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Luftverschmutzung blockiert kognitive Leistungssteigerungen

Belgische Wissenschafter verglichen das Lauftraining in städtischer und ländlicher Luft - und kamen zu bedenklichen Ergebnissen.

Laufen und Luftverschmutzung +
Foto: runnersworld.com

Laufen in belasteter Luft ist erwiesenermaßen schlechter als in sauberer Luft.

Belgische Forscher verglichen in einer Studie, deren Ergebnisse gerade in der „Medicine & Science in Sports & Exercise“ veröffentlicht wurden, die Folgen des Lauftrainings in städtischen oder ländlichen Umgebungen miteinander. Sie untersuchten dafür zwei Gruppen von ortsansässigen Freiwilligen: 15 Studenten von einer Universität in der Großstadt Brüssel, und neun Studenten von einer Universität in der kleinen belgischen Stadt Mol. Beide Gruppen absolvierten ein 12-wöchiges Trainingsprogramm, 3 Mal pro Woche auf ihrem jeweiligen Universitätsgelände. Das Programm war ein Einsteiger-Programm, das sich von 20 Minuten Walken und Laufen auf 32 Minuten Dauerlauf steigerte. Während der Trainingseinheiten wurde der Luftverschmutzungsgrad durch Feinstaubpartikel gemessen, die zwischen 0.02 und 1 Mikrometer im Durchmesser hatten – eine Form der Schadstoffbelastung, die durch die Abgase von Autos und Lastwagen erzeugt wird.

Auf den Punkt gebracht: Am Ende der Untersuchung haben beide Testgruppen ihre Fitness gleichermaßen gesteigert, doch bei der städtischen Gruppe wurde ein Ansteigen der Anzeichen einer Körperentzündung (erhöhte Leukozyten-Werte) und Atmungsentzündung (die Probanden atmeten Stickstoffoxyd aus) festgestellt. Die ländliche Testgruppe zeigte in dieser Hinsicht keinerlei Veränderung. Zudem wurden die individuellen Veränderungen dieser Parameter zu den individuell gemessenen Schadstoffbelastungen der Gruppen während des Trainingsprogramms in Beziehung gebracht.

Im Gegensatz dazu zeigte die ländliche Gruppe verbesserte Werte im so genannten Stroop-Test, der kognitive Funktionen wie Reaktionsvermögen und selektive Aufmerksamkeit misst; die städtische Gruppe zeigte hier keine Verbesserung. Die Forscher verbinden diese Ergebnisse mit früheren Studien, die darauf hinweisen, dass Luftverschmutzung zu „Nervenentzündungen und zu kognitiven Rückentwicklungen von Menschen wie auch Tieren beiträgt“.
Diagramm Luftverschmutzung +
Foto: runnersworld.com

Diagramm mit den Markern für Entzündungswerte bei Läufern in der Stadt und auf dem Land.

Zur Verdeutlichung: Die Grafik zeigt die individuelle Veränderung der Lymphozyten-Werte (die zu den Leukozyten gehören, die in der Studie als Marker für Körperentzündungen dienen) bei den ländlichen und städtischen Probanden im Zusammenhang mit der Belastungshöhe bzw. -dauer durch die ultrafeinen Staubpartikel während des Trainingsprogramms.

Das macht Läufer, die in großen Städten leben und jeden Tag im Freien trainieren, wie auch ich es einer bin, ziemlich sauer. Und natürlich ziehen die Forscher daraus ein negatives Fazit: „Diese neuen Ergebnisse könnten für Mediziner und andere wertvoll sein, die Menschen empfehlen, draußen, in luftverschmutzter Umgebung zu trainieren. Es steht zur Diskussion, dass die negativen Folgen von Körperentzündungen, kardiovaskulären Folgen und neuronalen Entzündungen etc. ein Training in dieser Umgebung nicht rechtfertigen.“

Tja, allerdings denke ich, dass wir uns alle in Anlehnung an Steve Martin im Film Zwei hinreißend verdorbene Schurken, in einer Sache einig sein können: "Es ist besser, saubere Luft zu atmen, als es nicht zu tun." Diese Studie erklärt uns also detailgenau, warum es gesünder ist saubere Luft einzuatmen als schmutzige Luft. Das ist großartig. Aber die Studie erzählt uns nichts über die Vorteile des städtischen Trainings gegenüber gar keinem Training in der Stadt. Die städtische Gruppe steigerte ihre Fitness (eine sehr gute Sache), ihre Entzündungsmarker stiegen jedoch an (keine so gute Sache), und sie verbesserte auch nicht ihre kognitiven Leistungen. Überwiegen also die schlechten Effekte den Nutzen? Ich glaube nicht, dass diese Studie irgendetwas darüber aussagt.

Und um ganz genau zu sein – möchte ich noch die Tatsache anführen, dass die städtische Gruppe 24 Stunden pro Tag in der Großstadt lebte, während die andere Gruppe 24 Stunden pro Tag in einer ländlichen Umgebung zubrachte. Die Wissenschaftler geben zu, dass die fehlenden kognitiven Verbesserungen in der städtischen Gruppe auch auf ihre chronische, als tägliche Schadstoffbelastung zurückzuführen sind und nicht allein auf das Training in luftverschmutzter Umgebung. Alles in allem denke ich, dass die Studie viele Beweise für die negativen Folgen der Luftverschmutzung aufzeigt - aber für mich bedeutet das noch lange nicht, dass es Menschen, die in schadstoffbelasteteren Gebieten leben, vermeiden sollten zu trainieren. Ich laufe weiter…
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04.12.2012
Autor: Alex Hutchinson
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