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Jungle Marathon Brasilien Ein Abenteuer mit wilden Tieren und bewaffneten Einheimischen

Nicht nur die Strecke des Jungle Marathons hatte es in sich, sondern auch die Streckenbegleitung hielt die Teilnehmer auf Trab.

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Foto: Christoph Harreither

Christoph Harreither versucht im Nachtlager neue Energie zu tanken.

Um 4:00 Uhr früh kletterte ich mit anhaltenden großen Schmerzen aus der Hängematte und zwei Stunden später war ich schon wieder im Wasser. Die nächste Flussüberquerung! Mein Bauch beruhigte sich. Dieser Kelch war nun an mir vorüber gegangen. Shirleys Versprechungen über die Schwierigkeit dieser Etappe hielten. Die Strecke verlangte unseren äußersten Einsatz. Knapp 40 Kilometer ging es über brutale Dschungeltrails auf und ab. Und dazu die unerträgliche Hitze. Es war sehr schwierig.

Wilde Tiere und bewaffnete Einheimische

“There is a high population of Jaguars“, warnte uns Shirley. Zum Glück waren diese Tiere hauptsächlich in der Nacht aktiv. Stundenlang war ich im tiefsten Dschungel allein unterwegs. Als es am späten Nachmittag im Dickicht des Regenwaldes dunkler wurde und es dort und da plötzlich raschelte, machte sich ein unangenehmes Gefühl in mir breit. Ich hatte Angst. Offensichtlich übernachteten wir mitten im Paradies für Krabbeltiere. In der Nacht wurde das Camp von bewaffneten Einheimischen bewacht, da so mancher Jaguar vielleicht neugierig auf die Neuankömmlinge des Waldes war. Der nächtliche Gang auf das WC, das mitten im Busch lag, wurde zum Abenteuer mit unbestimmtem Ausgang.

Welcome to the jungle

Der vierte Tag war der Marathontag. Der Grund warum diese Veranstaltung „Jungle Marathon“ heißt. 42 brutale Kilometer warteten auf uns.

Die Sümpfe lösten die Dschungeltrails ab. Nun war Schwimmen angesagt. Nicht nachdenken, welche Tierchen hier beheimatet waren. Ein Wettkämpfer sichtete eine große Anakonda. Auch Tauchgänge unter die querliegenden Baumstämme waren vorgesehen. Oft waren die tiefer liegenden Baumstämme nicht zu erkennen und ich stieß mit meinen Schienbeinen gegen sie, was furchtbar schmerzte. Trotz all dieser Hindernisse gefiel es mir hier!
Christoph Harreiter Jungle Marathon Start +
Foto: Christoph Harreither

Christoph Harreither überstand den schweren Jungle Marathon in Brasilien.

Zustände wie im Lazarett

Die Hitze war unerträglich, die Außentemperatur zeigte 45 Grad. Aber die sehr netten Einheimischen lenkten von den Strapazen ab. Keiner der Wettkämpfer war zu diesem Zeitpunkt noch schmerzfrei. Einige verließen das Rennen. Jeder hatte furchtbare Blasen an den Füßen. Das Lager, das an einem wunderschönen Strand gelegen war, glich einem Lazarett.

Meine Haut am Fußballen spaltete sich. „Das haben die Soldaten im Ersten Weltkrieg auch gehabt“, meinte der Wettkampfarzt, der 15 Jahre in der britischen Armee gedient hat. Interessant! Werden die Füße halten? Der härteste Teil stand noch bevor: die 110 Kilometer-Etappe! Der „Jaguar-Cut-Off-Point“ war um 15:30 Uhr bei Checkpoint 5. Wenn man später ankam, musste man die Nacht über in der Hängematte bleiben. Der Dschungel war in der Dunkelheit für uns Läufer gesperrt. Da hatten andere das Vorrecht auf die Trails.

Verloren im Dschungel

Die lange Etappe wurde sehr früh gestartet - 4:30 Uhr - before daylight - das heißt um 02:30 Uhr mussten wir aufstehen. Während sich die Spinne wahrscheinlich langsam zur Ruhe legte, ging es für uns so richtig los. Durch den Sand, durch das Wasser und rein in den Dschungel! Die Markierungen waren schlecht. Ich war die meiste Zeit allein unterwegs und verlief mich ständig.

Vom Gehen war hier keine Rede. Ich fiel! Viel weiter unten kam ich an. Aber wo waren die Markierungen? Oh Gott! Ich war am falschen Weg! Das hieß: Alles wieder zurück hinauf! Ich fand zuerst keine Griffe und war gefangen. Mein verzweifelter Schrei war lauter als der der Brüllaffen in der Nacht. Irgendwie kam ich dann hoch, was mich aber viel zu viel Kraft gekostet hatte.Doch irgendwie ging es weiter, sogar ganze 50 Kilometer. Es war die Hölle! Im Stockdunkeln kam ich zum ersehnten Checkpoint 5. Die Wettkämpfer waren zu Zombies mutiert. Viele waren nicht mehr hier.

Der nächste Tag begann mit einem brutalen Dschungeltrail. Dann ging es hinunter zum Strand. Die nächsten Stunden mussten wir den Tapajós entglanglaufen. Die Streckenführung wurde immer sonderbarer, die Schwimmpassagen wurden immer länger. Und wieder hatte ich den Weg verloren. Eine Stunde hat mich das gekostet! Wann hatte das ein Ende? Es ging wieder in die Nacht hinein, aber wenigstens war ich nicht allein. Peter begleitete mich.

Irgendwann war ich dann im Ziel. Das letzte Etappenziel!

Zwei Deutsche, beide Fallschirmspringer bei der deutschen Bundeswehr, die mich untertags überholt haben, waren noch nicht da. Wo waren sie? Auch die Organisation stellte sich dieselbe Frage. Eine Stunde später tauchten sie auf. Auch sie hatten sich verlaufen.
Christoph Harreither erreicht das Ziel beim Jungle Marathon in Brasilien. +
Foto: Christoph Harreither

Christoph Harreither erreicht das Ziel des harten Jungle Marathons in Brasilien.

Ein hartes letztes Stück bis zum Ziel

Nur noch eine Etappe über 24 Kilometer bis ins Ziel. Doch die hatte es noch einmal in sich. Der Start war spät. Erst um 9:30 Uhr ging es los. Die nun schon hochstehende Sonne knallte auf uns herab. Es ging teilweise durch tiefen Sand Richtung Zielort. Einige qualvolle Stunden sollte es noch dauern bis der lang ersehnte Endpunkt erreicht war.

„Der Kern des menschlichen Wesens bildet sich aus neuen Erfahrungen.“ Hier fand ich einige davon.

Christoph Harreither hat seine Erlebnisse fotografisch festgehalten. Viele seiner Bilder vom Jungle Marathon finden Sie in der Bildergalerie über und unter diesem Artikel.
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Autor: Christoph Harreither 20.11.2015
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