Top Themen: Firmenlauf | Hindernisläufe | Individuelles Coaching | Laufkalender | Laufen | Lauf eintragen

Transvulcania 2017 Hitzeschlacht auf dem Vulkan

Spektakuläre Trails bot der Transvulcania 2017. Die Weltelite der Trailszene und tausende Läufer aus 60 Nationen liefen mit.

Transvulcania 2017 +
Foto: Alex Díaz

Über den Wolken muss die Freiheit grenzenlos sein ...

Himmelhoch hinaus geht es für die Teilnehmer eines Sky Races, deren Weltcup-Serie gleich beim zweiten Rennen der Saison in Europa Station macht. La Palma, La Isla Bonita, wie sie die Einheimischen nennen, ist die nordwestlichste Insel der Kanaren. Nichts für Strandtouristen, denn Strände gibt es hier kaum. Dafür umso mehr wilde Bergwelt. Ideale Bedingungen um ein Rennen wie den Transvulcania auszutragen, das inzwischen einen ähnlich legendären Ruf genießt wie der Ultratrail du Mont-Blanc (UTMB).

Für die Weltelite der Trailszene ist es das erste große Kräftemessen der Saison. Für tausende Läufer aus 60 Nationen das Highlight des Jahres, für einige sogar die größte Herausforderung ihres bisherigen Läuferlebens. Die Veranstaltung war wieder einmal ausgebucht. Diesjähriges Motto: Aboriginal Race. In Erinnerung an die Ureinwohner der Insel.

Vier Wettkämpfe wurden ausgetragen. Am Donnerstag schickte man die Läufer zum Bergsprint vom schwarzen Strand in Tazacorte hinauf zu den Sendemasten von El Time. Vertikalkilometer heißt diese immer beliebter werdende Disziplin im Rennzirkus der Sky Races. Tausend Höhenmeter auf einer Streckenlänge von sieben Kilometer waren zu meistern.

Spektakulär anzusehen, wie die Läufer sich in Serpentinen an der Bergwand hinaufwinden, bis sie schließlich völlig ausgepowert das Ziel erreichen. Mit 47:22 Minuten war der junge Norweger Stian Angermund-Vik vom Team Salomon am schnellsten hochgestürmt. Zweiter wurde der zweimalige Sieger des Transvulcania Ultramarathons und Weltmeister Luis Alberto Hernando (Team Adidas), der das Rennen als Warm Up für den Marathon zwei Tage später nutzte. Auf eine weitere Titelverteidigung auf der Ultrastrecke hatte er verzichtet. Dritter wurde Vorjahressieger Saul Padua aus Kolumbien (Team Prozis). Bei den Frauen siegte Yuri Yoshizumi aus Japan (Team Dynafit) vor der Italienerin Stephanie Jimenez (Team Salomon) und Zuzana Krchová (Team Czech). Aus deutscher Sicht beachtenswert der 9. Platz von Julia Laub vom ASC Ulm in 1:11:20 Stunden.

Ultrastrecke beim Transvulcania hat auf 74,3 Kilometer 4.350 Höhenmetern im Anstieg

Am Samstag kam es dann zur großen Schlacht auf der Ultrastrecke. Auch wenn auf dem gleichen Kurs noch der Halbmarathon und Marathon ausgetragen wird – es ist vor allem der Ultra, der nahezu jeden Bewohner der Insel irgendwann und irgendwo mal an die 74,3 Kilometer lange Strecke treibt, die mit 4.350 Höhenmetern im Anstieg und 4.057 im Abstieg gespickt ist.

Dass Luis Alberto in diesem Jahr auf die kürzere Strecke umgestiegen war, änderte nichts an der Erlesenheit des Feldes, vor allem bei den Männern. Mit Xavier Thevenard und Ludovic Pommeret waren zwei UTMB-Sieger dabei, dazu Hardrock100-Champion Jason Schlarb sowie Zaid Ait Malek, Nicolas Martin, Pau Capell und Tom Owens, um nur einige Kandidaten für das Podium zu nennen. Hoch gehandelt wurde auch Hayden Hawks, der schnauzbärtige Shooting Star aus den USA. Bei den Frauen gab es mit Vorjahressiegerin Ida Nilsson dagegen eine klare Favoritin, es schien nur um die Frage zu gehen, ob die 35-jährige Schwedin vom Team Salomon Anna Frosts Kursrekord würde brechen können. Neugierig durfte man auf das Abschneiden der Schweizerin Andrea Huser sein, die in den letzten beiden Jahren einige eindrucksvolle Siege heimbringen konnte.

Als die Teilnehmer um 6 Uhr am Leuchtturm von Fuencaliente auf die Strecke geschickt wurden und mit ihren Stirnlampen und roten Positionsleuchten ein Lichtermeer in den dunkeln Berg zauberten, zeigte das Thermometer bereits 20° Celsius an. Es würde also die übliche Hitzeschlacht geben, Sonnenbrände eingeschlossen. Von Beginn an das Bild der vergangenen Jahre. Die Amerikaner gehen in die Offensive. Pokal oder Spital. Auf diesem mitunter halsbrecherischen Kurs eine verwegene Angelegenheit. Aber die Leute an der Strecke lieben das. Die Bewohner des Örtchens Los Canarios sind jedenfalls reichlich früh aufgestanden oder gar nicht erst ins Bett gegangen, um ab etwa 6:45 Uhr die Läufer anzufeuern, die hier den ersten Checkpoint erreichen. 7 Kilometer mit satten +716 Höhenmeter sind da gelaufen.

Aber Transvulcania wäre nicht Transvulcania, wenn das Rennen nicht immer wieder faustdicke Überraschungen parat hätte. Denn vorne fand sich neben Hawks plötzlich ein gewisser Timothy Lee Freriks. Timothy wer? Ein paar Insider aus den USA wussten zu berichten, dass er gelegentlich mit Hawks trainiert. Bedeutende Siege oder Podiumsplätze Fehlanzeige. Es entwickelte sich jetzt ein Rennen, das für viele Favoriten mit einem Mal eine große Unbekannte bereithielt. Würde dieser Freriks das hohe Tempo halten können?
Transvulcania +
Foto: Alex Díaz

Über spektakuläre Trails führte die Laufstrecke.

Man kann den Transvulcania Ultramarathon in zwei große Abschnitte teilen: vor dem Roque de los muchachos und danach. Auf den ersten 51 Kilometern geht es von Meereshöhe auf das 2.420 m hohe Dach der Insel, dem Roque de los muchachos, bevor man auf nur 15 Kilometern entlang überwiegend technisch anspruchsvoller Pfade wieder hinunter auf Meereshöhe gezogen wird. Das letzte Stück führt dann durch ein ausgetrocknetes Flussbett und einen letzten ruppigen Anstieg hinauf zum Zielort Los Llanos.

Hawks wurde das schnelle Angehen zum Verhängnis. Noch vor dem Gipfel brach er ein und musste nicht nur Freriks weiter ziehen lassen, sondern auch viele andere. Am Ende ehrt es ihn aber, das er nicht abbricht sondern mit zweieinviertel Stunden Rückstand auf den Sieger finisht. Das ist der Spirit dieses Rennens. Wenn die Gesundheit aufgrund von Hitze oder Sturz nicht ernsthaft gefährdet ist, fühlt man sich geradezu verpflichtet, das Ding zu Ende zu laufen. Denn die unzähligen Helfer und die vielen Tausend Palmeros an der Strecke geben auch alles.

Überraschungssieg beim Transvulcania

Ludovic Pommeret machte noch mal richtig Druck auf den führenden Freriks, konnte dessen Sieg in 7:02:03 Stunden allerdings nicht verhindern. War dessen anfängliches Mitmischen in der Spitze noch als Überraschung zu bezeichnen, muss seinen Sieg angesichts der versammelten Weltelite eine Sensation nennen. Dritter wurde schließlich Zaid Ait Malek. Für den hoch gehandelten Schotten Tom Owens lief es dagegen überhaupt nicht: „Ich hatte starke Fußschmerzen, da musste ich deutlich rausnehmen.“ Immerhin konnte er schon wieder lachen.

