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Leserreporterin Susanne Kuzinski Meine mentale Stärke trägt mich über die Strecke

Während des Laufs schossen Susanne Kuzinski diverse Gedanken in den Kopf. Welche das waren, schrieb sie in ihrem Leserreport.

Leserreporterin Kuzinski stehend +
Foto: marathon-photos.com

Den Coach immer an der Seite: Susanne Kuzinski und ihr Laufpartner Dirk Piatkowski beim Köln-Marathon 2015.

Körperlich. Was hat der Körper während des Laufs gemacht? Der Puls war angenehm. Anspruchsvoll, gefühlsmäßig hoch, aber auf einem Niveau, auf dem ich ihn gut und gleichmäßig halten konnte. Ich hatte nicht einen Moment den Gedanken, dass ich ihn möglicherweise nicht bis zum Ende durchbringen würde. An manchen Stellen der Check: „Wie geht es meinem Puls?“ „Es geht ihm gut! Es ist alles bestens!“ Zugleich der Check: „Was machen meine Beine?“ „Es geht ihnen gut, sie können das, sie laufen.“ An manchen Stellen der besorgte Blick auf die „In den 30ern-km-Spanne“ – „Wie soll ich das schaffen?“ „ Wie wird das da überhaupt sein? Diese große Unbekannte?“. Meine längste Distanz betrug bisher 34 km. In diesen Momenten ist es mir gelungen, mich auf das Jetzt zu besinnen: wahrgenommen, dass es jetzt gut läuft.

Gedanken während des Marathons

Am Morgen hatte ich wie Lampenfieber gehabt: Der Kopf war wirklich warm. Ich nahm es interessiert wahr und dachte an die wortwörtliche Bedeutung bzw. daran, wer es wann und zu welchem Anlass hat. Dass es normal ist, dass es dienlich sein kann. Während des Laufs ein paar Mal einen warmen Kopf gehabt. Dann war es, als würden mir die Sinne davon gleiten, aber der Körper lief weiter. In diesem Zustand lief ich ein paar Mal. Es war, wie in einer Art Trance zu laufen. Ich nahm es wahr, dachte mir; „O.k., wenn es so ist, dass ich so laufen soll, dann laufe ich so.“ Aber dann habe ich mich doch jedes Mal wieder da herausgeholt. Es war kein erstrebenswerter Zustand. Zudem die Angst, ich könne abdriften, Angst, ich könne die Kontrolle über mich verlieren. Ich könne einfach umfallen. Der Gedanke: „Mein Körper kann das!“

Auf den letzten 6 bis 7 Kilometern spürte ich, dass ich noch Reserven habe. Dieses motivierte mich, mich wieder zu steigern, mehr aus mir herauszulassen. Der Gedanke: „Wenn ich im Ziel ankomme und ich habe noch Reserven, dann ärgere ich mich womöglich, dass ich sie nicht eingesetzt habe.“ Also wagte ich mich an die Reserven. Das hielt mich bei der Stange. Lockte mich sogar zu dem Versuch auszuprobieren, wie es ist, wenn ich noch ein Stückchen mehr drauf lege. Ja, bewusst die Entscheidung, ich probiere aus, mehr zu geben und schaue was passiert. Ausprobiert. Mal habe ich mich dadurch vermutlich gesteigert. Dann aber auch mal gemerkt, dass es schwer ist, die Steigerung durchzuhalten. Also wieder etwas nachgegeben. Dabei Erinnerung an meine Intervallläufe. Insbesondere an den Lauf im Jubiläumspark, an dem ich 10 x 800 m gelaufen bin und in dem ich am Schluss immer noch zu Steigerungen fähig war und in dem ich den Spruch im Kopf entwickelt hatte: „Ich laufe für Köln!“ Das heißt, das, was ich in jenem Training aus mir herausgeholt hatte, betrachtete ich als Aufbau einer Reserve für Köln. Und genau so war es: jetzt konnte ich auf diese Reserven zugreifen. Ich hatte sie, jetzt habe ich sie in mir wachgerufen und ich habe sie eingesetzt.

In mir der Zuspruch: „Mein Körper kann das!“

Und mental? Der Kopf war von Anfang an frei. Wenn etwas in den Kopf steigen wollte, das mich beeinträchtigt hätte, dann kam mir der Spruch meiner Tageskarte von Pierre Franckh in den Sinn: „Ich bin innerlich frei, meine Ziele zu verwirklichen.“ Das war so passend! Das gab mir so viel Kraft! Das erinnerte mich daran, dass jeglicher Gedanke der Begrenzung nur ein Gedanke war. Dass ich aber insgesamt innerlich so frei bin, dass es nichts gibt, dass sich mir in den Weg stellt. Dass es nur im Lauf mental Produziertes gewesen wäre, das mich begrenzt hätte. So aber war klar, „Ich bin innerlich frei, meine Ziele zu verwirklichen!“
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Autor: Susanne Kuzinski 17.11.2015

Hier finden Sie weitere Informationen zum Köln-Marathon 2016.

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