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Leserreporter Mathias Zahner Das Powergel-Problem beim Zermatt Ultra-Marathon

Leserreporter Mathias Zahner lief den Zermatt Ultra-Marathon und hatte dort mit einem ganz besonderen Problem zu kämpfen.

Zermatt Ultra-Marathon +
Foto: Markus Kaufmann

Leserreporter Mathias Zahner hat trotz des schweren Rennens noch Kraft zum Winken.

Ich bin nun seit beinahe 25 Jahren lebertransplantiert und lief im vergangen Jahr zusammen mit unserer jüngeren Tochter Carole mit unseren Shirts: „Leben schenken – Organe spenden“ als Dankbarkeitslauf den Jungfrau Marathon. Inspiriert von diesem einmaligen Erlebnis einerseits, andererseits aufgrund von Empfehlungen guter Lauffreunde, habe ich dieses Jahr spontan den Zermatt Ultra-Marathon angepackt.

Ich bin ein intuitiver, leidenschaftlicher Langstreckenläufer und verpflege mich bei meinem Marathons gewöhnlich nur mit Bananen, trinke viel Wasser und gegen Ende meistens noch etwas Cola.

Nun, bei diesem Lauf hatte ich das erste Mal in meinem dank der Organspende geschenkten zweiten 25-jährigen Läuferleben zwischendurch einige kleinere Tiefs zu überwinden. Gänzlich ungewohnt fragte mich meine innere Stimme zu meiner Überraschung plötzlich: „Zahni, warum tust du dir das eigentlich an?“

Um diese kleine mentale Zwischen-Schwäche zu überwinden, griff ich vor Zermatt das erste Mal bei einem Lauf - sozusagen rein sicherheitshalber, um für alle Fälle gewappnet zu sein - zu einem Powergel. Diesen trug ich lange in meiner Hand. Da ich durch Zermatt den zahlreichen Zuschauern zuwinken wollte, stopfte ich ihn in meine Hose, wo er jedoch langsam hinunterrutsche. Um dies zu verhindern, drückte ich das Geltübchen in der Mitte fest zusammen und fixierte dieses so rutschsicher an der dünnsten Stelle am Bund-Gummi meiner Hose. Mit dieser, psychologisch gesehen für mich wichtigen, bei einem plötzlichen Einbruch für alle Fälle gewappneten Präventionsmassnahme, lief ich nun wieder locker, gemütlich und völlig unbeschwert in guter Stimmung weiter.
Zermatt Ultra-Marathon +
Foto: Markus Kaufmann

Das Ziel liegt auf dem Gornergrat auf 3.100 Metern Höhe.

Ein unangenehmes Gefühl

Doch plötzlich machte sich in meiner Hose ein sehr unangenehmes Gefühl bemerkbar. Mein Gott, was ist denn da passiert? Bin ich nun mit meinen beinahe 64 Jahren schon so weit, dass ich, ohne es zu bemerken, in die Hose mache? Das kann ja nicht sein!

Ein Griff nach hinten brachte mir diesbezüglich Gewissheit, denn meine Hand blieb nun beinahe an der Hose kleben. Nein, das darf doch nicht wahr sein, mein gut behüteter „Eventual-Gel“ war ausgelaufen und der hintere Teil meiner Hose glich einer Teflonpfanne, in der soeben zuckersüßer türkischer Honig hergestellt wurde. Nun, es blieb mir nichts anderes übrig, als mich für die restlichen gut 25 km mit dieser klebrigen Masse in meiner Hose möglichst versöhnlich zu arrangieren.

Als ich dann endlich den Gornergrat auf 3.100 M.ü.M. erreichte, beim letzten steilen Aufstieg von einem jungen, hübschen Girl abgeholt, das mir dann am Ziel die Medaille und die Wärmefolie umhängte, war natürlich alles wieder vergessen.

Endlich auf der Toilette angekommen, als ich mit klammen Fingern mich meiner Hose zu entledigen versuchte, wurde ich jäh von meiner äußerst klebrigen Vergangenheit eingeholt. Es war eine akrobatisch-logistische, beinahe schon chirurgische Höchstleistung, die Hose und die Folie mit diesem „Power-Gel Sekundenkleber“ herunter zu kriegen.
Zermatt Ultra-Marathon +
Foto: Markus Kaufmann

Der stolze Finisher Mathias Zahner (rechts).

Der nächste Schock

Nach dieser vollbrachten Glanzleistung ging ich sofort in die Gornergratbahn, wo ein Belgier, der mit mir zusammen das letzte Teilstück lief, zurief, ich solle mich doch neben ihn setzen. So plauderten wir zusammen bis zur Riffelalp, wo unser Kleiderdepot auf uns wartete. Und nun ein weiterer Schock: Als ich austeigen wollte, blieb ich buchstäblich auf dem Sitz kleben! Nach großer Anstrengung ist es mir dann gelungen, mich von diesem zu befreien, doch die goldene Wärmefolie klebte weiterhin zerknittert an meinem Hinten.

Ich kämpfte mich dann anschließend stehend in der überfüllten Bahn nach Zermatt durch, nichts sehnlicher vor meinen Augen, als mich unter einer warmen Dusche endlich meiner „klebrigen Teflonpfanne“ zu entledigen, wohl wissend dass das neuerliche Entfernen meiner Hose vermutlich nicht gänzlich schmerzfrei sein würde, was sich dann auch prompt bestätigte.

Noch nie habe ich eine Dusche so genossen, und anschließend bei einem kühlen Bier an der Hotel-Bar, plagten mich plötzlich Gewissenbisse und erste Schuldgefühle kamen in mir auf. Denn es könnte ja sein, dass am kommenden Sonntag Morgen in der Gornergratbahn plötzlich eine der vielen netten Asiatinnen, welche mir immer wieder auf dem letzten Teilstück zum Gornergrat mit ihren dicken Handschuhen so liebevoll zuwinkten, nichts ahnend und ungewollt beim Ausstei-gen eine ganze Sitzbank als Souvenir mitnehmen könnte.

Die Moral der Geschichte: Powergel - selbst in der Hose - bringt noch Energie! Kein Ultra-Marathon, erst das anschließende Entledigen der Hose zwingt mich in die Knie!
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Autor: Mathias Zahner 26.07.2016

Hier finden Sie weitere Informationen zum Zermatt-Marathon St. Niklaus 2017.

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