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Jörg Fischer beim Berlin-Marathon 2016 Schmerzen, Anfängerfehler und Glücksgefühle

RUNNER'S-WORLD-Leser Jörg Fischer berichtet uns von seinem schönsten Lauferlebnis, dem Berlin-Marathon 2016. Von Schmerzen, Anfängerfehlern und Glücksgefühlen.

Leser-Reporter Jörg Fischer beim Berlin-Marathon 2016 +
Foto: privat

Stolz und glücklich im Ziel: RUNNER’S-WORLD-Leser Jörg Fischer mit seiner Finisher-Medaille vorm Bundeskanzleramt in Berlin.

Zu meinem 50. Geburtstag wollte ich meinen ersten Marathon unter vier Stunden laufen. Beim Hamburg-Marathon 2015 gelang mir das in 3:38:24 Stunden. Es folgten der Lübeck-Marathon (3:27:34), ein Halbmarathon und zwei 10-Kilometer-Läufe. Durch meine Unerfahrenheit gönnte ich mir zwischen den Wettkämpfen allerdings zu wenig Regeneration. Ich war einfach zu heiß und wollte nur laufen.

Das Resultat war ein Piriformis-Syndrom mit erheblichen Schmerzen am Gesäß, zu dem sich später Achillessehnenschmerzen gesellten. Den geplanten Adventslauf über 26 km in Ratzeburg musste ich ausfallen lassen, dafür war ich in ständiger Behandlung bei meinen Physiotherapeuten. Das von ihm verhängte absolute Trainingsverbot hielt ich nicht ein, die Verletzungen konnte daher nie so richtig ausheilen.

Losglück bei der Berliner Startplatz-Verlosung

In der Zwischenzeit hatte ich bei der Verlosung zum Berlin-Marathon teilgenommen und glücklicherweise einen Startplatz erhalten. Nun war ich Feuer und Flamme, so dass ich mir auch gleich ein neues Ziel gesetzt habe: Ich wollte den Marathon in drei Stunden laufen. Die Trainingsphase über 14 Wochen mit sechs Trainingsläufen pro Woche begann.

Da meine Verletzungen mich immer wieder bremsten, musste ich erkennen, dass mein Ziel viel zu hoch gesteckt war. Ich schraubte es auf 3:15 Stunden herunter. Die Vorbereitung lief gut, die Verletzungen hatte im Griff, weil ich mittlerweile wusste, wie weit ich gehen kann.

Einmalige Atmosphäre am Start

Am 25. September 2016 war es endlich soweit. Ich stand nervös und voller Ungeduld im Startblock und wünschte mir sehnlichst den Startschuss herbei. Atmosphäre und Organisation waren spitzenmäßig. Vor dem Start wusste ich ganz genau, dass ich nicht zu schnell loslaufen darf. Als dann jedoch der Startschuss fiel, dachte ich überhaupt nicht mehr daran, denn ich wollte einfach nur laufen und Gas geben.

Bei Kilometer 13 spürte ich einen heftigen Schmerz in der Leistengegend. 14 Wochen Vorbereitung wären für die Katz gewesen, wenn jetzt hätte aufgeben müssen. Ich drosselte das Tempo. Nach drei bis vier Kilometern ließ der Schmerz nach, und ich atmete auf in der Hoffnung, den Marathon zu Ende laufen zu können.


Ein Motivationstief und der innere Schweinehund

Zur Halbmarathonmarke war ich eineinhalb Minuten schneller als geplant. Ab Kilometer 25 merkte ich, wie meine Kraft allmählich nachließ und ich langsamer wurde. Meine Wadenmuskulatur schmerzte, und mein Piriformis-Syndrom machte sich auch bemerkbar. Bei Kilometer 32 kamen Schmerzen in der Leistengegend dazu, auch um meine Achillessehne machte ich mir jetzt Sorgen. Meine Motivation sank fast auf den Nullpunkt.

Ab den 35. Kilometer sah ich immer mehr Läufer aussteigen. Auf meiner rechten Schulter hatte es sich mein innerer Schweinehund bequem gemacht, der mir immer wieder sagte, dass es überhaupt nicht schlimm sei, wenn ich auch aufhörte und mit den anderen zusammen bis ins Ziel ginge. Jetzt war nicht nur meine mentale Stärke auf den Nullpunkt gesunken, sondern auch noch meine Psyche, die mir immer wieder einredete aufzuhören.

Ich habe bei diesem Lauf die ganz neue Erfahrung gemacht, wie schwer es ist sich wieder mental aufzubauen. Erschwerend kam nun auch noch hinzu, dass meine Füße und vor allem die Zehen anfingen zu schmerzen. Meine Laufschuhe waren mir zwar eine halbe Nummer zu groß, aber ich dachte, dass es nicht so viel ausmacht. Bei den langen Läufen über 30 Kilometer hatte ich mit ihnen keine Probleme gehabt. Hier musste ich ordentlich die Zähne zusammenbeißen, um die Schmerzen zu ertragen.

Glücksgefühl am Brandenburger Tor

Jeder weitere Kilometer wurde zur Qual, und ohne die Anfeuerungsrufe vom großartigen Publikum hätte ich den Lauf wohl nicht bis zum Ende durchgehalten. Die Zuschauen machten wirklich eine sehr gute Stimmung und rissen die Läufer mit. Als ich dann durch das Brandenburger Tor gelaufen bin, überkamen mich unbeschreibliche Glücksgefühle, dass ich den Marathon trotz all der Schmerzen und Anfängerfehler doch schaffte. Ein Blick auf die Uhr nach dem Zieleinlauf sagte mir, dass ich trotz allem meine persönliche Bestzeit in 3:23:27 Stunden gelaufen war.

Nachdem ich bei meiner Frau angekommen war, sind wir zu Fuß zum Hotel gehumpelt. Bei ihr bedanke ich mich für all die Stunden, die sie während der Marathonvorbereitung auf mich verzichten musste, und dafür, dass sie mir immer wieder neuen Mut zu gesprochen hat, wenn ich über meine Verletzungen geklagt hatte.

Unter die Dusche im Hotel stellte ich mit Schrecken fest, dass ich sechs blaue Zehennägel und zwei Blutergüsse hatte. Jetzt folgt für mich wirklich mal eine längere Regenerationspause, damit ich die Verletzungen richtig auskurieren kann. Die ersten Termine beim Physiotherapeuten sind gemacht, und ich hoffe, dass ich dem Drang und der Sucht zum Laufen standhaft widerstehe.
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Autor: Jörg Fischer 08.11.2016

Hier finden Sie weitere Informationen zum Berlin-Marathon 2017.

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