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Leserreporter "Alter Jogger" - Ein Gedicht für Läufer

Unser Leser Günther Behrens aus Taunusstein verfasste das Gedicht "Alter Jogger". An einigen Stellen wird sich wohl jeder Läufer wiedererkennen können.

Gedicht +

"Alter Jogger" - Ein Gedicht für Läufer.

THEMEN

Dauerlauf

Der alte Jogger

Nach Schlaf und Ende einer Nacht,
Ganz früh am Morgen, so um halb acht,
Da steigt er müde aus dem Bett.
Die Gelenke er zunächst mal reckt,
Dann steht er schließlich senkrecht da,
Versucht zu erinnern, welch Traum es war,
Der nächtens ihn belustigt hat
Und schlurft dann langsam, steif ins Bad.

Sitzt auf der Schüssel, wie’s ihn gelehrt
Und dort entspannt die Blase leert.
Als dann er in den Spiegel schaut
Und sich rasiert die borst’ge Haut.
Ein Blick aufs Thermometer zeigt,
Zu welchem Outfit er heute neigt.
Sodann schaut er zum Fenster raus,
Es regnet! So geht es mit seiner Jacke raus.

Aber erst einmal, das ist per se,
Gibt es zwei Tassen vom Kaffee,
den er schon abends vorbereitet
und die Maschine hat gezeitet.
Jetzt noch die Zeitung aus dem Postkasten,
Denn ohn‘ die Lektüre müsste er fasten.
Weil während des Laufes wird oftmals gefragt,
Hast du gesehen, der Magistrat hat getagt,
Die Leserbriefe war’n auch wieder top!
Und der Sportverein hatte wieder seinen Flop.

Nun aber muss er endlich los
Und findet es auch ganz famos,
Dass er’s Auto heut’ nicht kratzen muss,
Denn mit dem Winter ist grad Schluss.
Er nimmt das Auto, um zu fahren,
So macht er’s schon seit vielen Jahren,
Zum Treffpunkt seiner Läufergruppe,
Die heißt ganz einfach: Re&Ha-Truppe.

Dazu sei hier einmal geklärt:
Der Name, der hat sich wirklich bewährt
Und hat schon für viel Heiterkeit gesorgt,
Wenn mancher Veranstalter schien besorgt:
Denn mitnichten handelt es sich um eine Gesundheitsgruppe!
Nein! Rentner und Hausfrauen machen die Truppe!

Zum Laufen zum Start, das wär’ zu weit,
Es kostet Kraft und auch noch Zeit,
Und Kraft, die braucht er ganz gewiss,
Auf dem Laufkurs, der ziemlich bergig ist.
Man darf dabei nicht ganz vergessen:
Ein Jogger ist geradezu versessen
Zu laufen! Und das vom Startpunkt an!
Dorthin zu kommen, ist’s Auto dran!

Nach und nach, mit Pünktlichkeit
Kommt die Gruppe, macht sich bereit,
Bald loszulaufen. Man trippelt hier, bespricht sich da,
Diskutiert, wie der letzte Wettkampf war,
Moniert die Outfits, die einfach zu bunt,
So gibt’s einen hochmodernen Laufmodenbefund!
Es geht nicht an, dass man falsche Farben mischt,
Die Mädels der Truppe verstehen das nicht!

Man wartet, bis der Trupp zusammengerät,
Manch einer, na ja, der ist auch mal zu spät,
Was kommentiert wird mit bösem Blick.
Oder, man lässt ihn ganz einfach zurück.
Man müsste dann hecheln hinterher
Und wirklich, das ist besonders schwer.
Eines ist und nicht vergessen werden darf:
Um neun geht es los! Das pünktlich, scharf!

Jetzt laufen sie los, mit frischem Mut,
Man fühlt sich wohl, die Luft tut gut.
Und er glaubt, er könnte geradezu
Am heutigen Tag geben keine Ruh’.
So läuft er befreit, fast schon euphorisch
Vorne weg, gibt sich agitatorisch.
Das, weil er in seinem Inneren meint,
Ich bin gut drauf! Die Kraft ist vereint,
Heute zu laufen viele Kilometer weit.
Ich schlag den Schweinehund heute breit!

Der Regen, der fällt, macht ihn nicht fies
Trägt er doch eine Jacke mit Gore-Tex-Flies,
Das hält ihn trocken, allerdings mit Defizit:
Weil das Wasser, das abperlt, läuft ihm in den Schritt.
Dort angekommen ist es nicht mehr schön,
Doch weiter zu denken, das wäre obszön!

Es wird geschwatzt, über dies und das,
Über Sport und Laufen ohn’ Unterlass
Über Politik und Wirtschaft – wie man’s besser könnt,
Während man munter durch die Gegend rennt.
Die Steuern, die sind auch immer Thema,
Man zahlt zuviel ist meistens das Schema.
Und über Beamte und deren hohe Pensionen
Wird auch geunkt ohne ihn zu verschonen!
Über Familie, manchmal auch eigene Probleme,
Nicht dass man sich da müsste schäme.
Die Laufklamotten sind auch mal dran.
Ist’s Baumwolle oder Funktion, was hat man an,
Sind die neuen Schuhe laufgerecht,
Die vom Hauptausrüster sind gar nicht schlecht!

Dann ist die erste Steigung da!
So schnell schon? Er nahm es gar nicht wahr.
Mutig läuft er den Berg hinan
Und sieht sich rasch ganz hinten dran.
Der Puls geht schneller, was ist denn nur?
Sind’s doch erst zwei Kilometer auf der GPS-Uhr.
Jetzt wird es besser, die Strecke wird eben,
Der Puls wird langsamer, damit kann er leben
Und läuft heran, an die Läufergruppe,
Die langsam lief, er ist ihnen nicht schnuppe.
Sie laufen jetzt befreit und mäßig dahin,
Weil zu schnell zu laufen, das macht keinen Sinn.

Sie sind, wie auch er, nicht mehr ganz jung,
Es genügt aber noch zu laufen, das mit Schwung.
Wobei er älterwerdend hin und wieder merkt,
Dass mancher Mitläufer scheint gestärkt
Und laufen kann, wie kaum mal zuvor.
Wie er‘s auch konnte, doch Jahre bevor.
Natürlich, nicht zu vergleichen mit früheren Jahren,
Als sie fast auf jedem Wettkampf waren
Und sich maßen an anderen Läufern und Strecken,
Man war mit vorne dran, ließ vom Ehrgeiz sich wecken.
Versuchte sich sogar an den ganz langen Riemen,
Mit Marathons, Bergläufen sich ins Läuferhigh zu beamen.
Das jedoch ist lange vorbei
Und heute nur noch Fantasterei.

Es geht nun bergab und er läuft wie ein Has’,
Jetzt sagen die Beine, da war doch was?
Es melden sich Waden und die Femoris:
Wir brauchen mehr Sauerstoff, also was ist?
Der Atem wird schneller, er öffnet den Mund,
Saugt die Luft ein, sie pfeift durch den Schlund,
Schweiß tritt heraus, läuft ihm durchs Gesicht
Und die Hände werden immer noch wärmer nicht.

Nun die nächste Steigung, eine ziemlich lange.
Davor war ihm schon vor Jahren stets bange.
Es geht nun hinauf, durch die Flur in den Wald
Und oben angekommen fühlt er sich uralt,
Doch hat er gewonnen gegen den Schweinehund.
3:0 steht’s für ihn und das ist der Grund
Weiterzulaufen auf jetzt fast ebener Strecke,
Auf der er die Endorphine doch wieder wecke.
Sie sind jetzt schon bei Kilometer sechs!
Er läuft frei auf, aber wie ein Reflex
Meldet sich wieder die Beinmuskulatur
Und meinen diese Geschwindigkeit sei wider Natur!
Also saugt er noch schneller die Luft in sich hinein,
Der Rachen rasselt, die Lungen schrei’n,
Der Puls geht hoch in unschöne Höhen,
Wird er denn je noch die Ziellinie sehen?
Und reden – das kann er schon lange nicht mehr!
Nur Luft in den Lungen ist jetzt sein Begehr.

Schon wieder meldet sich da die innere Stimme:
Hast du denn wirklich beisammen noch all deine Sinne?
Fall doch in Gehschritt, musst dich nicht quälen!
Doch was soll er dann dem Gewissen erzählen?
Also läuft er weiter, hat wieder gewonnen!
Und kann sich im Sieg gegen den Schweinehund sonnen.
Es steht 4:0, das macht ihn ganz froh
Und den Rest wird er auch schaffen, so oder so.
Aber, es ist noch weit bis zur Ziellinie hin
Und jetzt einfach zu gehen macht gar keinen Sinn.
Sie sind zwar schon bei Kilometer acht
Aber er war zu schnell, ganz unbedacht.

Die Körner im Körper, die gehen zu Neige,
Doch jetzt eine Gehpause, das wäre doch feige.
Nun brennen die Beine, der Atem pfeift
Und langsam ihn ihm ein Gedanke reift:
Warum mach’ ich das nur, wo ist da der Sinn?
Gibt es denn wirklich für mich einen Gewinn?
Ist es wirklich gesund, macht es mich fitter?
Aber, würd’ er nicht laufen, das wär’ für ihn bitter.
Es würde stören seinen eigen Selbstwert,
Also machen die Gedanken rasch wieder kehrt
Und wenden sich zum positiven Denken hin,
Es läuft doch gut, es macht doch Sinn!

Jedoch der Schweinehund weiter bohrt.
Er findet im Kopf fast einen eigenen Hort.
Es ist die Laufgruppe, die ihn bei Stange hält,
Er läuft nun als sei er nicht von dieser Welt.
Es steht nun 5:0 gegen das innere Schwein.
Ach, lass doch gleich hier die Ziellinie sein!

Er nimmt zusammen all seine Kraft,
Ist sich nicht sicher, ob er es noch schafft.
So läuft er nun weiter, den Blick starr geradeaus,
Der Körper jammert, im Kopf ist Gebraus,
Der Schweiß läuft ihm runter an seiner Gestalt,
Aber die Hände sind dabei immer noch kalt.

