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Laufen auf Sansibar Das Problem mit der Kleidung

Als Michael Parzefall seine morgendliche Runde drehte, wurde ihm seine gewohnte Laufbekleidung zum Verhängnis.

Leserreporter Michael Parzefall ganz nass +
Foto: Michael Parzefall

Michael Parzefall wurde bei seiner Laufrunde klatschnass.

Die nächste Erkenntnis nach diesem Lauf war auch, dass ich mich beim Packen besser hätte durchsetzen sollen. Denn ich durfte nur folgende Gegenstände einpacken (für zehn Tage): zwei Paar Laufschuhe, zwei Lauf-Shirts, zwei Paar Shorts, zwei Paar Laufsocken. Mehr durfte nicht mit. Dazu noch 15 Ausgaben der RUNNER'S WORLD, die mir mein Trauzeuge zum Geburtstag im Mai geschenkt hat. Gleichzeitig bekam ich ein Abo von meiner Frau geschenkt. Naja, so musste ich nun meine Klamotten immer brav aufhängen und nachmittags im Waschbecken mit Seife reinigen.

Es geht noch nasser

Hatte ich nicht sowas Ähnliches geschrieben, dass ich nach dem ersten Lauf so nass wie noch nie war? Es ging jedoch noch nasser. Nachdem ich beim zweiten Lauf ein Paar gesehen hatte, dass an der Security vorbei aus der Ferienanlage gejoggt ist, hatte ich mir auch vorgenommen, die Umgebung zu erkunden. Ich fragte also den Sicherheitsmann am Eingang, ob ich raus dürfte und mit einem „Hakuna Matata“, was tatsächlich kein Problem auf Suaheli bedeutet, öffnete er mir mit einem Grinsen im Gesicht und gut gelaunt die handbetriebene Schranke. Und das wieder um 7.30 Uhr. Aber vielleicht war ich eine willkommene Ablenkung. Bis auf ein paar Anlieferungen dürfte nicht so viel um diese Uhrzeit bei ihm los sein. Draußen hatte ich gleich einen beißenden Geruch in der Nase und nach 200 Metern war klar, dass es sich um verbranntes Plastik handelt. Wie zwei Jahre zuvor in der Dominikanischen Republik. Am Ende der Straße kam ich auf eine größere. Ich konnte links oder rechts laufen. Von rechts kamen zwei Kleinbusse und es standen viele Menschen am Straßenrand. Ich bin ein Schisser, also lief ich nach links. Aber auch hier merkte ich bald, dass einiges unterwegs ist. Ok. Nur ich hatte Urlaub, für den Rest der Sansibarer (oder Sansibanesen?) war es ein normaler Mittwoch. Später erfuhr ich, dass die Bewohner Sansibari genannt werden.

Plötzlich war ich der respektlose Ausländer

Ich kam an ein kleines ärmliches Dorf, bei dem anscheinend demnächst der Schulbeginn anstand. Nach ca. 500 Metern im Dorf fragte ich mich, warum es immer weniger Jambos, Morning oder zu meinem Erstaunen Servusse zu hören gab. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Unser belgischer Reiseleiter meinte am ersten Tag, dass man außerhalb der Hotelanlage die Knie bedecken sollte, da 95 Prozent der Bevölkerung Muslime sind. Mir wurde schmerzhaft klar: niemand betrachtete meinen ach so tollen Laufstil oder mein Tempo. Ich war der respektlose Ausländer. Ja richtig. So fühlte ich mich und das war ich anscheinend auch. Ich machte kehrt und merkte wie die Blicke von 100 Leuten an mir und auch an meinen Knien klebten. Schnell raus hier. Sagen würde keiner was. Nicht mal die sonst so frechen und aufdringlichen Verkäufer vom Strand, die dir eigentlich gefälschte Zansibar-Trikots mit zwei Streifen am Ärmel als Original für 50 Euro verkaufen wollen. Ich laufe also zurück Richtung Hotelanlage. Übrigens nach zwei Minuten begann es für sieben, acht Minuten zu gießen. Ich wurde immer schneller und machte einen verhältnismäßig normalen Lauf, so 12 Kilometer in der Stunde. Außerhalb der Ortschaft begannen die Leute mich teilweise wieder zu grüßen. Ein Kind, dass auf dem Rücken seiner Mutter getragen wurde, schrie mir „Jambo“ zu, was die ernst aussehende Mutter dazu veranlasste, sich kaputt zu lachen. Wahrscheinlich war das eine tolle kleine Geschichte in dem Dorf, das ich gerade verlassen hatte.

Wie von Hyänen verjagt

Ich folgte dem Straßenverlauf, vorbei an den Feldern. Wer weiß, was da angebaut wird. Sah aus wie bei König der Löwen als die Hyänen Simba in die Ferne vertrieben. Ich passierte eine kleine Polizeiwache. Die Straßen hatten einen besseren Zustand als mancherorts daheim, sicherlich kämpfen sie auf der Ferieninsel aber auch weniger mit Eis und Bodenfrost. Nach 39 Minuten war ich so nass wie selten, selbst die Schuhe und Socken klebten an mir. War das ein Regen. Allerdings ein angenehm warmer, der mich antrieb. Kaum hatte ich diesen Gedanken vollzogen schüttete es ab der 42. Minute erneut aus allen Rohren. In der Anlage drehte ich meine gewohnte Runde, vorbei an den Wohnblocks bis runter zum Strand, einen Steg entlang und ca. 50 Treppenstufen zurück nach oben. Rechts kommt nach ca. 10 Metern mein Zimmer 303. Nass aber glücklich. Dort angekommen merkte ich erstmals, dass das Laufen hier richtig Spaß machen kann. Außerdem habe ich eine tolle Ehefrau. Bereits an Tag 2 meinte sie, nachdem ich sagte, dass lange Läufe schier unmöglich seien, ob ich zweimal am Tag laufen könnte. Aber ehrlich, es sind die Flitterwochen.
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Autor: Michael Parzefall 27.11.2015

Hier finden Sie weitere Informationen zum Fränkische-Schweiz-Marathon Forchheim 2016.

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