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Leser-Reporter Schulter an Schulter mit dem Trämchen beim Basler Stadtlauf

Leser-Reporterin Andrea Ellenberger lief den Basler Stadtlauf. Erst stockte die Startnummern-Ausgabe, doch hinterher war sie einfach nur glücklich.

Leserreporter Basler Stadtlauf Andrea Ellenberger +
Foto: Andrea Ellenberger

Andrea Ellenberger, Mutter von zwei Kindern, findet immer nur abends Zeit zum Laufen, wenn die Kinder im Bett sind.

Am Basler Bahnhof war nichts zum Thema Stadtlauf angeschrieben, so setzte ich mich einfach mal in ein Trämli, als ich die ersten Läufer ortete. Mit ihnen stieg ich aus und folgte dem Strom zu meinem dritten Lauf im ersten Wettkampfjahr.

Danach kam es zu einer regelrechten Schnitzeljagd. Gemeinsam mit einer anderen Laufverrückten fragten wir uns zur Startnummerausgabe durch. Was sich bei 9.000 Leuten als durchaus schwierig erwies. Die Hinweistafeln waren jeweils geschickt hinter den Menschenmassen verborgen. Eine Uroma pfurrte mich an, weil ich in ihr Wägeli samt Urenkel gestolpert bin. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen, was musste sie auch ins Menschengetümmel mit Kind und Wagen.

Die Startnummerausgabe war auch ein Fall für sich. Im stockenden, langsamen Tempo ließ ich mich in die obere Halle stoßen (nicht nur auf der Autobahn kann es stauen). Die obere Halle bot nur die Zahlen bis 8.000, so stand ich in der Kolonne in der unteren Halle an (bei den Nachmeldungen), um dann wieder in die obere Halle geschickt zu werden. Dort fand ich dann meine Startnummer ab 8.000.

Wäre ich zwei Minuten länger in der oberen Halle geblieben, hätte ich die Nummer gleich gefunden. Aber ich war schon seit dem Nachmittag so nervös und kribbelig. Mitten in den Menschenmassen Startnummer und Umkleidekabinen suchen, half mir auch nicht, ruhiger zu werden. Ich hatte die Startnummer 10020 und mit dieser bestückt, verließ ich samt Sporttasche, Winterkleider und dem ersten Schweiß die Halle. Beim Postzelt erbat ich für meine beiden Jungs zwei Ballons (etwas zum Spielen, Spannung ohne Schokolade!). Damit kämpfte ich mich als nächstes quer über die Lauflinien zu den Umkleidekabinen durch. Ich überquerte den Wettkampf der Kleinen und verärgerte schätzungsweise 120 Eltern und Angehörige. (Die mit dem Péret, den zwei quitschgelben Post-Ballons, der Sporttasche und dem Wintermantel, war ich. Entschuldigt!).

Danach stürzte ich mich durch den Weihnachtsmarkt, um dann beim Barfüsserplatz wieder aus den Passanten zu stolpern. Als Landei bin ich immer begeistert von Weihnachtsmärkten und dem Angebot der Städte, dieses Mal allerdings war ich völlig auf den bevorstehenden Lauf konzentriert und all die Futtermöglichkeiten ließen mich kalt. Die Umkleidekabinen waren in einer anderen Turnhalle weiter oben. Dort gab es dann zahlreiche Möglichkeiten zum Umziehen. Die anstehenden Damen vor den Toiletten waren allerdings noch zahlreicher. Da ich jeweils 2 Stunden vor dem Lauf aufhöre zu trinken, musste ich während dem Lauf von keinem Toilettenhäuschen Gebrauch machen. Aber ich fand es beruhigend, dass ein paar an der Laufstrecke warteten (für den Fall...).

Es blieben mir noch 20 Minuten bis zum Start. Da ich auf keinen Fall frieren wollte, entschloss ich mich zu Langarm-Shirt und Gilet. Das Gilet ist vor allem beim Training meine Lebensversicherung. Unter Menschen dient es dem Kaschieren meiner „Röllchen“. Bei einem der Stände bekam ich noch gratis so ein Anklippgurt für meine Startnummer. Der war super, so kann ich nun immer die Nummern ohne Sicherheitsnadeln befestigen. Meinen Start hatte ich beinahe verpasst. Es standen viele Läuferinnen der Kategorie F 20 herum und ich traute mich nicht so richtig dazu. Aber sie starteten ebenfalls um 17:53 Uhr also mit meiner Kategorie zusammen.

Der Start war nur ein paar Meter tröpfelnd, danach konnte man gut rennen. Bald schon überholte ich die Ersten und machte mir Gedanken zu meinem Tempo. Das Laufen fühlte sich gut an. Der einzige Laufschatten der mich verfolgte, war mein eigener. Durch die vielen verschiedenen Beleuchtungsquellen gab es immer Schatten aller Art. Da ich normalerweise mit dem kleinen Lichtkegel meiner schwachen Stirnlampe als lichtscheuer Wald-, Feld- und Wiesenläufer unterwegs bin, also quasi im völligen Dunkeln laufe, musste ich mich zuerst ans Blitzlichtgewitter und die Scheinwerferflut gewöhnen. Unglaublich, wie viel fotografiert wurde (allerdings fand ich dann nirgends ein Foto von mir, die hatten wahrscheinlich kein Breitbild).

Im mittleren Teil der Strecke lief ich konsequent hinter zwei Damen, die etwas schneller als ich waren. Diese hängte mich allerdings im letzten Teil auf der Brücke (Steigung) ab. Ich war schlau genug auf mich selbst zu hören und war zufrieden immer noch Leute überholen zu können. So ein Stadtlauf bietet viel, eine schöne Weihnachtsbeleuchtung ebenso wie schöne Rauchwolken von Zuschauern und unbeteiligten Passanten. Vor allem der aromatische würzige Geruch der Skateboarder ließ mich überlegen, ob man mit Hasch dopen kann oder nicht.

Vier Mal ging es über Brücken, zum Teil Schulter an Schulter mit dem Trämchen, das gerne 20 cm mehr Abstand gehabt hätte. Auf den letzten Metern gab es dann wieder Abwechslung in Form der frisch gestarteten Männer und vielen flotten Sprüchen. Ein als Obelix verkleideter Läufer sorgte für viele lustige Bemerkungen (mit offenen Pantoffeln!). Mein Tempo stieg und auf den letzten paar Metern gab ich noch einmal richtig Gas. Ich dachte mir, dass ich alle, die ich nun überhole, hinter mir auf der Liste habe. Im Training hatte ich für diese Strecke noch 40 Minuten gebraucht nun ging ich bei 36 Minuten durchs Ziel und war einfach nur glücklich.

Auf dem Rückweg zur Umkleide, nahm ich zum ersten Mal bewusst die schöne Weihnachtsbeleuchtung in den dunklen Gässchen war. Die Duschen waren frei, meine Sportsachen unberührt und die Ballons noch an Ort und Stelle. Es gab ein Massageteam von 4 Nasen, die gegen einen geringen Obolus massierten. Es war wunderbar. Auf der Heimfahrt im Zug wurde ich von einer Familie, die auch teilgenommen hatte, auf meine Ballons angesprochen. Ob ich was gewonnen hätte oder wie ich diese verdient hätte? Tja, ich war Erste meiner Gewichtsklasse!



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Autor: Andrea Ellenberger 02.12.2012
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