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Leserreporterin Josefine Kuschke Mein erstes Mal: Halbmarathon beim Kassel-Marathon

Josefine Kuschke startete in Kassel als Powerwalkerin über die halbe Marathondistanz. Ein Bericht über Gänsehaut, Glücksgefühle und gar nicht so locker-flockiges Walking.

Leserreporterin Josefine Kuschke startete beim Kassel-Marathon als Powerwalkerin +
Foto: privat

Leserreporterin Josefine Kuschke war beim Kassel-Marathon als Powerwalkerin zum ersten Mal über die Halbmarathon-Distanz dabei.

„Und wie war dein Wochenende?“
„Ach ganz gut. Ich bin in Kassel beim Halbmarathon gestartet. War echt super.“
„Echt?! Und wie schnell warst du?“
„Mh…“

Gänsehaut beim Startschuss des Kassel-Marathons

Dieses Gespräch führte ich am Montag danach gefühlt hundertmal. Die Faszination Laufen, insbesondere dann, wenn man sich an einen Halbmarathon wagt, lässt einem Bewunderung zu Gute kommen. Sie wird jedoch meistens dadurch getrübt, dass man indes nach seiner Leistung befragt wird. „Mh… also, naja ich bin als Powerwalker gestartet…“. „Oh, achso…“. Und auf einmal ist die Bewunderung dahin. Da interessiert es plötzlich die wenigstens, dass man für seinen ersten Halbmarathon eine fabelhafte Zeit hingelegt hat, die selbst erfahrene Halbmarathonteilnehmer in der Powerwalking-Disziplin zur Anerkennung hinreißen lässt. Doch denjenigen, die es hören wollten, lag ich schwärmend in den Ohren, welch super Erfahrung dies ist. Das Gefühl am Start zu stehen und die Sekunden runter zu zählen, bis man den erlösenden Startschuss hört – Gänsehautmoment!

Die letzte Woche vor dem Lauf schwankte ich zwischen völliger Gelassenheit und purer Aufregung. Als der Samstag dann nun endlich kam und ich mich auf den Weg Richtung Kassel und meiner mir unbekannten Übernachtungsmöglichkeit machen konnte, war ich mehr als angespannt. Die überkochende Milch am Morgen machte meine Laune nicht besser. Doch mit einem Kaffee und Buch verging die Zugfahrt wie im Fluge und schon stand ich in Kassel. Eben noch die Startunterlagen abholen und den Rest des Tages einfach bei guten Gesprächen und entspannter Atmosphäre ausklingen lassen. Nach einer kurzen aber doch erholsamen Nacht war es nun soweit. Ich machte mich, von Minute zu Minute nervöser werdend, auf den Weg zum Auestadion. Die Aussicht, dass meine Mutter, extra aus Hannover angereist, im Ziel auf mich wartet, entspannte mich unerwarteterweise.

Glücksgefühle im Ziel des Halbmarathons

Startschuss – tausende Läufer und Power- sowie Nordic-Walker setzen sich in Bewegung. Anfangs doch recht zäh und dann auf einmal hat man die Startlinie schon überschritten. Die Strecke war, meines Erachtens für Halbmarathon-Anfänger sehr angenehm. Noch dazu die vielen Zuschauer am Straßenrand. Sie wussten, wie man uns ermutigt und mit unterhaltsamen Schildern, bunten Programmen á la Musikband, Cheerleader, Lautsprechern aus denen Musik schallt et cetera bei Laune hält. Den Großteil der Strecke war ich überwältigt von der ganzen Unterstützung, die mir einen großen Motivations- und Energieschub verschaffte.

Die erste Hälfte verging wie im Flug und ich überholte einige meiner Walking-Kollegen, es war quasi ein Selbstläufer. Doch schlagartig war ich wie erschlagen. Bei Kilometer 15 brach ich so langsam ein und die letzten zwei Kilometer waren die Hölle auf Erden. Ans Aussteigen habe ich in diesen Minuten oft gedacht, doch der Ehrgeiz war einfach zu groß. In der Zielgeraden erblickte ich dann meine Mutter und ich begann meine Energie wieder zu finden. Die letzten Meter waren wie in Trance und schon fand ich mich im Ziel mit meiner Finisher-Medaille um den Hals baumelnd wieder. Da stand ich nun, völlig überwältigt von meiner eigenen Leistung und inhalierte die Stimmung im Stadion. „Wahnsinn, du hast gerade 21 Kilometer absolviert!“

Auf dem Weg zur Dusche lernte ich eine Teilnehmerin kennen, die ebenfalls als Powerwalkerin gestartet ist. Wir unterhielten uns über das Verhalten einiger Läufer uns gegenüber, dass einige der Auffassung seien, wir würden ja nur „locker-flockig“ gehen. Sie berichtete aus eigener Erfahrung, dass sie als Powerwalkerin wesentlich mehr Muskelkater nach so einem Lauf hätte, als früher als Läuferin. Ich ziehe vor jedem Läufer den Hut, der diese Distanz absolviert. Doch von vielen fehlt da der Respekt. Warum? Schließlich ist es dieselbe Strecke. Der einzige Unterschied besteht in der Geschwindigkeit. Ich für meinen Teil bin zufrieden und stolz auf meine Leistung. Diejenigen, die uns Powerwalker belächeln, sollen dies erst einmal nachmachen. Dann können wir uns gerne noch einmal unterhalten und vielleicht erkennt dann der ein oder andere, dass es nicht so einfach ist, wie es teils aussieht.

Training und Verzicht für den einen Moment

Harte Monate mit viel Disziplin, viel Training und manchmal auch Verzicht, liegen nun hinter mir und das Halbmarathon-Fieber hat mich gepackt. Der nächste ist bereits ins Auge gefasst und vielleicht starte ich ja auch irgendwann mal als Läufer.

Für die ganzen Leistungbesessenen: ich bin nach 2:56:19 Stunden Nettozeit ins Ziel gekommen und somit als 39. von 107. – nichts mit „locker-flockig“.
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Autor: Josefine Kuschke 11.09.2015

Hier finden Sie weitere Informationen zum Kassel-Marathon 2017.

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