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Speed Mountain Running Andreas Steindl überquert fünf Viertausender

Der Schweizer Andreas Steindl überquerte auf einer 30,66 km langen Strecke 4.015 Höhenmeter in nur 7:45:44 Stunden. Die Wege führten über unwegsames Gelände, Gletscher und Felsgrate.

Mountain Running Andreas Steindl +
Foto: Michael Portmann

Der Schweizer Alpinist Andreas schaffte es in nur 7:45:44 Stunden fünf Viertausender und 4.015 Höhenmeter zu überwinden.

Am Abend vor der Überquerung ist Andy Steindl nervös. Seine Beine fühlten sich beim letzten Lauf etwas schwer an. Doch als er nachts um 2:55 Uhr vor seine Haustür tritt, ist er zuversichtlich. Er trägt Kopfhörer und hört „Run Boy Run“ von Woodkid. Bekleidet mit einer ¾-langen Tight, einem langärmeligen Shirt und Trailrunningschuhen geht es im Schein der Stirnlampe zum Zermatter Kirchplatz. In seinem kleinen Rucksack führt er nur das Nötigste mit sich: eine leichte Jacke, ein Stirnband, Handschuhe, Sonnenbrille, Steigeisen, einen leichten Pickel, drei Kohlenhydrat-Riegel, drei hochkonzentrierte Gels und einen Camelback mit isotonischem Getränk. Es soll heiß werden.

Steindl, der als Kind eines Bergführers und einer begeisterten Hobby-Bergsteigerin in Zermatt umgeben von 38 Viertausendern aufwuchs, bestieg im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal das Matterhorn. Heute, 12 Jahre später, ist er selbst Bergführer und stand schon über 80 Mal auf dem Gipfel des Schweizer Wahrzeichens. Er hält sogar den Rekord für die schnellste Besteigung desselben von Zermatt aus (2:57 h). Für den leidenschaftlichen Bergsportler ist ein Aufstieg aufs Matterhorn eine Trainingseinheit. Die Berge sind sein ganz persönlicher Sportplatz, im Sommer wie im Winter. 2013 gewann er mit der Schweizer Skitouren-Mannschaft den WM-Titel. Steindl will schnell auf die Berge rauf und mit viel Geschwindigkeit wieder runter, um den nächsten Gipfel zu erklimmen.

So erklärt sich auch, wie der 26jährige auf die Idee kam, fünf Viertausender an einem einzigen Tag zu überqueren. „Eigentlich bin ich auf dieses Projekt gekommen, weil ich das Täschhorn und den Dom immer von zu Hause aus sehe, diese schönen Pyramiden, die in der Abendsonne leuchten“, erzählt Andy Steindl. „Und da wollte ich gerne rauf. Doch der Abstieg vom Dom hat es in sich. Ich wollte einen sicheren Weg finden, weil ich alleine unterwegs bin. Daher habe ich die Route über die fünf Gipfel Alphubel (4.206m), Täschhorn (4.491m), Dom (4.545m), Lenzspitze (4.294m) und Nadelhorn (4.327m) gewählt.“

Im Sommer 2013 lief der Zermatter die spektakuläre Tour zum ersten Mal und brauchte dafür sagenhafte 9:03 Stunden. Seitdem wartete Steindl auf die Gelegenheit, die 5-Peaks-Tour zu wiederholen und seine Zeit von damals zu unterbieten. „Bei diesem Projekt müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit man es realisieren kann“, so Steindl. „Die Verhältnisse am Berg müssen stimmen, das heißt die ausgesetzten Felsgrate dürfen nicht von Schnee bedeckt sein, der Firn wiederum muss gefroren sein, weswegen ich auch nachts starte, das Wetter muss passen und ich muss körperlich und psychisch in Topform sein.“

Es dauerte zwei Jahre, bis der perfekte Tag eintraf. Diesmal durfte ein Kamerateam dem Schweizer per Helikopter folgen. „Ich mache dieses Projekt natürlich in erster Linie für mich selbst“, so Steindl, „aber ich hoffe, dass ich die Leute zu Hause mit den Aufnahmen von meinen Bergen begeistern und inspirieren kann und sie animiere, selbst in die Berge zu gehen.“


Mountain Running Andreas Steindl +
Foto: Michael Portmann

Die Wege führten über unwegsames Gelände, Gletscher und ausgesetzte Felsgrate.

Der große Tag

Am 7. August 2015 ist es soweit. Die Kirchturmuhr zeigt 3:15 Uhr. Andy Steindl startet seinen Zeitmesser und rennt los in die Dunkelheit. Die ersten anderthalb Stunden führen auf Wanderwegen durch den Wald zur Täschalp und weiter zu Täschhütte, wo die meisten Bergsteiger ihre Tour auf den Alphubel oder das Täschhorn starten. Als Steindl den Gletscher am Alphubeljoch erreicht, geht die Sonne auf. Mit Steigeisen geht es weiter übers Eis. Auf dem Gipfel des Alphubels, seinem ersten Messpunkt, liegt er 22 Minuten vor der Zeit, auf dem Gipfel des Täschhorns sind es bereits 41 Minuten. Die Kameracrew hat Mühe ihm zu folgen und den winzigen Menschen in der monumentalen Felslandschaft zu finden.

Vor der Überschreitung vom Täschhorn zum Dom hat Steindl am meisten Respekt. „Der Fels auf dem Grat ist extrem brüchig, dort ist das Risiko am größten und dort muss ich mich am meisten konzentrieren“, sagt er. Trotzdem schafft er die Überquerung in 1:05 Stunden. Es folgt der Abstieg über den Gletscher ins Lenzjoch, wobei das Wort ‚Abstieg’ nicht so recht zum Lauftempo des 26jährigen passen will. „Downhill run“, vorbei an mehreren Seilschaften, die ihm verwundert nachschauen, trifft es wohl besser. Nach 6:07 Stunden steht Andy Steindl auf dem vierten Viertausender, nach 6:37 Stunden hat er den fünften Gipfel erreicht. Vom Nadelhorn benötigt er nur 1:09 Stunden bis zum Kirchplatz nach Saas Fee. Als er erschöpft auf die Kirchentreppe sinkt und die Uhr stoppt, zeigt sie 7:45:44 an. Steindl ist überglücklich.

„Die Idee war schon, dass ich schneller bin als vor zwei Jahren. Ich hatte erst das Gefühl nicht so fit zu sein wie damals und wollte einfach nur das Beste daraus machen, aber mit dieser Zeit hätte ich nie gerechnet. Zwischendurch habe ich gedacht, meine Uhr spinnt. Es war ein Wahnsinnstag für mich, ich bin müde aber zufrieden und glücklich. Was will man mehr als so einen tollen Tag in den Bergen zu erleben, der dann auch noch für immer festgehalten wird.“
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21.08.2015
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