenommen. Zöliakie-Patienten indes bilden Anti­körper dagegen, und durch komplexe Immunprozesse kommt es zu einer Entzündung der Darmschleimhaut, woraufhin über den Darm kaum noch Nährstoffe aufgenommen werden können. Die Folge: Mangelerscheinungen, Gewichtsverlust und, falls die Krankheit nicht behandelt wird, Osteoporose, Eisenmangel, verringerte Leistungsfähigkeit sowie psychosoziale Störungen wie Depressionen.

Weizenallergie

Bei einer Weizenallergie entstehen immunologische Abwehrreaktionen auf Weizenproteine. Dazu zählen ­neben dem Gluten, das im Mehlkörper vorkommt, auch die in der äußeren Schale des Korns enthaltenen Eiweiße Albumin und Globulin. Hierzulande ist ungefähr jeder Tausendste davon betroffen. Wie andere Lebensmittelaller­gien breitet sich aber auch die Weizenaller­gie immer mehr aus. Sie kann wie die Zöliakie durch einen Bluttest diagnostiziert werden. Einzige Therapie ist ein vollständiger Verzicht auf Weizen und verwandte Getreidesorten wie Dinkel oder Grünkern.

Weizensensitivität

Die Symptome der Weizensensitivität, die rund fünf bis sieben Prozent der Deutschen betrifft, ähneln denen der Zöliakie: Bauchschmerzen, Durchfall, Müdigkeit und Leistungsabfall. Verursacht wird sie nicht durch Gluten, sondern durch andere Weizenproteine, die als natürliche Insektenabwehrstoffe in den Pflanzen vorkommen. In modernen Hochleistungsweizensorten, so heißt es, hat ihre Konzentration zugenommen. Die Weizensensitivität kann nur per Ausschlussverfahren festgestellt werden, man sollte also beim Arzt abklären lassen, ob eine Zöliakie oder Weizenallergie vorliegt. Oft hilft es schon, weniger Pasta, Pizza und Brot zu essen, um die Symptome zu lindern.
Gemüse ist glutenfrei +

Gemüse und Milchprodukte sind glutenfrei.

Glutenfreie Ernährung – so geht’s

Sie möchten glutenfreie Ernährung einmal ausprobieren, um herauszufinden, ob es Ihnen damit besser geht? Hier ein paar Tipps für den Selbstversuch.
1. Getreidesorten wie Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste enthalten Gluten.
2. Hafer enthält Gluten nur in geringen Mengen und wird häufig gut vertragen.
3. Glutenfrei sind die Getreide und Pseudogetreide Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth und Quinoa.
4. Viele Lebensmittel und Fertigprodukte enthalten Gluten, zum Beispiel Ketchup, Wurstwaren, Eis, Schoko­lade, Puddings und Soßen (Etikett beachten!).
5. Die Kennzeichnung „glutenfrei“ ist nicht gleichzusetzen mit gesund oder gar bio. Oft enthalten solche Produkte Geschmacksverstärker und synthetische Aromastoffe.
6. Von Natur aus glutenfrei sind Obst und Gemüse, Kartoffeln, Salat, Milch und Naturjoghurt, Käse (Vorsicht bei Käsezubereitungen), Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Nüsse und Hülsenfrüchte, Eier, Pflanzenöle.
Jetzt noch besser laufen: aktuelle Lauftipps, News und Tests >>

Autor: Kerstin Jensen 12.01.2016
Kostenloser Newsletter
RUNNER'S WORLD ERLEBEN
Mehr zu Ernährung
Energize Muffins von Powerbar
Energize Muffins von Powerbar

Foto: Hersteller

Für den RUNNER’S-WORLD-Lesertest suchen wir zwölf Abonnenten, die die leckeren Energize Mu... ...mehr

Das Naturprodukt Rote-Bete-Saft ist besser als Nahrungsergänzungsmittel
Rote-Bete-Saft ist besser als Nahrungsergänzungsmittel

Foto: iStockphoto.com / zeleno

Nahrungsergänzungsmittel können mit dem Naturprodukt nicht mithalten: Studien beweisen, da... ...mehr

Wie fühlt es sich an, sich vegan zu ernähren?
Ausprobiert - Vegane Ernährung

Foto: Marie Simons

Für den 25. Teil unserer Serie "Ausprobiert" hat Redakteur Daniel Eilers einen Monat lang ... ...mehr

Sie sind hier: >> >> >>Wie gefährlich ist Weizen?
(©) Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG