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Erfahrungsbericht In Berlin endlich das Ziel erreicht

Unser Mitarbeiter Patrick Brucker lief den Berliner Halbmarathon 2017 und war begeistert. Hier ist sein Bericht vom größten deutschen Rennen über die 21,1-Kilometer-Distanz.

Berliner Halbmarathon 2017 Patrick Brucker +
Foto: Privat

Nachdem die Startunterlagen geholt waren, stieg bei Patrick Brucker (rechts) und seinem Teamkollegen Sören Hetzel die Vorfreude auf den Halbmarathon.

Im Herbst vergangenen Jahres suchte ich ein Frühjahres-Highlight, auf das ich über den Winter hinweg hinarbeiten konnte. Ein Marathon schien aufgrund zu geringer Laufumfänge in den zurückliegenden Jahren, kombiniert mit meiner Verletzungsanfälligkeit, kein Thema zu sein, ein 10-km-Lauf wäre ein zu kleines Ziel – also Halbmarathon. Nur die Frage: wo? Da ich seit mehreren Jahren endlich mal die 1:20-h-Marke unterbieten wollte und mit meinen 20 Jahren noch nie in der eigenen Hauptstadt war, fiel die Entscheidung schnell zugunsten Berlins.

Nachdem die Wochen und Monate der Vorbereitung geschafft waren, startete meine Reise am frühen Morgen des Vortages. Um 3:30 Uhr signalisierte der Wecker den Auftakt eines tollen Wochenendes. Zusammen mit meinem Teamkollegen Sören von den Roadrunners Südbaden ging der Flieger ein paar Stunden später am Samstagmorgen von Stuttgart aus nach Berlin. Die Vorfreude hielt sich komischerweise immer noch etwas in Grenzen, was wohl an dem nervigen Halskratzen lag, das mich die ganze Woche über mehr oder weniger begleitete. Auch eine Standortbestimmung zwei Wochen zuvor fiel krankheitsbedingt ein bisschen in die Hose. Also fragte ich mich lange, ob ich fit genug sei und die aktuelle Form ausreiche.

Dort angekommen machten wir uns gleich auf den Weg Richtung Messe, um die besondere Atmosphäre solch einer großen Laufveranstaltung aufzusaugen und natürlich um unsere Startunterlagen zu holen. Auch die sympathische 42-fache Deutsche Meisterin Sabrina Mockenhaupt ließ sich dort am Stand einer ihrer Ausrüster blicken. Da durfte für mich als leidenschaftlicher Läufer ein kurzes Gespräch natürlich nicht fehlen. Wir wünschten uns viel Erfolg für den Lauf. Die Vorfreude stieg.

Einer unter 34.004 gemeldeten Läufern beim Berliner Halbmarathon 2017

Am Abend merkte ich, dass der Tag doch sehr lang war und fiel mit schweren Beinen ins Bett. 6:45 Uhr – endlich, heute geht’s rund! Ab unter die kalte Dusche zum Wachwerden, danach frühstücken und im Hotelzimmer noch ein bisschen die Beine lockern. Knappe zwei Stunden vor dem Start machte ich mich auf den Weg Richtung S-Bahn am Zoologischen Garten. Von dort aus ging es an den Alexanderplatz, wo immer mehr Läufer von allen Seiten herbeiströmten. Mit über 34.000 gemeldeten Läufern aus 106 Nationen konnte der Veranstalter einen Teilnehmer-Rekord verbuchen. Kein Vergleich natürlich zu den regionalen Läufen bei mir in der Ortenau im Schwarzwald. Die Größe des Berliner Halbmarathons beeindruckte schon, wenn ich auch die Vorzüge familiärer Läufe sehr zu schätzen weiß und mir die Läufermassen auch gerne mal schnell auf die Nerven gehen. Kurze Wege an die Startlinie sucht man hier natürlich vergebens.

Also erstmal der Startgeraden entlang, hinein in das abgesperrte Areal, den Startbeutel in einem der geschätzten 60 LKWs abgeben und von ganz hinten nach ganz vorne vorkämpfen. Zu viel Zeit hatte ich nicht mehr – dachte ich. Aber gute zehn Minuten vor Beginn hatte ich Startblock A schließlich erreicht. Auch meinen RUNNER’S-WORLD-Kollegen Henning, der mit einigen Läufern des Willpower-Teams ebenfalls die 1:20 Stunden knacken wollte, sichtete ich noch. Wir schlossen uns kurz und gingen zusammen auf die Strecke. Gleich würde ich sehen, was die Beine und die Lunge hergaben. Ich hatte Bock auf die nächsten 21,1 Kilometer, aber gleichzeitig auch Respekt. Drei Jahre war ich keinen Halbmarathon mehr gelaufen. Dort unter Magenproblemen mit zwei Gehpausen in 1:22:46 Stunden. Dieses Mal sollte es besser werden.
Berliner Halbmarathon 2017 Patrick Brucker +
Foto: Privat

Mit besten Wünschen und Mocki-Power auf der Startnummer ging es für Patrick Brucker am Sonntag ins Rennen.

