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Ausprobiert Wie fühlt es sich an, in der Fußgängerzone zu laufen?

In unserer Serie "Ausprobiert" verlegte eine Praktikantin ihr Training in die Fußgängerzone einer ­Großstadt und testete dabei ihre Slalom-Qualitäten an menschlichen Pylonen.

Laufen in der Fußgängerzone +
Foto: Marie Simons

Platz da! So kann es aussehen, wenn man am Samstag zur Haupteinkaufszeit mitten durch die Shoppingzone einer Großstadt läuft.

Die Bedingungen:
1. Die Laufstrecke führt durch eine stark frequentierte Fußgängerzone, idealerweise inmitten ­einer Großstadt.
2. Als Zeitpunkt sollte der Samstagmittag gewählt werden, da ist am meisten los und damit das Gedrängel am größten.
3. Alles ist beim Laufen erlaubt, nur keine Gewalt. Das beste Mittel: Augen auf und Lücken nutzen.


Eine Fußgängerzone ist ja so eine Sache für sich. Wenn wir dort sind, wollen wir in der Regel alle dasselbe: einkaufen, essen, einkaufen. Und damit wir nicht den Unmut der anderen Kaufwilligen auf uns ziehen, gibt es einige ungeschriebene Regeln, an die sich jeder halten sollte. Die Bezeichnung „Fußgängerzone“ gibt uns dabei schon mehr oder weniger die gewünschte Bewegungsform vor – gehen. Und zwar am besten rechts, nicht drängeln, aus­weichen. Diese Zone ist für Läufer also eigentlich tabu. Alles schön und gut, aber das Leben wäre ja langweilig, wenn wir uns immer an die Vorgaben halten würden. Für mich hieß es also: Laufschuhe an und rein ins Getümmel.

Kaum kam ich in die Nähe der gut besuchten Einkaufsstraße, wurde der freie Raum zum Laufen immer enger, die Menschen rückten einander zusehends auf die Pelle. Das entspricht zwar dem Charakter einer Fußgängerzone an einem Shopping-Samstag, widerspricht aber eindeutig dem natürlichen Freiheitsgefühl eines Läufers. Zu der auftretenden Enge kam hinzu, dass am Wochenende niemand so richtig Lust hat, sich schnell zu bewegen. Der spontane Richtungswechel der Passanten und die laufun­typische Geschwindigkeit ließen mich des Öfteren sehr dicht auflaufen, abrupt abbremsen und heikel überholen. Ich wurde zu einem Fußgängerzonen-Rowdy, fühlte mich auf einem Verkehrsübungsplatz für Läufer, auf dem friedliche Mitbürger für mich zu Pylonen wurden. Jede sich bietende Lücke nutzte ich, um wenigstens ein bisschen Laufgeschwindigkeit zu bekommen. So schnell ich diese Lücke jedoch gesehen hatte, so schnell war sie auch wieder gefüllt.

Die vier Kilometer, die ich hoch und runter durch die Innenstadt rannte, kamen mir sehr schleppend vor. Das ständige Ausweichen und Aufpassen erinnerte eher an vergangene Fahrstunden als an einen entspannten Lauf. Interessant war: Kein Fußgänger wurde richtig böse, und auch die Verwunderung über meine untypische Laufstrecke blieb aus. Es scheint fast so, als würden Läufer mittlerweile überall toleriert. Mein Fazit: Wer Menschenmassen nicht scheut und beim Laufen auch gern mal Schaufenster gucken möchte, ist in Einkaufsstraßen gar nicht so schlecht aufgehoben, erntet keinen Spott oder blöde Blicke. Für ein Tempotraining ist die Fußgängerzone aber absolut ungeeignet. Doch wenn man sowieso in der Stadt arbeitet: Warum nicht mal durch die Fußgängerzone joggen? Es stört wirklich niemanden.
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