Er quält sich dahin und find’s nicht mehr schön,
Aber nun sind sie schon bei Kilometer zehn.
Jetzt geht’s bergab, über zwei Kilometer,
Er läuft wieder rund, was war das Gezeter?
Von wegen du fällst in die Gehpause rein?
Was fällt dem inneren Schweinhund bloß ein?
Er läuft wie früher, in seines Lebens Märzen
Und, obwohl ihm doch die Beine schmerzen,
Der Atem zischt, wie bei der Eisenbahn,
Ist er plötzlich wieder ganz vorne dran.

Jedoch, auch das, das hält nur wenige Meter,
Denn wieder meldet sich der Körper mit Gezeter.
Der Schweinehund fragt nicht ohne Grund:
Bist du des Teufels und im Geist nicht gesund?
Die Beine jammern zum Erbarmen,
Jetzt zwickt’s auch schon in beiden Armen.
Die Wadenmuskeln drohen mit Kampf:
Wenn du nicht aufhörst machen wir Krampf!
Und ganz tief unten hinterm Gluteus Maximus,
Schreit Piriformis auf: Jetzt mach endlich Schluss!

Ach, war er gerade dem Glücksgefühl nahe,
Zu laufen wie einst der früheren Jahre,
Fällt er nun in seinen Schleppschritt hinein,
Jetzt steht’s 5:1 mit dem inneren Schwein.
So fällt er wieder hinter die Anderen zurück,
Vorbei ist es mit seinem Läuferglück.
Aber jetzt sind es nur noch wenige Hektometer,
Er wird sie schaffen, die letzten Laufmeter.

Und schon kommt die virtuelle Ziellinie, die Autos in Sicht,
Man wird noch mal schneller, man glaubt es nicht!
Es wird noch gespurtet, die Gerade hinunter,
Auch er macht noch einmal die Muskulatur munter.
Dann, endlich sind die Autos erreicht!
Der Atem keuchend der Lunge entweicht
Der Puls, der rast in ungeahnten Höhen
Er kann auch kaum noch etwas sehen,
Die Augen flimmern, er wankt dahin,
Speichel sabbert ihm übers Kinn,
Die Beine zittern und deren Kraft entweicht,
Während er langsam hin und her schleicht.

Und ist doch so froh, dass er war fleißig,
Das in der Schnittzeit von sechsfünfunddreißig!
Die GPS-Uhr zeigt den Kilometerstand an,
Es sind 12 Kilometer! Das kommt doch gut an.
Im Übrigen, und das hat doch viel Charme,
Die Hände, die sind nun auch endlich warm!

Nun wird der heutige Lauf besprochen,
Oh – war’n wir gut! Wir haben’s gerochen.
Schon als man am Start sagte, langsam zu laufen,
Da war er nah dran, die Haare zu raufen,
Denn immer dann, wenn von langsam die Rede,
Na dann geht es los! Du alter Schwede!
Dann wird keine Rücksicht genommen!
Weil: man hat sich doch fest vorgenommen:
Es geht heute beim Laufen langsam zu
Wir laufen heut mal in ganzer Ruh!
Lassen uns Zeit, der Puls bleibt unten!
Wer hat denn nur das Versprechen gefunden?

Jetzt schlurft er hinüber an einen Zaun,
Denn wirklich, man kann den Muskeln nicht trau’n!
So dehnt er Sehnen und Muskulatur bevor sie kalt,
Das kann er nur machen bei ausreichendem Halt.
Der Atem wird langsam, er kann wieder seh’n
Und findet auf einmal: Der Lauf war doch schön!
Findet auch die Gruppe, da gibt’s kein Vertun,
Wir werden es in zwei Tagen auch wieder tun!

Auch er freut sich auf den nächsten Lauf,
Es ging doch ganz gut, war ganz gut drauf.
Und der Kampf mit dem Körper, den Muskeln, dem inneren Schwein?
Das gehört dazu! Das muss einfach so sein!

Nun breitet er im Auto das Handtuch aus,
Zu schützen die Polster, es hält den Schweiß raus,
Und fährt dann zufrieden nach Hause zurück,
Den Kopf voller Flausen vom Läuferglück.
Denn er hat es wieder einmal gut geschafft,
Glaubt fest, der Erfolg hält an und das dauerhaft
Und meint, er könne bald wieder mal versuchen,
Mit dieser Kondition noch einmal buchen
Und an einem Wettkampf teilzunehmen.
Aber, der nächste Lauf wird ihn wohl zähmen!

Zuhause als Erstes den Lauf dokumentiert,
In Excel und Google, das wird gleich aktiviert.
Dort hat er die Läufe vergangener Jahr‘
Archiviert und immer und ständig darstellbar.
Dann unter die Dusche, das größte Vergnügen,
Wenn das nicht wär’ , er würd’ sich betrügen,
Denn das ist des Laufes schönstes Erlebnis!
Die Laufzeit? Na ja, was zählt schon’s Ergebnis!

Papous April 2015
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Autor: Günther Behrens 04.09.2015
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