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Von Leser-Reporter Manfred Blieffert Lauf-Tipp Gondo-Marathon

Gondo-Marathon bedeutet: Nimm zwei. Denn samstags geht's von Gondo nach Brig, sonntags auf einer anderen Strecke zurück. Macht 84 großartige Kilometer mit 4.200 Höhenmetern.

Gondo-Marathon 2016 – Am Simplonpass +
Foto: Brigitte Wolf

Am Samstag führt der Gondo-Marathon von Gondo über den Simplonpass (hier im Bild) bis nach Brig, am Sonntag auf einem anderen Kurs zurück.

Im August 2016 hatte der Gondo-Marathon hat Geburtstag. 30 Marathons in 15 Jahren, denn der Gondo-Marathon ist ein Zweitages-Doppelmarathon. Samstags von Gondo über den Simplonpass nach Brig und am Sonntag auf einer anderen Strecke wieder zurück. Insgesamt sind 84 Kilometer und 4.200 Höhenmeter zu bewältigen. Pastaparty, Übernachtungen im Starterlager, gemeinsam frühstücken und zu Abend essen, geben der Veranstaltung einen familiären Rahmen.

Doppelmarathon im Gedenken an den katastrophalen Erdrutsch von 2000

Im Jahr 2000 wurde das kleine Schweizer Dorf Gondo, direkt an der Grenze zu Italien, nach tagelangen Regenfällen von einem Erdrutsch heimgesucht. Zum Gedenken an diese Naturkatastrophe, die dreizehn Todesopfer forderte, wurde der Gondo-Marathon ins Leben gerufen.

Ein blauer Augusthimmel verspricht an diesem ersten August-Wochenende 2016 einen Hitzelauf. 2.000 Höhenmeter, das Grausame gleich zu Beginn. Das liest sich leichter als beim Jungfrau- oder Zermattmarathon, wo es zunächst über 21 Kilometer vergleichsweise flach beginnt und erst dann die Steigung kommt. Aber dieser Tag wird mich lehren: 2.000 Höhenmeter können ziemlich unterschiedlich sein.

Auch den Spuren von Kaspar Stockalper durch düstere Schluchten

Ohne Anlauf geht es sofort bergan. Es pfeift uns ein strenger Wind entgegen. Von Hitzelauf keine Spur. Unter uns sprudelt der Bach, der sich in tausenden von Jahren immer tiefer in den Fels gefressen hat. Nach oben hin türmen sich Felswände auf. Verwegene Brückenkonstruktionen führen uns durch die düstere, schmale Schlucht, die hier und da keine 30 Meter breit ist. Kaspar Stockalper baute hier Mitte des siebzehnten Jahrhunderts einen Weg, der nach ihm benannt wurde und der uns bis über den Simplonpass nach Brig führen wird.

Auf holprigen Pfaden am Abhang entlang

Ein schwieriger Laufgrund, holprig, steinig, verwurzelt, oftmals dicht am tiefen Abhang zum Bach und immer streng bergan. Die erste Verpflegungstelle erreiche ich nach einer Dreiviertelstunde. Besser jetzt keine Hochrechnung anstellen. Bis Simplondorf öffnet sich die Schlucht, ein paar waldige Abschnitte, Geröllpassagen, vom Gletschereis glatt geschliffene Felsen am Boden, dann wird es etwas grüner. Ich bekomme eine Ahnung, wo der Pass kommen wird und tatsächlich, nach über drei Stunden die Verpflegungsstelle Simplonpass.

Auf Singletrails den Bistinenpass hoch

Am Aber ich habe mich von dem berühmten Namen bluffen lassen und nicht genau auf den Streckenplan geschaut – es geht weiter bergauf. Fast 500 Höhenmeter noch, fast bis zum Kilometer 24, über den Bistinenpass. Jetzt geht es erst richtig zur Sache. Im Windschatten bretzelt die Sonne, dann wieder pfeift der Wind. In meiner Leistungsklasse läuft hier keiner mehr. Schmale Singletrails führen stetig bergan, hier und da ein Läufer, soweit das Auge reicht. Wir müssen über Felsbrocken kraxeln, über kleine Bachläufe springen, aufpassen, hier nicht auszurutschen.

