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Alex Hutchinsons Lauflabor Die richtige Trainingsdosis für Senioren

Sport im Alter ist gesund, aber mit wie viel Training tun Senioren ihrem Herzen wirklich etwas Gutes? Eine neue Studie aus den USA kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Die richtige Trainingsdosis im Alter +

Die linke Herzkammer von aktiven Senioren ist gesünder als die von Senioren, die sich nur wenig bewegen.

Es gibt viele Diskussionen über die optimale „Dosis“ an Training, die den Nutzen für unsere Gesundheit maximiert. Einige Forscher behaupten, dass eher kleine Trainingseinheiten - nur fünf Minuten pro Tag - am besten sind, besonders für das Herz. Dies Aussage macht die Ergebnisse einer neuen Studie von Benjamin Levines Forschergruppe am Texas Health Presbyterian Hospital, die in der Zeitschrift American College of Cardiology veröffentlicht wurden, um so interessanter. Die Studie untersuchte 102 Senioren mit einem Durchschnittsalter von 70 Jahren, die in 4 Gruppen eingeteilt wurden:

1. bewegungsarm (weniger als 2 Trainingseinheiten von 30 oder mehr Minuten pro Woche, über einen Zeitraum von 25 Jahren)

2. ab und zu sportlich (2-3 Trainingseinheiten /Woche)

3. engagiert (4-5 Trainingseinheiten/Woche)

4. leistungsorientiert (6-7 Trainingseinheiten/Woche/Wettkämpfe)

Wenn ich sage, die Studie befasste sich mit diesen Senioren, dann meine ich, dass die Probanden auch anhand von invasiven Tests wirklich sehr genau untersucht wurden, um so viele Details wie möglich über ihre Herzfunktionen herauszufinden. Dabei legten die Forscher besonderes Augenmerk auf die linksventrikuläre Compliance und Dehnbarkeit (LVCD) - d.h. auf die Frage: Wie steif oder dehnbar ist die linke Herzkammer? Es ist weithin bekannt, dass die linke Herzkammer (die sich ausdehnt und wieder zusammenzieht, um Blut ins Kreislaufsystem zu pumpen) im Alter steifer wird, was ihre Funktion beeinträchtigt und mit einer Reihe von Herz-Kreislauf-Problemen wie Bluthochdruck, Vorhofflimmern und einer Form des Herzversagens in Verbindung gebracht wird. Es wurde auch festgestellt, dass sehr gut trainierte Senioren sich eine flexiblere linke Herzkammer erhalten können als ihre weniger trainierten Altersgenossen. Ziel dieser Studie war es also, zu berechnen, wie viel Training man im Alter braucht, um diese Flexibilität der linken Herzkammer aufrecht zu erhalten.
Grafik zur richtigen Trainingsdosis +
Foto: runnersworld.com

Die obere Grafik zeigt die vier Gruppen und den enstprechenden Anstieg der VO2. Der unteren Grafik können Sie die Entwicklung des linken Herzkammervolumens unter einem bestimmten Druck entnehmen.

Für den Anfang lohnt es sich hier auf die nicht überraschende Tatsache hinzuweisen, dass je mehr die Gruppe trainierte, um so mehr auch ihre VO2 anstieg (siehe obere Grafik).

Also, wie steht's mit der Steifheit der linken Herzkammer? Die Messungen waren extrem komplex, und wurden anhand von Herz-MRTs, Echokardiografien, Ballonkathetern, Unterkörper-Unterdruckprüfungen durchgeführt, um das Herzvolumen zu testen. Schließlich ergab sich folgendes Bild (siehe untere Grafik).

Es gilt die Devise: Viel hilft viel

Die Grafik zeigt, wie sich das Volumen der linken Herzkammer (horizontale Achse) in Abhängigkeit vom Druck (vertikale Achse) verändert. Wie erwartet, haben die Leistungssportler (grünes Dreieck) flexiblere linke Herzkammern, die sich mit weniger Druck zu größeren Volumen ausdehnen können. Die interessante, neue Erkenntnis ist jedoch, dass die „engagierte“ Trainingsgruppe (violettes Dreieck), die 4-5 Mal pro Woche trainiert, auch noch einen bedeutenden Vorteil aufweist. Doch die ab und zu sportliche (roter Kreis) und bewegungsarme Gruppe (blauer Kreis) unterscheiden sich hingegen nicht wesentlich. Die Schlussfolgerung? Einige kardiovaskuläre Vorteile kann man mit lediglich 5-minütigem Training pro Tag nicht erhalten. Darüber hinaus gibt es einen messbaren Unterschied in der Funktion zwischen der engagierten und leistungsorientierten Gruppe. Hier gilt wohl die Devise: Mehr ist besser.

Natürlich ist die noch interessantere Frage: Leben die leistungsorientierten Sportler denn auch länger oder bleiben gesünder und aktiver? Das kann diese Studie nicht beantworten, aber sie nährt zumindest wieder die Idee, dass ein aktives Herz ein gesundes ist (und ein sehr aktives Herz, noch gesünder ist).
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Autor: Alex Hutchinson 17.10.2014
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