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Die Studienlage zusammengefasst Was bringen Massagen?

Lange Zeit war nicht sicher, ob Massagen die Regeneration unterstützen. Immer mehr Studien bringen jetzt Klarheit. Mit Tipps zur Selbstmassage.

Was bringen Massagen? +

Nicht jede Massage macht Spaß - aber hinterher fühlt sich die Muskulatur spürbar besser an.

Jeder, der mal an einem Mara­thon teilgenommen hat, kennt das Bild: Hinterm Ziel­einlauf bilden sich bald riesige Schlangen von Läufern, die für eine Mas­sage anstehen. Eine intensive „Knetkur“ nach dem Rennen fühlt sich einfach gut an. ­Die Läufer berich­ten einhellig, dass durch die ­Behand­lung die Anspannung in der Muskulatur nachlässt und die Beweglichkeit verbessert wird. Und die Mas­sage sorgt nicht nur für ­eine als angenehm empfundene Entspannung, sondern gibt einem auch noch das Gefühl einer Belohnung für die geleistete „Arbeit“.

Massage: Mythos Milchsäure

obwohl fast alle Läufer Massagen schätzen, gibt es nur ­wenige wissenschaftliche Beweise für ­deren Wirksamkeit. „Die These, die manuelle Therapie würde die Durchblutung fördern sowie Giftstoffe und Milchsäure aus dem Körper spülen, wird seit Jahrhunderten durch Erfahrungsberichte aus aller Welt gestützt. Doch bis heute konnte wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen ­werden, dass Massagen dies tatsächlich bei allen Menschen bewirken“, berichtet Justin ­Crane von der McMaster Univer­sity in Hamilton (Kanada), der etliche Studien zur Wirksamkeit von Massagen analysiert hat. Im Gegenteil: Viele positive Effekte, die Massagen gemeinhin zugesprochen werden, hat die Wissenschaft widerlegt. „Zum Beispiel können über die Druckbewegung der Hände keine Giftstoffe aus dem Muskel in das Blutsystem befördert werden“, weiß JoEllen Sefton, Professorin für Bewegungslehre, die sich mit angewandten Massage­therapien beschäftigt. „Auch die viel zitierte Milchsäure lässt sich nicht aus dem Muskel drücken“, ­berichtet Justin Crane, der Proben von Radfahrern analysierte, die bis zur ­Ermüdung radelten und im Anschluss ­eine zehnminütige Massage erhielten.

Eine Massage übt einen mecha­ni­schen Druck auf Muskeln sowie auf Sehnen, Bänder und die Fas­zien aus. Letztgenannte umhüllen den Muskel und halten ihn in seiner Form. „Die bei der Mas­sage ausgeübte Kraft dehnt das Fasziengewebe, was zu einer Lockerung des Muskels führt“, sagt Sefton. Das ist auf ­jeden Fall schon mal ein echter Vorteil einer Massage.

Das leistet die Massage für die Regeneration

Entscheidend für Läufer ist ­jedoch, was die Massage für die Rege­nera­tion leisten kann. Im „Journal of Athletic Training“ und im „British Journal of Sports ­Medicine“ veröffentlichte Studien belegen, dass Massagen den nach einem Marathonlauf auftretenden Muskelschmerz durchaus lindern können. Und eine weitere Studie kam zu dem Ergebnis, dass die manu­elle Therapie nicht nur das ­Immunsystem stärkt, sondern auch ­die Ausbreitung bereits vorhandener Entzündungen bremst: So fand der Mediziner Mark Rapaport he­raus, dass ­schon eine ein­zige Massagebehandlung zu einer Zunahme der Lympho­zyten führt. Lymphozyten sind die weißen Blut­körperchen, die bei der Bekämpfung von ­Entzündungen eine wesent­liche Rolle spielen. Gleichzeitig wird bei der Massage die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol gehemmt. „Auf diesem Gebiet muss sicher noch weitere For­schungs­arbeit geleistet werden, aber klar scheint zu sein, dass sich durch Massagen die körperliche Anspannung von Läufern reduzieren lässt“, zieht Rapaport Bilanz.

Auch Justin Crane zeigt in ­seiner Studie, dass mit Massagen ­behandelte Gliedmaßen niedrigere Entzündungswerte aufweisen. ­Außerdem dokumentiert er ­einen 30-prozentigen Anstieg ­jenes ­Gens, das an der Entstehung von ­Mitochondrien beteiligt ist. Als „Kraftwerke“ in den Zellen steuern Mitochon­drien deren Energieversorgung und sichern ­somit ­deren Regeneration. „Unsere Forschungen deuten darauf hin, dass Läufer nach einem inten­siven ­Training durch Massagen eine schnellere Erholung erlangen und so die ­Möglichkeit haben, früher wieder voll ins Training einzusteigen, als wenn sie sich nicht massieren ließen“, sagt Crane. Fasst man alle Erkenntnisse zusammen, erscheint die Sachlage recht eindeutig: Regelmäßige Massagen unterstützen vor ­allem die Erholung nach dem Sport und schützen langfristig vor zu starken Überlastungen. „Denn versteifte Muskeln ­verändern den Gang, und das führt auf Dauer zu Problemen“, sagt JoEllen Sefton. Auch Lauf­ein­steiger profitieren von Massagen, weil dadurch die Intensität des Mus­kel­katers reduziert wird, der anfangs leicht auftreten kann. So bleiben sie motiviert – und die Warteschlangen für eine entspannende Massage lang.
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Autor: Kelli Bastone 30.07.2014
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