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Speed Trans Alp 2016 Die dritte Etappe ist ein Lauf durch den Jahreszeiten-Kalender

Heute fühlt sich Sonja bei ihrem Klima-Wechsel-dich-Run durch Schnee, Eis, Sonne und milden Temperaturen großartig. Und schon ist die Grenze zu Italien erreicht.

Transalpine-Run 2016 - Sonja +
Foto: privat

Im hochalpinen Gelände kann auch mitten im Sommer tiefer Schnee liegen.

Harte Bedingungen beim Start

Wie soll man so einen aufregenden und vielseitigen Tag bloß in einen kleinen Blog packen?! Ich versuche es einfach mal: Wie erwartet regnet es in der Früh im Stubaital, was uns aber nicht davon abhält, um 7:15 Uhr mit dem Bus bis ans Ende des Tals zu fahren, um dort in unsere Regenjacken gehüllt den ersten Aufstieg zum großen Finale dieser SPEED TRANS ALP in Angriff zu nehmen. Die Ansage heute ist klar: „Es wird ein langer Tag und wir bleiben alle zusammen!“ Daher ist das Tempo von Anfang an sehr gemäßigt und wir stiefeln schweigend im Gänsemarsch über die Dresdner Hütte dem Stubaier Gletscher entgegen. Es wird immer kälter, der Regen geht in Schnee über und bald stapfen wir komplett durch eine weiße und eisige Winterlandschaft. Bissiger Wind treibt uns von hinten den Berg hinauf und ich finde eine super Methode, mich durch diese widrigen Bedingungen zu kämpfen. Eingemummelt und mit gesenktem Blick sehe ich eh immer nur die Füße vom Vordermann und so setze ich stur meinen Fuß immer dorthin, wo der Fuß von Philipp gerade den Boden verlässt. Das klappt super! Schritt um Schritt, einfach weiter. Und so geht es ruckzuck, dass wir auf 3000 Meter ankommen.

Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur ...

Mir geht es hervorragend. Meine Stöcke habe ich Arianna geliehen, weil ihre kaputtgegangen sind und ich sie nicht brauche. Ich fühle mich weder müde, noch hungrig, noch tut mir irgendwas weh. Wir rennen, rutschen, fliegen ein paar Meter die Skipiste wieder hinab, ich erkenne den Funpark aus dem Winter und freu mich wie ein Kind, dass wir hier oben durch die verschneite Landschaft laufen. Dass meine Füße taub von der Kälte sind, stört mich gar nicht.

An der Hildesheimer Hütte machen wir kurz Halt und kehren ein, um einen heißen Tee zu trinken und die Füße zu wärmen. Herrlich! Ich habe mir Nüsse vom Frühstücksbuffet mitgenommen und fange an, mich damit zu verpflegen. So, und dann geht es weiter und aus dem Winter wird Frühling. Der Schnee hört hinter der Hildesheimer Hütte auf, die Luft wird wärmer, das Gestein glitzert silberrot in der Sonne, die sich langsam zeigt und meine Laune steigt noch mehr. Ich komme richtig gut runter, aber wir sind auch nicht wirklich schnell. Dafür bewegen wir uns stetig und ohne Fotopausen oder sonstige Unterbrechungen. Auf der Höhe zwischen 2700 und 3200 geht es nun eine ganze Weile immer wieder rauf und runter und die Landschaft verzaubert mich. „Mutter Natur ist eine wunderbare Architektin“ sage ich zu Christian und lasse mich weiter verzaubern. Hier sind keine Menschen, keine Hütten, nur Gipfel, Himmel, ein paar Wolken, Sonne und unsere zehnköpfige Karawane, die sich malerisch durch diese einmalige Landschaft schlängelt.

Nach der Kälte genieße ich den aufkommenden Frühling

Ich schaue weder auf die Kilometer, noch auf die Höhenmeter, ich genieße einfach nur jeden einzelnen Augenblick. Bald erreichen wir die Grenze zu Italien und ja, ich habe das Gefühl, hier ist es noch ein bisschen lieblicher, wärmer, hübscher… Wir erklimmen nur noch ein, zwei Sättel und dann geht es stetig bergab. Langsam macht sich das Gefühl breit, dass ich es tatsächlich unbeschadet schaffen werde. Nur noch ein langer Downhill und dann bin ich einmal über die Alpen gerannt. Ich lasse es plötzlich laufen, ich fliege über den Trail, springe, tanze, werde schneller und kann kaum fassen, dass ich mich gestern so schwergetan habe?! Irgendwas ist da passiert über Nacht.

Wir machen einen allerletzten Stopp an einer Hütte mit alter Bergbaumine, um noch ein letztes Mal Wasser zu tanken, Fotos zu machen und uns gegenseitig anzugrinsen. Wir sind alle glücklich und sehen auch genauso aus. Noch 700 Höhenmeter trennen uns von dem Taxi, dass uns von der Timmelsjochstrasse nach Meran bringen wird. Noch einmal schlängelt sich der Trail zwar steil nach unten, aber durch so zauberhafte Wiesen mit kleinen Flüsschen und Seen, dass ich völlig vergesse, dass ich Downhills eigentlich nicht so mag. Ich bin verliebt. In jeden einzelnen der heutigen 29 Kilometer inklusive aller 2300 Höhenmeter, die wir alleine im Aufstieg bewältigt haben.

Unsere Gesichter strahlen noch viel mehr, als wir alle am Auto stehen. Reden müssen wir nicht viel auf der kurzen Fahrt nach Meran, aber wir fühlen das Gleiche: Das war atemberaubend und wunderschön, was wir in den letzten Tagen erleben durften. Ich bin völlig entspannt, frei, erholt, glücklich und einfach nur zufrieden. Gar nicht mal stolz, sondern eher dankbar, dass mein Körper solche Abenteuer mitmacht. Danke!
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Autor: Sonja von Opel 21.10.2016
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