Hochmoor, Geröll und Wurzeln fordern höchste Konzentration

Die Passhöhe ist erreicht. Ein schneidender Wind zwingt mich, die Weste anzuziehen. Jetzt geht es fast bis Kilometer 40 bergab. Aber wenn ich gedacht habe, es wird leichter, dann habe ich mich getäuscht. Komfortable Wald- oder Feldwege? Pustekuchen. Hochmoor, Geröll, Wurzeln und steile Abhänge. Was verbirgt sich unter dem langen, niedergetrampelten Almgras? Ein falscher Tritt und man knickt um. Weiterhin ist höchste Konzentration gefragt.
Gondo-Marathon 2016 – Saltina-Durchquerung +
Foto: Brigitte Wolf

Ein paar Kilometer vorm Ziel gibt’s im Flussbett der Saltina eine Abkühlung für die Läufer.

Durchs Flussbett der Saltina

Im Tal ist bereits Brig zu sehen und plötzlich führt der Weg steil bergab, bergab, bergab. So steil, dass ich mich hier und da an Baumstämmen festhalten muss um nicht auszurutschen. Bei Kilometer 40 geht es durch das Flussbett der Saltina und da müssen wir hinunter. Im Jahr 2000 riss das Hochwasser hier eine Brücke weg – daher dürfen die Läufer heute direkt durch den Fluss. Vier Feuerwehrleute sichern die Passage.

Auf einer staubigen Piste zum Ziel

Eine wunderbare Abkühlung für die Füße, aber schlagartig werden Schuhe und Strümpfe schwer wie Stein. Aber so, wie es eben bergab ging, geht es nun auf einer staubigen Piste bergan. Verdammt, und das zum Schluss. Die letzte Verpflegungsstelle, Boullion für den Magen, Cola für den Mund, und die letzten zwei Kilometer bis ins Ziel. Geschafft. 7:46 Stunden, Letzter meiner Altersklasse, völlig egal. Für ein Foto mit der Fahne unserer Charityaktion „Jede Oma zählt“ reicht es noch.
Gondo-Marathon 2016 – Sieger Urs Jenzer +
Foto: Brigitte Wolf

Sieger Urs Jenzer brauchte für die beiden Bergmarathons nur 7:56 Stunden.

Heimliche Helden

Heute und auch in der Gesamtwertung der beiden Tage gewinnen Urs Jenzer aus Frutigen in total 7:56 Stunden und Stephanie Schmitz-Weckauf aus Freiburg in 11:11 Stunden. Meine heimlichen Heldinnen sind aber Erika Jaretzki-Müller und Gertrud Koeder. Sie packen diesen ersten Tag in 9:06 Stunden – beide sind 76 Jahre jung.

Geheimtipp mit knallharter Strecke

Ein großartiger Lauf auf einer wunderschönen und zugleich knallharten Strecke. Hätte ich mich doch für beide Tage melden sollen? Die zweite Strecke soll noch schwerer sein. Dafür auch noch schöner. Vielleicht im nächsten Jahr? Mit weniger als 150 Teilnehmern auf der Marathonstrecke ist der Gondo-Marathon ein Insidertipp. Verstehe ich eigentlich nicht. So eine wunderbare Veranstaltung hätte viel mehr Teilnehmer verdient. Und zwei Bergmarathonabenteuer nacheinander, wo gibt es das sonst?

Termine 2017

2017 findet der Gondo-Marathon am 5. und 6. August statt. Zur Auswahl stehen der Einzelmarathon am Samstag, der Doppelmarathon einzeln oder als Zweiterteam sowie ein Lauf über 28 Kilometer (1.400 m Auf- und Abstieg), der entweder als normaler Wettkampf oder als "Plausch" ohne Rangliste gelaufen (oder gewalkt) werden kann.
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Autor: Manfred Blieffert 06.01.2017

Hier finden Sie weitere Informationen zum Gondo Event II 2017.

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