Top Themen: Firmenlauf | Hindernisläufe | Individuelles Coaching | Laufkalender | Laufen | Lauf eintragen

TrailDorado 2016 Mit Laufeslust bis ans Limit

Ultraläuferin Miriam Müller lässt uns an ihren ganz persönlichen Eindrücken der 24-Stunden-Trailrunning-Party teilhaben.

TrailDorado 2016 +
Foto: privat

Als Teil des Laufen-gegen-Leiden-Teams holt sich Miriam Müller den zweiten Platz.

Am 8. und 9. Oktober fand in Arnsberg die vierte Auflage des Events „TrailDorado – Die legendäre 24 Stunden Trailrunning Party“ statt. Neben der deutschen Meisterschaft im 24-Stunden-Trailrunning bietet Michele Ufer, Veranstalter und Sportpsychologe, zahlreiche spannende Vorträge und Workshops an – doch für diese hatte die Ultraläuferin Miriam Müller keine Zeit. Ihr versuch lautete in 24 Stunden möglichst viele Kilometer abzuspulen.

Hier können Sie ihren sportlichen Paukenschlag nachlesen:

Yeah, endlich ist es soweit: Das großartige TrailDorado-Wochenende steht vor der Tür!
Die Aufregung brodelt in mir. Mein selbstgestecktes Jahresziel ist die 100-Kilometer-Marke zu knacken. Dafür habe ich beim TrailDorado 24 Stunden Zeit. Bei der Ankunft in Arnsberg werde ich von vielen freudestrahlenden Gesichtern begrüßt. Man kennt sich ja in der Szene und so stehen wir alsbald gemeinsam an der Startlinie im schönsten Herbstwald und pogen laut grölend zu „I like to move it-move-it“.

Endlich gehts los
Das Startsignal ertönt. In der ersten Runde staune ich noch über die Matschlöcher und krassen Anstiege. Doch ich bin ja schlau und gehe am "Mount Clevernest", der genau aus diesem Grund so genannt wird – die Schlauen gehen. Plaudernd erfreue ich mich der Laufeslust. Nach 4,1 Kilometern halte ich das erste mal meinen Chip an die selbstgebaute, super zuverlässige Zählanlage. Danach checke ich am grandiosen Verpflegungsstand ein – was eine gaumenschmeichlerische Auswahl an veganen Schlemmereien. Gerade am Verpflegungsstand schlägt mein Herz also höher.

Nach zirka vier Stunden kommt der erste Tiefschlag. Mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelt mir mein Teamkollege Timo entgegen. Leider muss er mit einer Knieverletzung von den wirklich freundlichen Rotkreuzlern ins Krankenhaus gefahren werden. Wie gerne hätte ich gemeinsam mit ihm unseren Saisonhöhepunkt gefeiert. Doch für mich geht es jetzt in der beginnenden Abenddämmerung erst richtig los. Es ist Zeit sich die Stirnlampe umzuschnallen und bei drei Grad etwas wärmer einzupacken. Auf der gesamten Strecke haben die Helfer Knicklichter an besonders hervorstehende Wurzeln und Steinen aufgehängt. Auch vor Pferdeäpfeln wird gewarnt und ein Kerzenspalier öffnet uns den Weg in den Zauberwald.
Durch den Wald beim TrailDorado 2016 +
Foto: privat

Der 4,1-Kilometer-Rundkurs bietet Trailspaß und Naturgenuß.

Abholservice in der Laufpause

Eine Nachricht meines Laufpartners beschert mir eine wohlverdiente, kleine Rennpause. Gegen 20 Uhr hole ich Timo mit der Diagnose Muskelfaserriss aus dem Krankenhaus ab, um anschließend direkt wieder auf die Strecke zu preschen. Irgendwie steht mein Name nämlich auf Platz 4 der Frauenrangliste und der sportliche Ehrgeiz hat mich gepackt. Nun beginnt der „Zustand“, den wahrscheinlich nur die Sportler kennen, die gelegentlich zu Übertreibungen neigen. Dazu mische man noch ungewohnt viel Koffein und Zucker durch eine ausgewogene Schonkost mit Torte und Cola im 30-Minuten-Takt und der Tunnellauf ist perfekt. Nach drei Runden Megasprint bin ich auf Platz 2 und kann mich nicht mehr normal unterhalten.
Wunderkerzen beim TrailDorado 2016 +
Foto: privat

Um Mitternacht wird mit Wunderkerzen das Bergfest gefeiert.

Mit einem Runners High durch die Nacht.

Um Mitternacht ist die Hälfte der Zeit abgelaufen und das Bergfest erreicht: Alle die gerade am Verpflegungsstand oder Lagerfeuer sind, bekommen eine Wunderkerze in die Hand gedrückt. Die Traildorado-Crew tanzt zu singenden Boogie-Totenköpfen mit glühenden Augen. Alles total bekloppt – ich hätte am liebsten vor Freude geweint. Aber dafür bleibt mir keine Zeit. Noch einen Schluck Cola und wieder ab in den Wald. Es ist ja gerade erst die Halbzeit erreicht und ich habe keine Ahnung wie lange mein Körper noch durchhält. Doch er schlägt sich ganz tapfer. Ich hab viel mehr Energie als ich je für möglich gehalten hätte. Im Nachtmodus schweben meine Gedanken neben mir her. Die meiste Zeit bin ich nun allein auf der Strecke. Jedes Knacken und Grunzen lässt meinen Adrenalinspiegel noch etwas höher steigen. Schmerzen oder Zipperlein sind einfach verschwunden. Das Ziel „80 Kilometer bis Mitternacht“ sind abgehakt, „100 Kilometer bis 4.00 Uhr“ auch. Eigentlich möchte ich ja schlafen, doch die winzigen Abstände zwischen Platz 1 und 4 lassen in meinem Kopf einfach keine Schlafpause zu. So langsam fiebere ich dem Sonnenaufgang entgegen und dieser weckt mein eingedämmertes Hirn ein wenig auf. Es tauchen wieder mehrere Leute auf der Strecke auf und mir peitschen die ersten Motivationsrufe entgegen. Mein treuer Laufpartner hat die ganze Nacht an der Laufstrecke gewacht. Laufen ist eben doch ein Teamsport.

Mein Ziel war klar: Platz zwei halten – die Erstplatzierte war eine "Lauf-Maschine", also nicht machbar. Ich will nur noch meine Position verteidigen. Der Versuch, mal eine Runde zu gehen, scheitert. Es scheint mir als würden die Bäume mich rufen, dass ich mich in ihre Wurzeln kuscheln solle. Meine Augen fallen immer mal wieder zu. Endlich schleicht die verdammte Uhr auf 11 Uhr zu. Die letzte Runde kann ich noch einmal genießen, denn hinter mir ist ausreichend Puffer. Ein letztes Lichtsignal an der Zählmaschine, ein letzter Kaffee am Verpflegungspunkt und dann humpelt ein grinsender Zombie – ich – nach über 140 Kilometern in Richtung Dusche. Die Siegerehrung bekomme ich im Halbschlaf nur noch körperlich mit. Zum Glück hat Timo das Steuer auf der Rückfahrt übernommen.
Jetzt noch besser laufen: aktuelle Lauftipps, News und Tests >>

Autor: Miriam Müller 13.10.2016
Kostenloser Newsletter
RUNNER'S WORLD ERLEBEN
Mehr zu Laufevents
2.662 Läufer über die Halbmarathon-Distanz
Nikolauslauf Tübingen

Foto: Tomás Ortiz Fernandez

Schon in die 41. Runde ging der Nikolauslauf Tübingen 2016. Sabrina Mockenhaupt und Jens Z... ...mehr

Lokalmatadoren tauschen Streckenrekorde
Nikolauslauf Regensburg 2016 Philipp Pflieger, Florian Orth, Simon Boch

Foto: Norbert Wilhelmi

Die beiden Läufer der LG Telis Finanz Regensburg, Philipp Pflieger und Simon Boch entrisse... ...mehr

Tolle Stimmung bei Jubiläumsveranstaltung
Kölner Nikolauslauf 2016

Foto: Wolfgang Steeg

Über 2.500 Teilnehmer liefen beim 20. Kölner Nikolauslauf bei frostigen Temparaturen durch... ...mehr

Sie sind hier: >> >> >>Mit Laufeslust bis ans Limit
(©) Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG