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Alex Hutchinsons Lauflabor Ist jedes Sitzen gleich schlecht?

Sitzen schadet der Gesundheit. Aber es gibt Unterschiede: Eine Studie zeigt, dass das Sitzen vor dem Fernseher für die Arterien schlechter sein kann als am Schreibtisch zu sitzen.

Couch Potato +
Foto: iStockphoto.com/ David Clark

Vor dem Fernseher zu sitzen, schadet der Gesundheit.

Zu viel Herumsitzen ist schlecht für uns, das ist nach jahrelanger Forschung mittlerweile bekannt. Es ist jedoch nicht nur der Bewegungsmangel. Wenn man für mehrere Stunden bestimmte Muskeln nicht beansprucht, entstehen negative Stoffwechselveränderungen, die mit einem Besuch im Fitnessstudio nicht einfach wieder wettgemacht werden können.

Aber ist jedes Sitzen gleich? Ist das Räkeln auf die Couch, um fernzusehen, das gleiche wie bei der Arbeit am Schreibtisch zu sitzen? Das versuchte eine aktuelle Studie unter der Leitung von Keith Diaz von der Columbia University herauszufinden. Die Ergebnisse wurden im International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity veröffentlicht.

Vor dem Fernseher zu sitzen, schadet den Arterien

An der Studie nahmen 3.410 afroamerikanische Erwachsene aus Jackson, Mississippi, teil, die eine Reihe von Untersuchungen über sich ergehen ließen. Mithilfe von Ultraschall-Messungen wurde unter anderem die Wanddicke ihrer Halsschlagadern gemessen – eine gute Methode zur Früherkennung von Herzerkrankungsrisiken. In Umfragen wurde außerdem die Fernsehdauer der Probanden (in Abschnitten von jeweils zwei Stunden pro Tag), die Zeit, die sie während der Arbeit im Sitzen verbrachten (nie, selten, manchmal, oft, immer), sowie der Grad ihrer körperlichen Aktivität ermittelt.

Bezogen auf die Fernsehzeit waren die Ergebnisse wie erwartet: Je mehr Fernsehen geschaut wurde, desto dicker waren die Arterienwände, unabhängig davon, wie sportlich die Testpersonen waren. Aber das Gleiche galt nicht für das Sitzen am Arbeitsplatz. Tatsächlich schienen diejenigen, die länger sitzend bei der Arbeit verbrachten, bessere Arterien zu haben – auch unter Berücksichtigung solcher Faktoren wie Einkommen und Bildungsniveau.

Die Art der Sitzzeit ist entscheidend

Was bedeutet das? Nun, es deutet darauf hin, dass die Art der Sitzzeit wichtig ist. Die Forscher weisen darauf hin, dass das Sitzen vor dem Fernseher oft ohne Unterbrechung erfolgt und darauf häufig kalorienreiche Mahlzeiten wie das Abendessen folgen (Naschereien kommen in der Regel auch noch hinzu). Am Arbeitsplatz ist es hingegen wahrscheinlicher, dass man in regelmäßigen Abständen mal aufsteht, zum Beispiel an den Drucker geht oder um sich mit Kollegen zu unterhalten. Weniger wahrscheinlich ist hier dagegen, dass fettige Paprikachips ins Spiel kommen.

Ein weiterer Gedanke, der mir dabei einfällt, aber in der Studie nicht angesprochen wird: Macht es einen Unterschied, ob ich auf der Couch liege oder auf einem Schreibtischstuhl sitze?

Die Ergebnisse der Studie sind verzerrt

Einen Vorbehalt habe ich gegenüber der Studie: Zur Erfassung der gesessenen Zeit wurden Fragebögen statt Bewegungssensoren verwendet. Ich hätte also mehr Vertrauen in die Ergebnisse über das Sitzen am Arbeitsplatz, wenn die Daten objektiver gemessen worden wären.

Aber es gab auch noch weitere Faktoren, die die Interpretation der Ergebnisse verzerrten: Diejenigen, die mehr fernsahen, waren tendenziell älter, weniger gebildet und verdienten weniger Geld, während diejenigen, die mehr bei der Arbeit saßen, eher jünger und häufiger vollzeitbeschäftigt waren. Die Forscher versuchten die Ergebnisse statistisch auszugleichen, aber solche Anpassungen sind in der Regel nicht perfekt.

Schon kurze Unterbrechungen können helfen

Letzten Endes decken sich die Ergebnisse mit früheren Studien, welche nahelegen, dass kurze Unterbrechungen der sitzenden Zeit einen großen Unterschied machen können. In der Praxis wird vorgeschlagen, dass die Menschen sich vielleicht lieber über ihre Zeit vor dem Fernseher, als über ihre Zeit am Schreibtisch Gedanken machen sollten. Das scheint aber schwierig. Stehpulte haben zwar inzwischen an Popularität gewonnen, aber mir fällt es schwer, mir einen Boom der Stehcouch und des Laufbandfernsehers vorzustellen.

Ich vermute auch, dass die verschiedenen Arten der Sitzzeit noch weiter unterteilt werden könnten. Verrichtet man die Arbeit zu Hause oder im Büro? Arbeitet man in erster Linie alleine oder gemeinsam mit Kollegen? Hat man mit Kunden persönlichen oder telefonischen Kontakt? All diese Faktoren bestimmen, wie oft die Sitzzeit unterbrochen wird. Auch wenn wir nicht jedes Detail in unserem Sitzverhalten einbeziehen können, sollen wir das wichtigste Prinzipien im Auge behalten: Wenn man in den letzten Stunden keinen Muskel bewegt hat, wäre es jetzt wahrscheinlich an der Zeit einmal aufzustehen.
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Autor: Alex Hutchinson 29.04.2016
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