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Leserreporterin Claudia Hanisch Marathon im glücklichsten Land der Welt

Unsere Leserreporterin Claudia Hanisch ließ sich mit ihrer Reise nach Bhutan auf ein wahres Marathon-Abenteuer ein und will wiederkommen.

29052017 Leserreporter Bhutan Marathon 2017 - 1 +
Foto: Claudia Hanisch

Claudia Hanisch traf bei ihrer Reise nach Bhutan auf eine fremde, für sie neue Kultur.

THEMEN

Marathon

Schon die Anreise war ein Marathon: von Deutschland nach Bhutan, dem kleinen Königreich im Himalaya, ist man nonstop zwei Tage unterwegs. Das Land gilt als eines der am schwierigsten zugänglichen der Welt. Durch die geografische Situation jahrhundertelang abgeschottet, hat das Land erst seit 1983 einen Flughafen. Seit 1999 gibt es Fernsehempfang. Die Regierung ist streng darauf bedacht, den Tourismus behutsam zu entwickeln, um die reiche Kultur und die traditionell sehr nachhaltige Lebensweise nicht zu gefährden. Man kann nicht als Individualtourist in das Land reisen, und die "Aufenthaltspauschale", mit der unter anderem Bildungs- und Infrastruktur finanziert werden, ist auch happig. So war die Marathonteilnahme für mich auch eine Chance, in die Kultur des „glücklichsten Landes der Welt“ einzutauchen, dessen König das Bruttosozialprodukt durch das "Bruttoglücksprodukt" ersetzt hat.

Der Bhutan International Marathon war der Höhepunkt eines einwöchigen Laufcamps mit dem bekannten amerikanischen Ultraläufer Scott Jurek, an dem mehr als 100 Läufer aus der ganzen Welt teilnahmen. Die "Sister Marathons Peace Initiative", ein Zusammenschluss amerikanischer Marathons, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Laufcamps und -reisen zu organisieren, die Projekte vor Ort unterstützen. Von unserem Camp profitierten Sportförderprojekte des Olympischen Komitees Bhutans und eine Frauenkooperative. Neben den Trainingseinheiten mit Scott Jurek, den ich sehr bewundere, war es auch eine tolle Inspiration, sich mit den anderen Sportlern auszutauschen und gemeinsam dieses einzigartige Land kennenzulernen. Von Bhutan können wir viel lernen, gilt doch hier die Nachhaltigkeit als oberste Priorität - auch in der Wirtschaft. So soll Bhutan das einzige Land der Welt sein, das CO2-negativ ist und einen Nationalpark für ein fiktives Tier, den Yeti, hat.
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Foto: Claudia Hanisch

Gemeinsam mit dem amerikanischen Ultraläufer Scott Jurek nahm sie an einem einwöchigen Laufcamp teil.

Andere Sitten in Bhutan

Zur Akklimatisierung (Das Land liegt im Durchschnitt auf 3.500 Meter Höhe.) erklommen wir den Pfad zum Tigernest, dem berühmtesten Kloster des Landes. Es liegt hoch oben über dem Tal von Paro und gilt als der Ort, von wo aus sich der Buddhismus in Bhutan verbreitete. Wie ein Schwalbennest schmiegt sich die Klosteranlage mit ihren Tempeln und Wohngebäuden an die steile Felswand. Auf dem Weg dorthin binden wir unsere mitgebrachten Gebetsfahnen an Bäume und Felsen. Hier oben sind sie dem Himmel nah, und wenn der Wind hinein fährt, werden unsere Wünsche zu den Geistern getragen.

Voller Spannung nehmen wir am nächsten Tag an der Vorbesprechung des Marathons und Halbmarathons teil. Der Vorjahressieger Sangay Wangchuk, ein eher schüchtern wirkender Soldat, war ein beliebtes Selfie-Motiv der internationalen Teilnehmer. Er hatte sich für dieses Jahr eine Zeit von unter 2:30 Stunden vorgenommen. Für viele der 244 Marathon- und 276 Halbmarathonläufer aus aller Welt stand allerdings das Genießen der wunderschönen Landschaft und die Begegnung mit den freundlichen Menschen entlang der Strecke im Vordergrund. Vieles war bei diesem Marathon anders als gewohnt: Statt Dixie-Häuschen gab es ein Toilettenzelt mit einem ausgehobenen Loch, am Start wurde Reis als Verpflegung ausgegeben und an den Verpflegungsstationen hatten die Helfer damit zu tun, die Kühe vom Abräumen der Tische abzuhalten. Auch beim Marathon wurde Nachhaltigkeit groß geschrieben: es gab keine Plastebecher, sondern jeder Teilnehmer sollte eine Flasche mitführen, die an den Verpflegungsstationen aufgefüllt wurde.
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Foto: Claudia Hanisch

Der Bhutan-Marathon hatte eine landschaftlich herrliche Strecke zu bieten.

Mönche schicken die Läufer auf die Strecke

Den Start um 8 Uhr morgens vollzogen in traditionelle Kleidung gehüllte Offizielle und Mönche. Von der Starthöhe auf etwa 1700 Meter Höhe liefen wir durch zwei Flusstäler hinab zur Klosterfestung Punakha Dzong aus dem 17. Jahrhundert, die als herausragendes Beispiel der Klosterarchitektur Bhutans gilt. Neben der wechselnden Vegetation waren die kunstvoll verzierten Bauernhäuser und der Blick über die terrassierten Reisfelder immer wieder Blickfänger. Eines der Highlights der Strecke war die Überquerung einer 350 Meter langen Hängebrücke. Ängstliche Läufer wurden hier von Schulkindern an der Hand hinübergeführt. Die schöne Landschaft „verhinderte“ auch eine bessere Platzierung an diesem Tag, da ich häufig stehen blieb und Fotos machte – selbst als ich kurz vor dem Ziel auf die beiden führenden Frauen aufgelaufen war. Knapp zwei Minuten trennten mich am Ende von Platz eins. So belegte ich am Ende in 3:48 Stunden den dritten Platz unter 143 Frauen. Der eigentliche Gewinn war jedoch das Kennenlernen dieses faszinierenden Landes und seiner unglaublich freundlichen Menschen. Und so freue ich mich schon darauf, mit der Sister Marathons Peace Initiative nächstes Jahr wieder in das kleine Königreich in den Bergen zu reisen.
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Autor: Claudia Hanisch 08.06.2017
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