10:05 Uhr – der Startschuss fiel. 21 Sekunden später drückte ich auf meine Uhr, ein paar hundert Läufer gingen vor mir auf die Strecke, rund 30.000 sollten mir folgen. Jetzt erstmal nicht stolpern und ins Rennen kommen, aber bloß nicht zu schnell anlaufen. Den ersten Kilometer passierten wir in 3:44 Minuten, den zweiten aufgrund der doch recht vollen Straßen nur in 3:52 Minuten. Aber was soll‘s, nur nicht verrückt machen lassen, dachte ich mir. Die Beine liefen – nicht besonders leicht, nicht besonders schwer, sie liefen einfach. Kurz nach Kilometer drei stand das erste große Strecken-Highlight an: das Brandenburger Tor. Was im Herbst den Läufern erst nach knapp 42 Kilometern vorbehalten wird, durften wir jetzt schon erleben. Gänsehautfeeling gab es dafür keines. Auf der Straße des 17. Juni entzerrte sich das Läuferfeld. Nun musste ich nicht mehr so stark auf die Teilnehmer um mich herum achten und näherte mich Stück für Stück der Siegessäule.

Stimmungsvoller Halbmarathon in der deutschen Hauptstadt

Nach fünf Kilometern zeigte dort die Uhr 18:52 Minuten, fünf Sekunden unter Plan – passt. Die erste Band und zahlreiche Zuschauer heizten uns Läufern ordentlich ein. 200.000 Zuschauer kündete der Veranstalter an. Nachgezählt habe ich nicht. Wie erwartet gab es ruhige Streckenabschnitte und Stimmungsnester. Alles in allem hatte ich es mir monotoner vorgestellt. Dennoch dürfte der Marathon im September atmosphärisch in einer anderen Liga spielen.

Nachdem der Siegessäule der Rücken gekehrt wurde, schlängelte sich die Läuferschar langsam Richtung Schloss Charlottenburg. Ein erstes Mal spürte man einen leicht störenden Wind. Eine kleine Lücke tat sich gleichzeitig nach vorne auf. Also anziehen und heranlaufen oder herausnehmen und leicht zurückfallen lassen? Als Sympathisant des Neuschwander’schen Baller-Prinzips natürlich Ersteres. Die folgenden Kilometer sollten allesamt leicht unter dem geplanten Tempo liegen. Zwar nur jeweils eine Handvoll Sekunden, aber eben immerhin eine Handvoll Sekunden – gar nicht so wenig, wenn man seit drei Jahren keinen Halbmarathon mehr gelaufen ist und nicht wirklich weiß, wo man steht. Folglich passierte ich die 10-km-Marke in 37:35 Minuten 19 Sekunden unter Plan.

Auf dem Kudamm die Beine laufen gelassen

Aufgrund der angenehmen Lauf-Temperaturen im niedrigen zweistelligen Bereich, die sich aber mit der vereinzelt herauskommenden Sonne doch recht warm anfühlten, kühlte ich mich bei jeder Erfrischungs-Station ab. So auch nach rund der Hälfte der Distanz. Das nasse Trikot lag mir wortwörtlich schwer auf dem Magen. Kombiniert mit einem leicht frischen Wind merkte ich, wie sich das Zwerchfell langsam immer spürbarer machte. Dennoch lief es weiterhin gut, fast zu gut. Nie hatte ich das Gefühl, ohne großen Aufwand einfach zu rollen und musste jederzeit drücken. Doch genauso muss ich sagen, dass ich bis dato auch immer drücken konnte. Und so ging es auch weiter. Denn angekommen auf dem Kudamm, hielt ich das Tempo auf der mehreren Kilometer langen stimmungsvollen Passage hoch und überholte Läufer um Läufer – kein Wunder, denn ich wurde immer schneller.

Langsam näherte sich die entscheidende Phase. Kilometer 13 und 14 waren bis dahin mit jeweils 3:42 Minuten sogar die schnellsten, der 15. auch nur eine Sekunde langsamer. Die Anstrengung stieg immer weiter, aber das Tempo blieb konstant. Die 15-km-Marke passierte ich mit 56:10 Minuten genau 40 Sekunden unter Plan. Ich spürte, dass ich so nicht hätte weiterlaufen können und begann zu rechnen. Welches Tempo benötigst du noch für die letzten Kilometer, um unter 1:20 Stunden zu bleiben? Ein Schnitt von 3:54 Minuten pro Kilometer würde reichen. Lächerlich eigentlich – dachte ich. Doch mit dem Verlassen der Stimmungsnester und dem Erreichen des Abschnittes parallel zum Landwehrkanal, wo der Wind spürbar auffrischte, wie ich zumindest dachte, kam ein Bruch. Die Beine wurden immer schwerer, das Tempo sackte Kilometer für Kilometer ab.
Berliner Halbmarathon 2017 Patrick Brucker +
Foto: Norbert Wilhelmi

Nach dem Potsdamer Platz bei Kilometer 17 ging es so langsam dem Ziel entgegen.

