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Beckenbodenprobleme Kann Laufen eine Gebärmuttersenkung verursachen?

Der ­Wiedereinstieg ins Lauftraining nach einer Schwangerschaft soll erst erfolgen, wenn sich die Beckenbodenfunktion erholt hat.

"Bei mir wurde eine Gebärmuttersenkung festgestellt. Der Arzt führt sie auch auf mein Lauftraining zurück. Seit der Geburt meines Kindes im Jahre 2001 laufe ich etwa 40 Kilometer wöchentlich. Kann das zu der Gebärmuttersenkung geführt haben?"

Frau C. F., Bedburg-Dyk
Gebärmuttersenkung +
Foto: Norbert Wilhelmi

Nach einer Schwangerschaft sollten Sie sich Zeit nehmen und behutsam wieder ins Training einsteigen.


Dr. Andreas Niess +
Foto: Runner's World

Dr. Andreas Niess

Das Auftreten einer Gebärmuttersenkung ist zunächst einmal im Zusammenhang mit Ihrer damaligen Schwangerschaft zu sehen. Eine Schwangerschaft und der damit verbundene Geburtsvorgang führen dazu, dass sich die Beckenbodenmuskulatur und der zugehörige Bandapparat lockert, aufdehnt und an Kraft verliert. Die Strukturen des Beckenbodens erfüllen eine sehr wichtige Funktion bei der Fixierung der Organe des kleinen Beckens.

Ihre passagere Schwächung im ­Rahmen einer Schwangerschaft erhöht ­generell die Wahrscheinlichkeit eines Auf­tretens von Harninkontinenz bzw. Problemen, wie Sie sie beschrieben haben. Eine regelrechte Funktion des Beckenbodens ist jedoch speziell auch bei Belastungsformen wichtig, bei denen der Körper mit seinem Gewicht wiederholt über die Füße auf dem Boden ­aufsetzt und somit Druck auf die Becken­organe ausgeübt wird.

Ein Extrembeispiel wären Trampolinsprünge, aber auch Laufen, vor allem bergab, kann zu solchen Belas­tungen gezählt werden. Deshalb sollte der ­Wiedereinstieg ins Lauftraining nach einer Schwangerschaft erst erfolgen, wenn sich die Beckenbodenfunktion erholt hat. An erster Stelle steht deshalb zunächst ­eine gezielte Beckenboden-Gymnastik, die konsequent und kontrolliert durchgeführt werden sollte. Der Wiedereinstieg ins eigentliche Training sollte zunächst vorsichtig erfolgen, die ersten Einheiten in Form von Walking absolviert werden und vor allem Bergablaufen erst einmal gemieden werden.

Dass Laufen an sich die Beckenbodenstrukturen schwächt, erscheint nach derzeitigem Wissen unwahrscheinlich. Eine Studie konnte zeigen, dass sich die Häufigkeit der Stressinkontinenz zwischen Leistungssportlerinnen und sportlich inaktiven Frauen nicht unterscheidet. Auch findet sich bei früheren Leistungssportlerinnen im Alter keine größere Häufung dieser Probleme.

Es scheint eher so zu sein, dass das Laufen eine an sich schon vorhandene Veranlagung zu ­einer schlechten Beckenbodenfunktion durch das Auftreten von Inkontinenzerscheinungen offensichtlich werden lässt. Entsprechend dürfte in Ihrem Falle nicht das Laufen als solches, sondern ein eventuell zu früher Wiedereinstieg nach der Schwangerschaft die Problematik ausgelöst haben.
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Autor: Dr. Andreas Niess 11.04.2013
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