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Leserreporter beim Himalayan Stage Run Ein Mann, ein Traum, ein Rennen

Leser-Reporter Helmut Linzbichler lief die 25. Ausgabe des Himalayan Stage Run mit. Dabei erlebte er sehr viele Emotionen und genoss die atemberaubende Gebirgskulisse.

Leserreporter Helmut Linzbichler Start +
Foto: Helmut Linzbichler

Die Teilnehmergruppe am Himalayan Stage Run 2015 am Start zur 1. Etappe in Maneybandjyang, 2.012m (links im Bild Ewald Komar, mein „Begleiter“ und ich).

Es gehört schon eine ziemliche Portion an Mut, Beharrlichkeit und Geschick dazu, das, was C.S. Pandey im Kopf hatte, auch umzusetzen: einen 100-Meilen-Etappenlauf im indischen Himalaya im Norden des Bundesstaates West Bengalen eingezwängt zwischen Nepal, Sikkim, Bhutan, Assam und Bangladesh (allein die geografische Lage dieses Gebietes ist eine Reise wert). Pandey – eigentlich Katholik, aber offen allen anderen Religionen über – brachte alle diese Voraussetzungen in idealer Weise mit. Schon die ihm von den Eltern gegebenen Vornamen Chander (Mond) und Shekhar (Berg) waren irgendwie schicksalhaft, deuten sie doch auch in ihrer Verbindung zu Lord Shiwa, dem „Obergott“ der Hindus.

Der kleine Pandey spaltete bald die Familie. Während sein Vater ihn unbedingt in einem zivilen Beruf sehen wollte, unterstützte ihn seine Mutter nachhaltig in seinem Freiheitsdrang. Schließlich gründete er in Delhi eine Agentur, die er Himalayan Run and Trek (HRT) nannte, die heute weltweit als ökofreundliche Veranstaltungsplattform bei Abenteurern aller Genre bekannt ist.

Eine steigige Etappe

Bei einem Besuch in der Gegend von Darjeeling setzte er sich in den Kopf, diese Region mit einer besonderen Veranstaltung weltweit zu mehr Beachtung zu führen. Mit einer Verbissenheit sondergleichen überwand er alle bürokratischen, politischen und militärischen Hindernisse und 1991 war es so weit – der erste Himalyan Stage Run konnte stattfinden. Eine Handvoll unerschrockener Abenteuerläufer, begleitet von einigen internationalen Journalisten, machte sich auf den im wahrsten Sinn des Wortes steinigen Weg mit Start und Ziel in Maneybhanjyang (2.012 m), einem völlig unbekannten Dörfchen etwa zwei Autostunden von Darjeeling entfernt. Der Kurs führte über eine steile Jeepstraße 38 Kilometer hinauf entlang des Singalila Kammes nach Sandakphu (3.601 m, Ziel der 1. Tagesetappe), von dort wellig nach Molle (3.555 m) und retour (32 km, 2. Etappe), am dritten Tag über Molle hinaus bis Phulet (3.469 m), retour nach Molle und hinunter nach Rimbik (1.935 m, Marathondistanz). Tag 4 ist die kürzeste Distanz (22 km) und führt von Rimbik auf einer Asphaltstrasse in Richtung Maneybhanjyang. Vom Ziel geht es per Bus retour nach Rimbik und am finalen Tag per Bus zur Ziellinie des Vortages. Von dort sind es dann noch 28 Kilometer über Palmajua (2.008 m) zum Zielort Maneybhanjyang.
Leserreporter Helmut Linzbichler Etappe 1 +
Foto: Helmut Linzbichler

Dass Nepal nicht weit sein kann, sieht man an den zahlreichen Gebetsfahnen entlang der Straße. Im Bild eine der vielen gut ausgestatteten Verpflegungsstellen, an denen gegen Unterschrift die Startnummer und Durchgangszeit festgehalten wurden.

Wie gut Pandey dies alles im Vorfeld erkundet und geplant hatte, zeigt sich in der Tatsache, dass bis zum heutigen Tag keinerlei Änderungen am Kurs vorgenommen werden mussten. Mit berechtigtem Stolz teilte er uns zudem mit, dass das gesamte Gebiet inzwischen auf seine Initiative hin zu einem Nationalpark erklärt wurde (Singalila National Park). Zudem gab es in all den Dörfern am Anfang kein einziges Hotel, heute herrscht entlang der Jeepstraße emsige Wandertätigkeit durch Ausländer, aber auch immer mehr Einheimische, ein großer Verdienst von Pandey und seinen Mitstreitern.

Dieser Lauf ist besonders

Stellen Sie sich vor, Sie wandern gemütlich bei angenehmen Temperaturen und herrlichstem Wetter irgendwo bergauf, biegen um eine Ecke und plötzlich ragen vor Ihnen vier der fünf höchsten Berge der Welt zum Greifen nahe auf. Zu Ihrer Rechten der Kangchenzönga (8.596 m, dritthöchster Gipfel der Welt) und links etwas weiter entfernt der Mount Everest (8.850 m, der höchste Punkt der Erde), der Lothse (8.511 m, Rang 4) und der Makalu (8.481 m, Rang 5). Wenn Sie da nicht abrupt stoppen, die Kamera zücken und mit vielleicht sogar zittrigen Händen angesichts dieses atemberaubenden Panoramas Bilder machen, dann wissen Sie nicht, was wahre Schönheit ist. Und diese Landschaft begleitet Sie durchwegs an den ersten drei Tagen. Allein dies sollte genügen, einmal diesen Etappenlauf mitzumachen, sei es als Läufer oder als Walker, man kann es sich im Rahmen des Himalyan Stage Run aussuchen. Ja, man kann sich sogar nur für die 3. Etappe anmelden, den Everest Challenge Marathon, allerdings machen nur wenige Läufer davon Gebrauch. Dieses Jahr war es ein einziger Läufer, ein Japaner, der die Strecke in 7:41 Stunden bewältigte. Es gibt keine Zeitlimits, es wird auf den letzten Läufer/Walker geduldig gewartet, auch wenn dieser erst bei Dunkelheit ins Ziel kommen sollte.

Kein Wettkampf, viel mehr ein Erlebnis

Pandey betont jedes Jahr zu Recht, dass er diese Veranstaltung nicht als Wettkampf sondern als Erlebnis konzipiert hat. Natürlich gibt es am Ende jemanden, der die gesamte Strecke am schnellsten zurücklegte, es gibt auch eine Art Rangliste, aber diese dient in erster Linie dazu, sich selbst einzuordnen, seine Leistung mit der anderer zu vergleichen und daraus Schlüsse zu ziehen. Es gibt keine Altersklassen und das Alter der Teilnehmer reicht von jungen 18 bis zu reifen 75 Jahren – Männer wie Frauen. Und die Finisherrate beträgt jedes Jahr über 95 Prozent, ein Indiz, dass eigentlich jeder, der fit genug ist, einen Marathon ohne Probleme zu beenden, auch hier nicht scheitern wird.
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Autor: Helmut Linzbichler 25.11.2015

Hier finden Sie weitere Informationen zum Himalayan 100 Mile Stage Race V 2015.

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