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Orthopädie Muss ich mich nach dem Bandscheibenvorfall schonen?

Mit der Kräftigung der Rückenmuskulatur kann man einem (weiteren) Bandscheibenvorfall vorbeugen.

"Mein größter Wunsch ist es, beim Berlin-Marathon in der Disziplin Power-Walking zu starten. Da ich (47) im vorigen Jahr einen schweren Bandscheibenvorfall hatte, bin ich komplett aufs Walken umgestiegen. Jetzt bräuchte ich einen Plan und bitte Sie ganz dringend um Ihre geschätzte Hilfe. Ich brauche momentan für zehn Kilometer flottes Walken 1:26 Stunden. Wie packe ich es richtig an, um auch eine Distanz von 42,2 km unter sechs Stunden zu überstehen. Krafttraning mache ich auch."

Frau M. S., Wien

Dr. med. Thomas Wessinghage +
Foto: privat

Dr. Thomas Wessinghage, 5000-m-Europameister (1982), Ärztlicher Direktor der Medical-Park-Kliniken Bad Wiessee und Professor der DHPG Saarbrücken

Running-Doc Thomas Wessinghage antwortet:

Nach einem Bandscheibenvorfall spricht nichts gegen ein Lauftraining auf dosiertem Niveau, im Gegenteil. Nach Abklingen der Schmerzen sollte man mit Kräftigungsübungen für die Rumpfmuskulatur beginnen, was Sie ja wohlweislich getan haben. Wenn Sie wieder laufen wollen, sollten Sie in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erst einmal langsam die Belastung stufenweise steigern und sorgsam »in sich hineinhören«.

Vermeiden Sie es in jedem Fall, bergab zu laufen und suchen Sie in den ersten Wochen Waldwege oder weiche Untergründe (z. B. auf einem Sportplatz). Es gibt viele Beispiele von Läufern, die nach Bandscheibenvorfällen wieder Marathon gelaufen sind. Der Bandscheibenvorfall ist ja nicht dem Laufen geschuldet, sondern langen Jahren falschen Sitzens bzw. einer ungünstiger Körperhaltung.

Fehlt Ihnen aber das Vertrauen, es wieder mit dem Laufen zu versuchen, dann bleiben Sie beim Walken. Haben Sie allerdings noch Probleme mit den Bandscheiben, dann wagen wir zu bezweifeln, ob ein sechs Stunden langer Marathon-Walk tatsächlich empfehlenswert ist. Um den Marathon in den angestrebten sechs Stunden durchzuwalken, müssen Sie ja schließlich bis September in der Lage sein, Ihr momentanes 10-km-Walking-Tempo auf 42,2 Kilometer durchzuhalten. Der Trainingsaufwand ist in der direkten Vorbereitung auf den Berlin Marathon mit vier Walking-Tagen pro Woche zu veranschlagen. Zwei davon sollten im ruhigen Tempo Streckenlängen von zirka acht bis zehn Kilometer umfassen, eine sollte im schnellsten Power-Walking-Stil zwischen sechs und acht Kilometer lang sein und die entscheidende vierte sukzessive Woche für Woche auf bis zu vier Stunden Dauer ausgedehnt werden.

Sinnvoll wären auch zwei bis drei Wanderungen (am Wochenende), in denen Sie 40 bis 50 Kilometer mit kleineren Pausen zurücklegen, dann nicht im Power-Walking-Stil, sondern eher „wandernd“, also zügig gehend. Zwölf Wochen dauert eine effektive Marathonvorbereitung für Läufer, mindestens so lange, eher zwei bis vier Wochen länger, sollte die Ihre für Berlin auch sein.
Der Bandscheibenvorfall:

Ein Bandscheibenvorfall ist ein degenerativer Schaden. Das bedeutet, dass durch längerfristige Fehlbelastung, Muskelungleichgewicht usw. eine Schwächung des Bandscheibengewebes eintritt, vor allem des äußeren, bindegewebigen Ringes. Bei stärkeren Belastungen bspw. schweres Heben, langes Sitzen in schlechter Haltung (im Auto oder Flugzeug) heftiges Bergablaufen kann dieser Ring zerreißen und die zentral gelegene gallertige Masse (Dämpfungsprinzip!) drängt nach außen, meist nach hinten. Aufgrund der räumlichen Enge kann diese Gallertmasse eine dort verlaufende Nervenwurzel im knöchernen Kanal einklemmen, es kommt zu starken Schmerzen, die klassischerweise bis ins Bein/Fuß ziehen (Nerv = Elektrokabel). In schwerwiegenderen Fällen treten auch Sensibilitätsstörungen (Taubheitsgefühl) oder Lähmungen auf.

Eine Akutbehandlung bietet nur die Operation, bei der das Gallertgewebe entfernt und der Nervenwurzel Raum verschafft wird. Spritzen, Wärme usw. beeinflussen nicht die Heilung der Bandscheibe, sondern vermindern nur Begleitsymptome wie Schmerzen und Muskelverspannungen. Die ursächliche Behandlung findet aber auch durch die Operation nicht statt, sondern besteht darin, die zur Bandscheibenabnutzung führenden Faktoren zu reduzieren oder zu eliminieren. Dies geschieht in Form von Rückenschule (Koordination), Muskelaufbau (Kraft), Dehnübungen (Beweglichkeit). Manchmal ist auch ein Ausdauertraining vonnöten, da z. B. bei Menschen mit stehenden Berufen eine Ermüdung im Laufe des Tages zur Haltungsverschlechterung und zur Zunahme der Bandscheibenbelastung führt.

Bilder: RW/www.swiss-image.ch

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24.10.2008
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