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Reach the Beach 2014 Run- und Road-Trip in Amerika

207 Meilen legten die Teams beim Reach the Beach von Cannon Mountain nach Hampton Beach innerhalb eines Tages zurück. Höhepunkt sind die Nacht-Etappen. Unser Redakteur lief mit.

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Foto: Max Eggen, Daniel Eilers

Highway to Hampton Beach: 207 Meilen, umgerechnet 333 Kilometer, müssen beim Reach the Beach in Staffel-Teams bewältigt werden.

"Tom hat bereits 120 Sekunden Rückstand", ruft uns Marcus zu, der mit seiner GPS-Uhr den Abstand zum Vordermann misst. Das Rennen ist zu diesem Zeitpunkt noch jung, der Startschuss fiel gerade erst in Cannon Mountain, ein Skigebiet nördlich von Bretton Woods. Tom Schlegel, zweimaliger StrongmanRun-Sieger, ist der erste Läufer unseres Staffel-Teams. Das besteht aus zwölf Läufern, die beim Reach the Beach für das New-Balance-Team Germany starten. 207 Meilen - umgerechnet 333 Kilometer - müssen wir zurücklegen, viele davon führen bergauf oder bergauf, durch Wälder, über Highways oder durch die pechschwarze und mit unter 5 Grad ziemlich kühle Nacht. Ein Abenteuer, das wir zwölf Läufer miteinander teilen, und eines, das mir in Erinnerung bleiben wird.

Die Distanzen sind mit 5 bis 15 Kilometern überschaubar, allerdings ist man bis zu 35 Stunden unterwegs. Die ersten Teams durchlaufen schon nach 20 Stunden das Ziel in Hampton Beach, das 70 Kilometer nördlich von Boston liegt. Geschlafen wird im Van oder in Schlafsäcken in der freien Natur - oder auch mal gar nicht. Dadurch kommt jeder an seine Grenze, je länger das Rennen dauert und je näher man dem Ziel kommt.

6 Kilometer hat Tom schon in den Beinen, da gibt Marcus nochmals die Zwischenzeiten durch. "Nochmals 20 Sekunden mehr Rückstand", teilt er uns mit. Zur Erinnerung: Das Rennen ist 333 Kilometer lang und wird mehr als 20 Stunden dauern - was sind da schon 20 Sekunden? Denn eigentlich waren wir uns im Vorfeld einig, es langsam angehen zu lassen und Spaß vor Leistung zu setzen. Diese Vorstellung hielt exakt bis zum Abend vor dem Rennen, als wir gegen Mitternacht über die optimale Etappenverteilung grübelten. Davon gibt es insgesamt 36 Stück, keine gleicht der anderen: kurze schnelle Passagen, die bergab führen und bergige, mit etlichen Höhenmetern gespickte wechseln sich ab. Jeder Läufer muss drei Etappen laufen, so sieht es das Regelwerk vor; die Einteilung obliegt aber den Teams. Besonders kniffelig ist die Übergabe des Staffelstabs, der an bestimmten dafür vorgesehenen Streckenpunkten weitergegeben wird. Wer zu spät den Wechselpunkt erreicht, verliert wertvolle Zeit. Es geht beim Reach the Beach also nicht nur ums Laufen, sondern auch um die interne Staffel-Organisation. Denn manche Wechselpunkte sind von den über 500 teilnehmenden Teams derart befahren, dass sich ein zeitraubender Rückstau bildet, will heißen: mit dem Van kommt man nicht voran.
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Foto: Max Eggers, Daniel Eilers

Die Wechselzonen erreichen die Teams mit dem Van. Dazwischen bleibt Zeit zum Anfeuern und Getränke reichen.

Die Nacht-Etappen beim Reach the Beach haben es in sich

Also, was sind schon 20 Sekunden bei derartig vielen Unbekannten? Nichts! Und doch nehmen wir einen Kilometer später wieder die Zwischenzeit von Tom, feuern ihn an und geben den Rückstand an unsere Läufer im anderen Van durch. Dort macht sich unser zweiter Läufer Jan sichtlich angespannt warm. Auch ihn bejubeln wir vom Streckenrand aus und jubeln umso lauter, je mehr er den Rückstand aufholt. Gegen Ende seines 14 Kilometer langen Parts ist es dann soweit und Jan hat seinen "Kontrahenten" gestellt. Dadurch entwickelt sich eine Gruppendynamik frei von Vernunft: Ab jetzt gibt jeder sein Bestes fürs Team, und das heißt eben auch, dass alle Vollgas laufen, ohne Rücksicht auf die noch kommenden Etappen.

Unterwegs treffen wir wieder auf den anderen Van. Tom, der nicht wirklich zufrieden scheint, will noch schnell ans Elektrolytgetränk in unserem Van. Wenig später sitzen wir im Bus und wollen losfahren. "Wer hat den Schlüssel", fragt unser Fahrer, während der andere Van schon den Motor gestartet hat. "Mist, Tom hat den Schlüssel", fällt jemanden auf. Reaktionsschnell rennt unser Fahrer raus und erwischt den Van noch gerade so, bevor Tom mit unserem Schlüssel auf und davon wäre.

Die anspruchsvollsten Etappen liegen in der Mitte des Rennens zwischen White Lake State Park und Pittfield, wo sich rund 2.000 Höhenmeter auf 50 Kilometer verteilen. Das klingt jetzt erst einmal nicht dramatisch viel, allerdings kommt erschwerend hinzu, dass wir auf diesem Streckenabschnitt bei Nacht laufen - und die ist stockduster. Kopflampe, Warnweste und Licht vorn und hinten an der Laufweste sind Pflicht. Meine erste Etappe ist gleich eine Nacht-Etappe, dabei bin ich noch nie mit Stirnlampe gelaufen. Ob ich den Weg überhaupt finde, ist meine größte Befürchtung. Denn wer sich verläuft, ist in der dichten Waldlandschaft verloren. Glücklicherweise ist die Strecke perfekt markiert. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir unsere Zielzeit sehr konservativ eingeschätzt hatten und deshalb weit hinten im Feld gestartet sind. Je schneller die Endzeit, desto später der Start. Und da wir schneller als gedacht (und gewollt) unterwegs waren, überholten wir Heerscharen von Läufern (sogenannte meistens auf dem Van verzeichnete "Roadkills"), die sich in der Dunkelheit mit ihren Blinklichtern wie eine Lichterkette durch die Nacht zogen. Dadurch musste ich mich nur am Vordermann orientieren.
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Foto: Max Eggen, Daniel Eilers

Zwölf Lauffreunde sollt ihr sein: Die Staffel ist beim Reach the Beach nur so stark wie das Team. Das New-Balance-Team Germany landete auf Rang 4.

Nach mehr als 24 Stunden ohne Schlaf zur letzten Etappe

Irgendwann in der Nacht halten wir an und wollen den Versuch unternehmen, für eine Stunde zu schlafen. Das funktioniert bei manchen, bei mir leider nicht. Zu sehr bin ich aufgewühlt von meinem Lauf und der vielen Cola, Energy-Drinks und -Riegel. Außerdem liegt mir die Pasta von der letzten Verpflegungsstelle im Magen. An diesem Wechselpunkt haben Schüler zusammen mit freiwilligen Helfern in einer Turnhalle Essen ausgeteilt. So kam man für eine kleine Spende in den Genuss von warmen Nudeln, Erdnussbutter-Toast und Pizza. Eine Wohltat nach der Vielzahl an Energieriegeln und Koffein aus der Dose.

Während die Müdigkeit gegen Ende des Laufs steigt - wir sind seit mehr als 24 Stunden wach -, entwickelt man irgendwann so etwas wie Routine. Fahren, warten, laufen, essen, wieder fahren ... Die Nervosität und das Zittern vor der ersten Etappe weicht der Hoffnung, dass der Spaß nicht ewig währt. Der letzte Funken Energie wird nicht für Konversation verschwendet, sondern fürs Laufen aufbewahrt. Und das funktioniert überraschenderweise noch erstaunlich gut. Nicht etwa, weil wir noch frisch wären oder uns das Rennen gut eingeteilt hätten, sondern weil man fürs Team läuft. Das folgt der Logik: Wenn sich andere fürs Team quälen, kannst du das auch! Und man tut es!

Am Ende landen wir auf einem starken 4. Rang, weil jeder sein Bestes fürs Team gegeben hat. So laufen wir auch ins Ziel, nämlich gemeinsam und nehmen das verdiente Finisher-Bier in Empfang.
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Autor: Daniel Eilers 16.09.2014
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