Bei den Frauen pulverisierte Ida Nilsson in beeindruckender Manier nicht nur den Streckenrekord, sondern feierte auch einen beachtlichen 17. Gesamtplatz. Sie kam direkt vor ihrem Salomon-Teamkollegen Tom Owens ins Ziel. Aus der einstigen Bahnläuferin ist im zweiten großen Wettkampfjahr eine der besten Trail-Läuferinnen der Welt geworden. Nilsson siegte mit 28 Minuten Vorsprung vor Anne Lise Rousset und Hillary Allen. Die US-Amerikanerin, die einige Jahre in Spanien gelebt hat, wirkte nach dem Rennen gelöst und glücklich mit ihrem Abschneiden: „Ich war deutlich besser vorbereitet als im Vorjahr, und unterwegs lief es gut. Ich kann nur zufrieden sein. Ein schweres Rennen in großartiger Atmosphäre mit begeisternden Zuschauern.“ Andrea Huser kam als sechste ins Ziel.

Für die deutschen Teilnehmer gab es – anders als im Vorjahr – keine vorderen Platzierungen zu vermelden. Sowohl Stephan Hugenschmidt als auch Florian Reichert waren nicht dabei. Der 34-jährige Michael Arend aus Kempten erlief mit 8:29 Stunden allerdings einen starken 31. Gesamtplatz und verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um fünf Minuten.

Ganz ohne Podiumsplatz mussten die vielen Teilnehmer aus Deutschland am Ende aber nicht heimkehren. Hinter dem erwarteten Sieger Luis Alberto Hernando und Dani Garcia erlief Johannes Klein in 3:55:16 Stunden einen großartigen dritten Rang bim Marathon mit nur neun Minuten Rückstand auf Luis Alberto. Der 26-jährige Oberstorfer startet für das Team Mammut. Ein toller Erfolg.

Die Ergebnisse des Transvulcania 2017 im Überblick:

Ultramarathon (74.3 km), Männer:
1. Timothy Lee FRERIKS (USA) 7:02:03
2. Ludovic POMMERET (FRA) 7:18:15
3. Zaid AIT MALEK (ESP) 7:26:31

Frauen:
1. Ida NILSSON (SWE) 8:04:17
2. Anne Lise ROUSSET (FRA) 8:32:15
3. Hillary ALLEN (USA) 8:38:46

Marathon (45 km), Männer:
1. Luis Alberto HERNANDO (ESP) 3:46:01
2. Daniel GARCÍA (ESP) 3:54:37
3. Johannes KLEIN (GER) 3:55:16

Frauen
1. Eva BERNAT LLORENS (ESP) 4:54:35
2. Gemma ARENAS (ESP) 4:58:21
3. Dominique VAN MECHGELEN (ESP) 5:00:24

Halbmarathon (24.2 km), Männer:
1. Remi BONNET (SUI) 2:19:21
2. Efrén SEGUNDO SUI) 2:19:21
3. Emmanuel LATTION (SUI) 2:21:34

Frauen:
1. Virginia PEREZ (ESP) 2:48:38
2. Gabriela SANCHEZ (ESP) 2:59:55
3. Aoife QUIGLEY (IRL) 3:01:01
Jetzt noch besser laufen: aktuelle Lauftipps, News und Tests >>

Autor: Klaus Dahlbeck 16.05.2017
Lesen Sie auch: Knappe Entscheidung bei Teams in Bewegung
Kostenloser Newsletter
RUNNER'S WORLD ERLEBEN
Mehr zu Laufevents
Knappe Entscheidung bei Teams in Bewegung
25052017 Teams in

Foto: Josef Rüter

842 Läufer starteten bei „Teams in Bewegung“ in Geitau. Während sich Sebastian Hallmann un... ...mehr

Schafberglauf-Triple für Andrea Mayr
Schafberglauf-Triple für Andrea Mayr

Foto: Hoermandinger

Dr. Andrea Mayr holte sich beim 18. Schafberglauf in St. Wolfgang ihren dritten Sieg in Fo... ...mehr

Gelungene Laufpremiere in Oberhausen
VIACTIV-Firmenlauf Oberhausen 2017

Foto: Thomas Koch

Beim 1. VIACTIV Firmenlauf Oberhausen liefen rund 2.200 Aktive mit. Bei bestem Laufwetter ... ...mehr

Sie sind hier: >> >> >>Hitzeschlacht auf dem Vulkan
(©) Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG