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Lauflabor Mentale Erschöpfung mindert Leistungsfähigkeit

Nach anstrengender mentaler Arbeit wird ein anschließender Lauf als schwerer eingeschätzt und das Lauftempo gedrosselt.

Auswirkungen geistiger Anstrengung auf das Renntempo +

Nach anstrengender geistiger Arbeit fühlt sich ein Lauf anstrengender an.

Das „Gehirn-Ausdauertraining" ist ein von Dr. Samuele Marcora an der Universität von Kent entwickeltes Konzept. Die Grundidee besteht darin, dass man eine Reihe kognitiv schwieriger Aufgaben, eine Art Videospiel, absolviert, um einen mentalen Erschöpfungszustand hervorzurufen. Mit der Zeit wird so das Gehirn „trainiert", widerstandsfähiger gegen geistige Ermüdung zu werden. Das hat dann auch eine bessere physische Leistung zur Folge hat, da geistige Erschöpfung sie in der Regel verlangsamt.

Eine der Herausforderungen ist hier jedoch, dass „mentale Erschöpfung" ein ziemlich weit gefasster Begriff ist. Welche Arten von kognitiven Aufgaben haben denn den größten Einfluss auf unsere physische Leistungsfähigkeit und sollten bevorzugt trainiert werden?

Marcora und seine Kollegen haben kürzlich eine neue Studie im "European Journal of Applied Physiology" veröffentlicht, die verschiedene Arten der mentalen Ermüdung untersuchte. Das grundlegende Design der Studie war ziemlich einfach: Die Probanden erledigten 30 Minuten lang eine geistig ermüdende Aufgabe und absolvierten dann einen 5-km-Lauf im eigenem Tempo auf dem Laufband. Sie machten dies zweimal mit jeweils leicht veränderten kognitiven Aufgaben.

Die kognitive Aufgabe, die hier angewendet wurde, nennt man auch Stroop-Test. Auf einem Monitor blinken Wörter in verschiedenen Farben auf und die Probanden müssen einen der Farbe des Wortes entsprechenden Knopf drücken. Was diese Aufgabe so heikel macht, ist, dass die Wörter selbst Farben sind – so ist beispielsweise das Wort „grün" in blau sehen und man müsste dementsprechend den blauen Knopf drücken, obwohl man eigentlich den starken Drang verspürt wird, den grünen Knopf zu drücken. Den grünen Knopf nicht zu drücken verlangt eine „Reaktionsunterdrückung", eine Schlüsselkomponente der Selbstkontrolle, genauso wie sie im berühmten Marshmallow-Test gemessen wurde.

In der Studie wurde die eine Version des Stroop-Test eingesetzt, um die Reaktionsunterdrückung der Probanden zu messen, während die andere Version - die Kontrolle - immer nur das eine Wort (z.B. „grün") in der gleichen Anzeigefarbe (z.B. grün) zeigte, so dass keine Unterdrückung der Reaktion erforderlich war. Die nachfolgende Graphik verdeutlicht die Ergebnisse.
Lauf-Labor +
Foto: runnersworld.com

Nachdem die Probanden (gestrichelte Linie) ermüdet waren, schätzten sie ihre Anstrengung (RPE) im anschließenden Lauf als schwerer ein (B) und drosselten von Anfang an ihr Lauftempo, bis sie schließlich um 6 % langsamer liefen (A) als die Kontrollpersonen (durchgezogene Linie).

Das Fazit ist ziemlich eindeutig. Nachdem die Probanden durch ihre Reaktionsunterdrückungen mental ermüdet waren, schätzten sie ihre wahrgenommene Anstrengung (RPE) im anschließenden Lauf als schwerer ein (B) und drosselten von Anfang an ihr Lauftempo, bis sie schließlich um 6 % langsamer liefen (A).

Interessanterweise offenbarten die psychologischen Fragebogen keine Unterschiede der wahrgenommenen mentalen Erschöpfung vor dem Zeitrennen. Mit anderen Worten war den Probanden gar nicht bewusst, dass sie nach der Reaktionsunterdrückungsaufgabe „müde" waren.

Na, klar spielt die Reaktionsunterdrückung auch eine Schlüsselrolle im Ausdauersport – schließlich muss man ständig den steigenden Wunsch hemmen, sich zu verlangsamen oder gar anzuhalten! Infolgedessen bemerkten die Autoren in ihren Schlussfolgerungen auch, dass „Athleten und Trainer möglichst alle kognitiven Aufgaben, die eine Reaktionsunterdrückung erfordern, im Vorfeld des Wettkampfes, wie z.B. seine Wut zu kontrollieren während eines Interviews mit allzu neugierigen Journalisten, möglichst vermeiden sollten.“

Dieser Satz brachte mich zum Schmunzeln. Als ich Marcora danach fragte, erklärt er, dass er mit dieser Aussage, Trainern und Athleten einen Anreiz geben wollte, sorgfältiger über Faktoren nachzudenken, von denen sie nie angenommen hätten, dass sie die Leistungen am Wettkampftag betreffen könnten. Ich denke, dass dies eine großartige Studie ist, die unser Wissen darüber, welche Arten der mentalen Erschöpfung unsere Ausdauerleistungen am stärksten betreffen, verfeinert.
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Autor: Alex Hutchinson 21.02.2014
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