Lange Schlusskilometer beim Berliner Halbmarathon 2017

Der Potsdamer Platz wurde nach 17 Kilometern passiert. Als Berlin-Neuling und zu diesem Zeitpunkt sehr mit mir selbst beschäftigt, hatte ich das aber gar nicht erkannt. Die Zuschauermengen gaben noch einmal Kraft für die letzten Kilometer. Die Beine wollten einfach nicht mehr. Ich kämpfte für jeden Schritt, der mich näher Richtung Ziellinie brachte. Auch das Seitenstechen wurde immer stärker. Aber der Gedanke daran, den ganzen Vorsprung, den ich nach 15 Kilometern herausgelaufen hatte, zu verlieren und mein persönliches Ziel einmal mehr nicht zu erreichen, hielt mich am Laufen. Also biss ich auf die Zähne und fieberte jedem Kilometerschild entgegen. Nach guten 18 Kilometern ein weiteres Highlight: der Checkpoint Charlie. Auch hier hatte ich ehrlich gesagt keinen großen Blick mehr dafür und wollte einfach die letzten rund zweieinhalb Kilometer hinter mich bringen. Die letzten gut zwei Kilometer führten schließlich auf der breiten Leipziger Straße Richtung Alexanderplatz, bevor ein letzter Rechts-Knick erfolgte.

Das Tempo aufrecht und die Beine am Laufen zu halten fiel mir nun immer schwerer. Ich nahm für wenige Sekunden komplett raus, musste sogar einmal ein paar Meter gehen. Auf dem 19. und 20. Kilometer verlor ich genau eine halbe Minute. Ich wusste, jetzt ginge es auf dem Schlusskilometer noch einmal um alles. Entweder bringe ich das so zu Ende oder reiße mich ein letztes Mal für wenige Minuten zusammen und gebe das Allerletzte. Genau 4:12 Minuten blieben mir noch für die letzten 1097,5 Meter. Eigentlich keine Herausforderung, aber in dem Moment fast undenkbar. Der ganze Körper flehte darum, einfach stehen bleiben zu dürfen. Aber ich wusste, wie sehr ich mich nach dem Halbmarathon über die verpatzte Zeit ärgern würde und wollte mich nicht damit abfinden. Der Kopf signalisierte also, noch ein letztes Mal die in den letzten Ecken und Enden verbliebenen Reserven zu mobilisieren, um bloß nicht so kurz vor dem Ziel zu versagen.

21. Kilometer bringt die Entscheidung – Ziel erreicht! Endlich!

Ich wusste, dass meine Uhr immer mehr wirre Tempoangaben anzeigte, aber die Tendenz war klar zu erkennen. Das Tempo ging wieder aufwärts, nur noch 800 Meter, 600 Meter, 400 Meter. Gleich noch ein letzter Rechts-Knick und dann musste auch schon bald das letzte Kilometerschild dastehen. Zielgeraden haben ja gerne die Eigenschaft, immer länger zu werden. Also weiter alles reinlegen. Ich denke, es kann vielleicht doch noch reichen. Die Gewissheit hatte ich schließlich nach 21 Kilometern. 1:19:25 Stunden zeigte meine Uhr. 19 Sekunden später drückte ich ab. Völlig fertig, aber glücklich blieb ich stehen und spürte, wie leer mein Körper war. Aber egal, endlich diese 1:20-Stunden-Marke geknackt! Ich wusste, ich habe nicht gewonnen, 256 Läufer waren vor mir im Ziel, und auch keine weltbewegende Leistung habe ich verrichtet. Aber ich hatte einfach mein persönliches Ziel erreicht – den Zweifeln, der inneren Stimme, den Schmerzen und der Erschöpfung getrotzt. Nicht mehr und nicht weniger. Seit langem war ich mal wieder richtig zufrieden und stolz auf meine Leistung. Dennoch musste ich mir eingestehen, dass mein bisher 121. Lauf im Schlussviertel nicht gerade der Schönste war und ich meine Zeit auch auf angenehmere Art und Weise hätte erreichen können.

Fazit: Knautschzone ausgereizt, Berlin gesehen, Ziel erreicht

Schon wenige Minuten nach dem Zieleinlauf freute ich mich auf den nächsten Halbmarathon. Die 21,1-Kilometer-Distanz erfreut sich nicht umsonst immer größerer Beliebtheit. Und ich bin heiß darauf, nun Jahr für Jahr Minute um Minute abzuknabbern. Berlin, wir sehen uns wieder!
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Autor: Patrick Brucker 05.04.2017

Hier finden Sie weitere Informationen zum Berliner Halbmarathon 2017.

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