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Leserreporter Günter Schmidt Schloss-Marienburg-Marathon - klein aber fein!

Für unseren Leserreporter Günter Schmidt war sein 112. Marathon, der Schloss-Marienburg-Marathon, einer der schönsten.

Leserreporter Günter Schmidt Schloss-Marienburg-Marathon +
Foto: Günter Schmidt

Die schönste Verpflegungsstelle der Welt, wie unser Leser Günter Schmidt findet.

THEMEN

Marathon

Kennt ihr Heiner Schütte? Wenn nicht, das ist der, der bei vielen Marathons aus der ersten Reihe startet und dann ziemlich weit hinten ins Ziel kommt. Aber nicht, weil er unterwegs schlappmacht. Nein, der macht das mit Absicht. Denn so muss ihn jeder Läufer im Feld mindestens einmal überholen und bekommt damit den Rückenaufdruck seines T-Shirts ins Blickfeld. Und damit Schloss Marienburg und den Termin für den nächsten dortigen Marathon. Eine perfekte Werbestrategie! Kein Wunder, dass sein Marathon jedes Jahr ausgebucht ist.

Ich mache mich gemeinsam mit Andreas Gäbler vom LC Auensee Leipzig auf den Weg. Dreieinhalb Stunden Fahrzeit, das ist mir eigentlich zu viel Aufwand für einen Marathon. Es sei denn, es geht zum Schloss Marienburg – und Andreas fährt. Schloss Marienburg liegt zwischen Hannover und Hildesheim. Und wenn man so wie wir aus Richtung Hildesheim angerollt kommt, sieht man schon von weitem Schloss Marienburg. Unterhalb des Schlosses, vor der Marienbergbrücke, stoppt Andreas seinen Wagen, er will ein Foto vom Schloss machen. Macht er auch, ich nicht, weil mein Fotoapparat im Kofferraum liegt. Ist mir zu weit.

Ausgebuchter Marathon

Kurz danach erreichen wir unser Ziel. Adensen, einen Ortsteil von Nordstemmen. Gleich am Ortseingang befindet sich der Parkplatz, keine fünf Minuten Fußmarsch von der Sporthalle entfernt. Hier gibt es die Startunterlagen, Umkleidemöglichkeiten und die Gepäckaufbewahrung. Und jede Menge Leute. Mit 250 Teilnehmern ist der Marathon ausgebucht, etwa gleichviel Läufer sind für den Halbmarathon gemeldet. Zudem gibt es eine vier Mal 10,55-Kilometer-Staffel. Wanderer und Walker können sich über die Halbmarathon-Distanz messen.

Auffällig sind die vielen Gelbhemden, die Mitglieder des 100 Marathon Club. Was nun wiederum kein Zufall ist. Heiner Schütte ist Mitglied des Clubs und (fast) jeder kennt ihn. Ein Marathon von einem Vielläufer für Vielläufer - damit wirbt er für seine Veranstaltung. Und die Vielläufer kommen. Aber auch Anfänger dürfen mitlaufen! Ich treffe hier erstmals auf Michael Kiene. Er ist der Statistiker des 100 MC. Der kennt mich nicht – da müsste ich eigentlich beleidigt sein. Der müsste mich kennen, ich stehe doch in seiner Statistik. Auf Listenplatz 304.

Michael trägt die Startnummer 500. Woran jeder erkennt, dass er nicht den Marathon, sondern den Halbmarathon läuft. Eine schwache Kür für ein Mitglied des 100 MC – solltet ihr aber nicht denken. Diese Startnummer hat er sich redlich verdient, er läuft heute seinen 500. Marathon. Ich getraue mich gar nicht aus der Halle, es ist kalt. Als wir das Auto abstellten, zeigte das Thermometer zwei Grad. Das heißt, warm anziehen. Nach einem Kontrollgang nach draußen kann ich die Hälfte der Kleidung wieder ausziehen. Die Sonne lacht. Ich weiß nicht, wie das der Heiner macht, aber der muss einen Draht zu Petrus haben. Er veranstaltet seine Marathons im November, hat aber nie Novemberwetter. Wo man steht oder geht, überall läuft einem der Heiner über dem Weg. Regelt das, gibt jenes in Auftrag. Der ist so präsent, das Andreas verwundert den Kopf schüttelt und sagt: „Ich glaube, es gibt mehrere Heiner.“

Königliches Starterfeld beim Schloss-Marienburg-Marathon

Start ist 10 Uhr vor der Sporthalle. Ich habe mich auf eine Mauer gestellt, um das Läuferfeld besser fotografieren zu können. Es bieten sich schöne Motive, denn einige Läufer haben sich für diesen Lauf extra in Schale geworfen. Sogar ein König ist dabei, König Thorsten Stohldreier vom 100 MC. Warum auch nicht, schließlich laufen wir auf ein Schloss. Groß ist Adensen nicht, also kaum losgelaufen, sind wir auch schon aus dem schönen Dörfchen heraus und erreichen die erste Sehenswürdigkeit - eine Biogasanlage. Ich kann beruhigen, es wird noch schönere geben. Schon vor dem Marienberg steigt die Landschaft sanft an. Links und rechts Felder, dazwischen führt ein Weg den Hang hinauf. Das bunte Läuferfeld zieht sich auf einem knappen Kilometer bis zum Wald. Dieser Anblick begeistert wohl nicht nur mich.
Leserreporter Günter Schmidt Schloss-Marienburg-Marathon +
Foto: Günter Schmidt

Die Sanitäter sind beim Schloss-Marienburg mit je einem PS unterwegs.

Übrigens laufen wir nicht das erste Mal hier. Andreas hat von den bisherigen vier Läufen einen versäumt. Da lag er im Krankenhaus. Das lasse ich als Entschuldigung gelten. Mir fehlen zwei Läufe. Ich habe einmal einen Urlaub in Costa Rica einer Reise nach Adensen vorgezogen. Das ist schon grenzwertig. Und vom ersten Schloss Marienburg-Marathon hatte ich nichts gewusst. Mit der Ausrede kann heute keiner mehr kommen, schließlich gibt es diesen Laufbericht!

400 Extra-Meter für ein schönes Foto

Das Läuferfeld verschwindet nach und nach im Wald. So etwa zwei Kilometer geht es jetzt auf gleicher Höhe am Berg entlang. Die Stille des Waldes? Das könnt ihr vergessen! Am Waldrand haben Helfer Lautsprecher aufgestellt und beschallen das Läuferfeld mit Musik. Den Läufern gefällt es, die Rehe werden es überleben. Und dann bin ich wieder an der Marienbergbrücke. Alle Läufer laufen davor geradeaus weiter, nur ich biege Richtung Brücke ab. Ein Läufer ruft, dass ich falsch bin, der Sicherungsposten auch. Die müssen denken ich bin bekloppt. Hier kann sich kein Mensch verlaufen. Mache ich ja auch nicht, ich laufe nur über die Brücke, um das Bild von Schloss Marienburg zu machen. Um es ganz auf die Linse zu bekommen, besteht hier die einzige Möglichkeit. Zweihundert Meter hin, zweihundert Meter zurück. Hätte ich heute früh den Fotoapparat aus dem Kofferraum geholt - das wäre kürzer gewesen.

Nun wird es hammerhart, wir sind bei Kilometer fünf. Steil führt ein Weg, man kann schon sagen ein Trail hinauf zum Schloss. Ich bin ziemlich am Schluss des Läuferfeldes, da rennt keiner mehr, wir wandern. Aber es sind nur wenige hundert Meter – und schon sind wir bei Ernst August, also auf dem Schloss. Schloss Marienburg ist eine Schlossanlage, von König Georg V. erbaut, 1869 fertiggestellt. Gedacht als Sommerresidenz, Jagdschloss und Witwensitz. Übrigens war Schloss Marienburg ein Geburtstagsgeschenk für seine Frau Marie. Aber das bleibt jetzt mal unter uns. Denn wenn das meine Frau erfährt.

Heute gehört der ganze Laden Ernst August. Von Beruf ist der Erbprinz. Und er enttäuscht mich etwas. Ich verlange ja nicht, dass er mitläuft. Aber aus dem Fenster könnte er wenigstens mal gucken und uns zuwinken. Na ja, vielleicht nächstes Jahr. Für mich gehört Schloss Marienburg zu den schönsten Schlössern, die ich kenne. Und ich kenne viele Schlösser. Und ich kenne auch viele Verpflegungsstellen. Und die schönste befindet sich hier auf dem Schlosshof. Die schönste der Welt! Mit diesem Ambiente kann keine mithalten. Und da wir Läufer dort auch noch von einem Dudelsackspieler unterhalten werden, sind gleich mal fünf Minuten weg.

Sanitäter auf vier Hufen

Nach dem Schloss noch ein kleiner Anstieg, dann kann ich richtig Gas geben, es geht ziemlich steil bergab. Und da kommen mir zwei Reiter entgegen. Sanitäter sind hier beritten. Ich bin begeistert! Aber eine Frage wirft sich für mich auf: Ich falle gern hin und wenn ich hier hinfalle und nicht mehr weiterkann, wie werde ich dann transportiert? Im Western werden die Verletzten immer quer über das Pferd gelegt.

Unterhalb des Berges, ich bin wieder dort, wo der Krach gemacht wird, dort befindet sich jetzt eine Kontrollstelle. Da gibt es einen Strich auf die Startnummer. Aber wer betrügt schon bei einem so schönen Lauf? Ich genieße jeden Kilometer - was sich nicht unbedingt positiv auf die Laufzeit auswirkt. Etwa bei Kilometer acht tauche ich wieder aus dem Wald auf, habe erneut den vorhin beschriebenen Weg zwischen den Feldern vor mir – in der Gegenrichtung. Läufer sind kaum noch vor mir. Was soll es, es kann nicht jeder gewinnen.

Etwa bei Kilometer elf bin ich wieder bei Kilometer null. Das mag sich etwas doof anhören, ist aber so. Wir sind eine Schleife gelaufen und wieder an Start und Ziel. Hier gibt es eine Verpflegungsstelle. Weiter geht es nicht zurück zum Schloss, sondern dieses Mal in die andere Richtung. Man könnte es auch einfacher ausdrücken: Wir laufen ein Acht!

Versuchungen erschweren den 112. Marathon

Im Ort werde ich von Trommlerinnen angefeuert, am Ortsausgang hat es sich eine Familie vor dem Haus bequem gemacht. Und feiert den Marathon. Meine Augen erblicken sechs Flaschen Bier – und schon wird mir eins angeboten. Die kennen mich nicht! Ich komme Monate ohne Alkohol aus – aber wenn ich einmal anfange. So verzichte ich lieber auf das Bier, wir wären sicher eine fröhliche Runde, aber eigentlich wollte ich meinen 112. Marathon laufen!
Leserreporter Günter Schmidt Schloss-Marienburg-Marathon +
Foto: Günter Schmidt

Nach 42,195 Kilometern geschafft - Günter Schmidt beendete seinen 112. Marathon.

Jetzt prägen Felder und Wälder die Strecke, ein Schloss ist nicht mehr im Angebot. So einen heftigen Anstieg wie am Marienberg gibt es hier nicht, aber von flach kann auch keine Rede sein. Und langweilig ist der Streckenabschnitt auch nicht. Etwa bei Kilometer 17 eine Verpflegungsstelle. Und da mache ich mir dann doch so meine Gedanken. Über die Gerechtigkeit auf der Welt. Oben, auf dem Schlosshof, stehen die Helfer am schönsten Verpflegungsstand der Welt – windgeschützt. Hier, auf freiem Feld, pfeift den Helfern der Novemberwind um die Ohren. Für mich stehen hier die wahren Helden des Tages. Und für mich stehen sie am zweitschönsten Verpflegungsstand der Welt! Vielleicht ist ihnen das ein Trost.

Was die Verpflegung betrifft, ist diese überall gleich. Äpfel, Bananen, Gebäck, Tee, Cola, Wasser. Oder anders ausgedrückt: Auch da gibt es nichts zu meckern! Bei Kilometer 21 bin ich erneut bei Kilometer 0. Das ist so, wenn die Strecke wie eine 8 verläuft. Und wer steht hier? Natürlich der Heiner - er weist die Läufer ein beziehungsweise begrüßt sie im Ziel. Eigentlich könnte ich jetzt den Bericht beenden, denn die zweite Runde ist identisch der ersten. Aber einiges möchte ich doch noch erwähnen. Zum Beispiel, dass mir kurz nach der Halbmarathonmarke Andreas entgegenkommt. Ich schreibe das ungern, aber er liegt damit satte zehn Kilometer vor mir. Wie peinlich! Naja, der ist aber auch fast 30 Jahre jünger.

“Dieses Mal fällt mir der Aufstieg zum Schloss etwas schwerer“

Am Anstieg zum Wald kommen mir diesmal die Läufer entgegen. Vereinzelt, aber eine schöne Möglichkeit, Läufer in Aktion für den Laufbericht zu fotografieren. Sogar der König kommt mir entgegen. Ein kleiner Trost, wenn sich schon Prinz Ernst August nicht hat sehen lassen. Dieses Mal fällt der Aufstieg zum Schloss etwas schwerer, aber es macht immer noch Spaß. Das Wetter passt. Ich habe alles richtiggemacht. Wer im T-Shirt gelaufen ist, wahrscheinlich nicht. Auch nicht, wer die Wintergarderobe angelegt hat.

Kurz vor Kilometer 31, also wieder bei Kilometer null, in Adensen, kommt mir Andreas erneut entgegen. Während ich noch 11 Kilometer vor mir habe, ist er im Auslaufmodus. Hat schon die Medaille umhängen, hat die Ziellinie in einer Zeit von 3:33:31 Stunden überquert. Eine sehr gute Zeit, aber zufrieden ist er trotzdem nicht. Zwei Sekunden langsamer würde auf der Urkunde besser aussehen, meint er. Aber Gesamtplatz 12 dürfte Trost genug sein.

“ Ehrgeiz beim Laufen ist eigentlich etwas, wovon ich kaum weiß, wie es geschrieben wird“

Andreas begleitet mich noch ein Stück. Wie er so ist, will er auf 45 Kilometer kommen. Und erzählt mir, Roland Berner und Pascal Walleit von der LG Bad Frankenhausen seien etwa einen Kilometer vor mir. Ich muss zugeben, Ehrgeiz beim Laufen ist eigentlich etwas, wovon ich kaum weiß, wie es geschrieben wird. Aber heute stachelt mich das an. Die Aufholjagd beginnt. Irgendwann sehe ich zwei Läufer vor mir, die haben keine Chance – aber leider sind es nicht Roland und Pascal. Ich laufe auf ein weiteres Läuferpaar auf – die sind es auch nicht.

Unterschätzt mich nicht! Wenige hundert Meter vor dem Ziel überhole ich das nächste Läuferpaar und diesmal sind es die richtigen. In 5:24:25 Stunden überqueren wir den Zielstrich und hätten sogar noch schneller sein können, aber da hätten wir uns nicht streiten dürfen, wer nun zuerst durch das niedliche Zieltor läuft. Medaille und Urkunde werden uns überreicht. Von wem, muss ich wohl nicht erwähnen. Heiner ist immer und überall. Übrigens, es lohnt sich hier eigentlich schon für die Medaille zu laufen. In Gold – wenn auch nicht ganz echt – bildet sie das Schloss Marienburg ab und ist nicht minder schön als dieses.

Es ist wohl ein Alleinstellungsmerkmal für diese Veranstaltung, dass hier auch die Helfer eine Medaille bekommen. Die haben sie sich wahrlich verdient. Natürlich hätten sie die auch bei manch anderer Veranstaltung verdient, aber da bekommen sie nun mal keine. Ich wäre dafür, dass sich das ändert! Ein Läufer bekommt sogar einen riesigen Pokal. Dafür musste Frank Berka vom 100 MC nicht mal gewinnen, sondern nur seinen 300. Marathon laufen. Ob auch Michael Kiene für seinen 500. Marathon einen Pokal bekommen hat, ich weiß es nicht. Als ich ins Ziel kam, war der wohl schon auf dem Heimweg.
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Autor: Günter Schmidt 13.12.2016

Hier finden Sie weitere Informationen zum Schloss-Marienburg-Marathon Nordstemmen 2016.

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