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Alex Hutchinsons Lauflabor Wirkt sich Stress beim Laufen auch auf den Darm aus?

Magen-Darm-Probleme beim Laufen sind weit verbreitet und könnten auf Stress beruhen. Je älter man ist und je länger man bereits läuft, desto weniger Probleme gibt es.

Dämmer-Marathon Mannheim +
Foto: Tomás Ortiz-Fernandez

Der Start bei einem Wettkampf - hier beim Dämmer-Marathon 2017 in Mannheim - kann Stress auslösen. Magen-Darm-Probleme können die Folge sein.

Zwei Vorträge auf der „American College of Sports Medicine“-Konferenz 2017 beschäftigten sich mit einem Thema, das vielen Läufer nur allzu geläufig ist: Magen-Darm-Verstimmungen während des Laufens. Die Tragweite dieses Problems wird in einer Studie von Lauren Killian und Soo-Yeun Lee von der Universitiy of Illinois deutlich, die insgesamt 321 Marathon- und Ultramarathonläufer sowie Triathleten untersuchten.

Ihr Ziel war es, die Häufigkeit von Verdauungsstörungen bei den Probanden im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung festzustellen. Nur bei 1,6 Prozent der Befragten wurden Magen-Darm-Reizungen von einem Arzt diagnostiziert. Aber die Antworten der Fragebögen wiesen auf weitere 7,5 Prozent hin, welche ebenfalls die medizinischen Kriterien erfüllten (bzw. weitere 20,6 Prozent, bei der Verwendung von anderen Kriterien).

Insgesamt hatten 10,9 Prozent der Athleten wegen Magen-Darm-Beschwerden einen Arzt aufgesucht, 17,1 Prozent hatten Beschwerden die „manchmal oder oft“ das Training beeinträchtigen und ein beträchtlicher Anteil von 65,7 Prozent klagte über leichtere Verdauungsprobleme während des Trainings. Wenn Sie dies also lesen, stehen die Chancen gut, dass Sie wissen, wovon ich spreche.

Aber was genau verursacht diese Probleme? Patrick Wilson von der Old Dominion University suchte nach möglichen Erklärungen, indem er 150 Läufer bat, einen Monat lang ihr tägliches Training und die Magen-Darm-Symptome zu dokumentieren und Informationen über eine Vielfalt an potentiellen Risikofaktoren sammelte: Demografie, Lauferfahrung, schmerzlindernde Medikation, Antibiotika-Einsatz, probiotischer Konsum, Flüssigkeits- bzw. Nahrungsaufnahme während des Laufens, Koffeinkonsum vor und nach den Läufen, Stress und innere Unruhe.

Verbindung zwischen Stress und Magen-Darm-Erkrankungen besteht

Die letzte Kategorie brachte besonders interessante Ergebnisse. Sowohl Stress (gemessen durch einen Selbstbestimmungsfragebogen „Percieved Stress Scale") als auch innere Aufregung (gemessen mit dem Fragebogen „Becky Anxiety Inventory“) können ohne Zweifel mit der Häufigkeit von Symptomen für Magen-Darm-Erkrankungen in Verbindung gebracht werden.

Wie immer ist es erwähnenswert, dass die Korrelation nicht zwingend eine Kausalität bedeutet. Zum Beispiel fand die Studie heraus, dass die Häufigkeit von probiotischen Mahlzeiten in Verbindung mit häufigeren Magen-Darm-Beschwerden gesetzt werden kann. Es ist möglich, dass probiotisches Essen Diarrhö auslöst. Aber es ist auch möglich (und ich behaupte sogar wahrscheinlicher), dass Leute mit chronischen Magen-Darm-Beschwerden eher dazu neigen Produkte zu kaufen, die angeblich helfen sollen die Symptome zu lindern.

Aber hilft es uns nun zu wissen, dass Stress und innere Aufregung Magen-Darm-Probleme verursachen? Es gibt nichts weniger Entspanntes als gesagt zu bekommen, man solle sich entspannen. Trotzdem könnte man diese Möglichkeit im Hinterkopf behalten, wenn man sich auf einen großen und nervenaufreibenden Lauf vorbereitet. Entspannung ist immer gut, aber auch auf ballaststoffreiches Essen (und was auch immer Sie persönlich als Magen-Darm belastend empfinden) bereits einige Tage vor dem Lauf zu verzichten, klingt nach einer guten Taktik.

Auf der Suche nach den Ursachen für Magen-Darm-Probleme beim Laufen hat Wilsons Studie gute Nachrichten: Je älter man ist und je länger man bereits läuft, desto weniger häufig hat man Magen-Darm-Beschwerden beim Laufen. Wenn also Entspannung nicht hilft... sollte man geduldig sein.
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Autor: Alex Hutchinson 09.06.2017
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