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Geschichtsträchtiger Lauf mit Gänsehautgefühlen

Ein Erfahrungsbericht zum Der Mauerweglauf - 100 Meilen Berlin von Rüdiger Meier

Alle Infos zum Der Mauerweglauf - 100 Meilen Berlin
Geschichtsträchtiger Lauf mit Gänsehautgefühlen_sub_000

Nach 2 mal dnf ging ich mit gemischten Gefühlen zum dritten Mal beim Mauerweglauf in Berlin an den Start. Beim ersten Fehlversuch 2014 war ich mit Magen- und Darmproblemen bei Km 98 ausgestiegen, und beim zweiten Versuch 2015 killten mich die hohen Temperaturen von ca. 32°C.

Diesmal gab es keine Ausflüchte, und dementsprechend selbstbewusst ging ich auch ins Rennen. Meine Hausaufgaben hatte ich gemacht. In der Vorbereitung hatte ich den 100 Km Lauf von Biel recht passabel gefinisht. Allerdings sind die hier zu laufenden 161,9 Km nicht einfach 61 Km mehr als 100. Nein, sie fühlen sich an wie noch einmal 100! Im Gegensatz zu den meisten Teilnehmern schaffte ich keine wöchentlichen ultra-typischen Laufumfänge. Mehr als 80 Km wöchentlich waren bei mir zeitlich nicht drin.

Der 5stündige Dauer-Nieselregen zu Anfang des heutigen Laufes machte mir nichts aus. Ich finishte die ersten beiden Marathonläufe bei Km 84 nach 11:30 Stunden, eine halbe Stunde unter meinem Ziel. Das baute mich noch zusätzlich auf.

Gleich nach Verlassen des zweiten Wechselpunktes bei Schloss Sacrow (Km 71) liegt links auf dem anderen Ufer des Wannsees die geschichtsträchtige Glinicker Brücke zum Greifen nah. Bis dahin sind es allerdings noch weitere 15 Km, da noch eine weit ausladende Schleife zu laufen ist.

Km 103 bei Teltow erreichte ich um ziemlich genau 21 Uhr, ca. 1 Stunde 20 eher als bei der Hitzeschlacht vor 2 Jahren. Das gab mir ein unglaubliches Gefühl der Sicherheit. Zusätzlich baute mich die Anwesenheit meines US-Freundes Bill auf, der mich von Teltow bis Rudow bei Km 130 laufend als Pacer begleitete und mich in Stunden der Eintönigkeit immer wieder pushte. ich vereinbarte mit ihm, dass wir uns auf Englisch unterhalten, damit mich dies geistig frisch hielt.

Trotzdem merkte ich, wie mich so langsam aber sicher die Energie verließ. Bereits vor Teltow hatte ich mich über Wasser gehalten mit Selbstgesprächen, Versen und kleinen Denksportaufgaben. Ich holte mir wirklich alles her, was auch nur irgendwie als Mantra für mich dienen konnte. Sicher 2-3mal lief in diesen Stunden mein Leben an mir vorbei.

In Rudow übernahm meine gute Freundin Saskia, die mich bis ins Ziel auf ihrem Fahrrad begleitete. Bill und Saskia hatten mir strikt verboten, irgendwelche Ausfallerscheinungen an den Tag zu legen. Ein echtes Problem für mich war, dass ich langsam nicht mehr wusste, was ich essen und trinken sollte. Durch eine verstärkte Magnesiumzufuhr hatte ich leichte Magen- und Darmprobleme. Aber das waren im Endeffekt Kleinigkeiten.

Als es hell wurde in Berlin, wurde die Innenstadt erreicht. Teens und Twens bevölkerten die angesagten Clubs in den frühen Morgenstunden, während ausgemergelte Ultra-Läufer zombie-gleich durch die Häuserschluchten wandelten.

Eine Besonderheit dieses Laufes war, dass die Strecke überhaupt nicht gesperrt war! Aufgrund dessen waren Läufer wie Begleiter angewiesen, sich nach der StVO zu richten und z.B. an roten Fußgängerampeln zu warten. Nach dem Rennen wurde bekannt, dass sogar 2 Teilnehmer wegen einer diesbezüglichen Zuwiderhandlung disqualifiziert worden waren.

ich hatte einen derart großen Zeitvorsprung herausgelaufen und herausgewalkt, dass ich den Zielschluss von 30 Stunden eigentlich gar nicht mehr verfehlen konnte. Als ich nach 28 Stunden und 12 Minuten ins Ziel kam, war dann Zeit für die ganz großen Gefühle. Ich war voller Adrenalin als ich die Ziellinie überquerte. Die anschließende Siegerehrung gab dann noch mehr Gänsehautgefühl, weil ja auch der geschichtliche Hintergrund nicht vergessen werden darf. Dr. Eppelmann als Schirmherr und die Mutter des letzten Maueropfers gaben der Veranstaltung einen mehr als würdigen Rahmen.

Nach dem Lauf war ich mir noch viel sicherer, dass die Bewältigung dieser gewaltigen Laufstrecke zu 70% reine Kopfsache ist. Ich hatte die 161,9 Km in kleine Abschnitte zerlegt und nur von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt gedacht. Sehr markant waren für mich die Punkte als es keine 100 Km mehr waren und als ich die 100 Km Marke überschritten hatte. Und bemerkenswert war für mich weiterhin, dass es unglaublich viele uphills und downhills gab, die man im flachen Berlin überhaupt nicht vermutet.

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