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Erfahrungsbericht Martin Hammer-Zobernig Tough Guy Race Wolverhampton 2013

Im englischen Wolverhampton startete Martin Hammer-Zobernig beim Tough Guy Race. Dabei: Matsch, Hürden, Strom und ein Teich, auf dessen Eisschicht er tags zuvor noch stand.

Tough Guy Race 2013 +
Foto: privat

Martin Hammer-Zobernig im Ziel beim Tough Guy Race 2013.

THEMEN

Hindernislauf

Das aufgeklebte Startnummerntattoo ist verblasst, die Kleidung klebt beim An- und Ausziehen nicht mehr an den Schürfwunden, der Puls hat sein Taktgefühl wiedergefunden und die Adrenalinausschüttung hat sich soweit reduziert, dass der Kopf langsam zu fassen kriegt, was da auf der Perton Farm gelaufen ist. Der Klimawandel hat die Westmidlands erreicht. Die zwei Wochen vorher prognostizierte Kältewelle ist vorbeigezogen, die Sonne scheint, es hat sieben Grad und der Wind lässt langsam nach. Der Start des Spitzenfelds verläuft etwas verwirrend, weil der Pöbel die Frechheit besitzt, unmittelbar danach loszurennen, und nicht den vereinbarten zweiminütigen Respektabstand einhält. Scheinbar ist es auch für mich an der Zeit, langsam von der Rolle des Zuschauers in die des Teilnehmers zu schlüpfen. Als so genannter „Wetneck“ sollte ich wiederum einen gewissen Respektabstand zum Pöbel einhalten. Was der kann, kann ich aber schon lange, und nachdem sich mir kein weiteres System erschließt und bereits weitere Grünschnäbel an mir vorbeilaufen, beweise ich Mut zur Lücke und starte. Aufwärmen? Sinnlos! Ein Kaltstart tut es auch. Die Taktik ist klar – Tempo machen, so gut und lange es möglich ist. Ich nehme also den Schwung vom Starthügel mit, betrachte die Läufer vor mir als erste Hindernisse und schlinge mich geschickt zwischen ihnen durch – ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert! Das tut er genau zwei Minuten. Bevor die Zeitnahme anfängt, staut es sich zum ersten Mal. Ich komme also doch noch zum Aufwärmen. Aus dem Stau wird zähfließender Verkehr und bald ist die Bahn wieder einigermaßen frei. Die Taktik bleibt bestehen, ein paar „exkjus mi“s später muss die erste wichtige Entscheidung getroffen werden: links oder rechts über das erste echte Hindernis, den hundert Meter langen Schlamm-Hürdenlauf?
Tough Guy Race 2013 +
Foto: privat

Durch den Schlamm und unter Stacheldraht hindurch - eine der Herausforderungen beim Tough Guy Race.

Tough Guy Race 2013: Unfreiwillig im Moorbad gelandet

Ich entscheide mich falsch. Das Schlammbad danach tut seine entschleunigende Wirkung. Ein paar Läufer beschließen, wenn auch nicht freiwillig, sich dem Moorbad hinzugeben, die „exkjus mi“a werden zu „sänk ju“s. Auf den folgenden Countrymiles starte ich die nächste Attacke, komme dank meiner Crossfits mit dem rutschigen Untergrund ganz gut zurecht. Ich sollte erst später erfahren, dass sich rutschig anders anfühlt. Die erste Verpflegungsstation befindet sich nur drei Meter von unserem Wohnmobil entfernt – sich dahin zurückzuziehen, steht nicht zur Debatte. Elegant schwinge ich mich mitsamt der Wasserflasche über das Hindernis und setze zu meinem nächsten Angriff an. Leider kann ich davon nicht meinen ganzen Körper überzeugen. Während Kopf, Kreislauf und Muskulatur top-motiviert sind, beschwert sich mein Seitenband plötzlich schmerzvoll darüber, dass ich es zu wenig aufgewärmt hatte. Ich verspreche dem Seitenband, einfach schnell weiterzulaufen, damit es auch ihm warm wird – es ist zum Glück einverstanden.

Dem Warnschild vor Eingängen zu den Erdbauten der Hasen auf den Rabbit Hills wird durch das schmerverzerrte Gesicht des umgeknickten Läufers nochmal Nachdruck verliehen. Er hat sich zum Glück aber nicht wirklich verletzt und kann weiterlaufen. Beim Slalom braucht man ob des rutschigen Untergrunds mittlerweile länger, um den Hang neunmal auf allen Vieren hoch und auf dem Allerwertesten wieder runter zu kommen. Das war es dann wohl mit dem geplanten Boden-Gutmachen. Da wird mir klar, worum es bei diesem Rennen in Wirklichkeit geht. Zumindest bei uns Hobbyläufern, die nicht von der Front Squad aus um Sekunden und Platzierungen kämpfen, sondern lediglich gegen uns selbst. Und das gelingt am besten gemeinsam. Als es zu hageln beginnt, fängt irgendjemand aus der Menge „Always look on the bright side of life“ zu singen an, und hunderte Läufer stimmen mit ein. Von dieser genialen Stimmung beflügelt, geht es vom Slalom weiter in den Bärenwald. Es ist ein leichtes, unter den Netzen durchzukriechen und die paar Hürden zu nehmen. Platsch – raus aus dem Bärenwald und rein in den ersten Tümpel, kurz zurück auf die Countrymiles, um zum ersten wirklichen Wasserhindernis zu kommen. Ein Kanal muss im Zick-Zack durchquert werden, ich zähle allerdings nicht mit, wie oft ich ins Wasser springe und wieder rauskrabble.

Es geht ans Eingemachte. Zu Beginn der "Killing Fields" wartet meine motivierende, anfeuernde und fotografierende Freundin Verena auf mich. Sie dokumentiert meine gute Laune, die Überquerung des "Tiger I", einer zehn Meter hohen Pyramide, und meinen Frustschrei, als es durch die mit 18 Volt spannungsgeladenen, herunterhängenden Fäden geht. Weiter geht’s, rauf auf den "Tiger II", runter, Motivationskuss abholen, trinken und schlucken. Nicht wegen des Wassers, das ich meinem Körper zuführe, sondern wegen meines Körpers, den ich dem Wasser zuführe. 200 Meter durch den künstlichen Teich, auf dem ich Tags davor noch stand – so dick war die Eisschicht darauf. Die herumtreibenden Eisschollen malträtieren mein Knie und mein Schienbein, nach den ersten 50 Metern spielt das keine Rolle mehr. Fühlten sich meine Beine anfangs noch an wie Hände beim Eiskratzen ohne Handschuhe, spüre ich nun meine Beine garnicht mehr. Ich lege die Latte für die Verwendung des Begriffs „prinzessinnenkalt“ nach dieser Erfahrung sehr hoch.
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Autor: Martin Hammer-Zobernig 07.04.2015

Hier finden Sie weitere Informationen zum Tough Guy Race Wolverhampton 2016.

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