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LA-WM in Peking Überraschungs-Gold im Marathon für Ghirmay Ghebreslassie

Der Eritreer Ghirmay Gehbreslassie gewinnt überraschend Marathon-Gold, die Favoriten gingen leer aus.

Ghirmay Gehbreslassie +
Foto: photorun.net

Der neue Weltmeister Ghirmay Ghebreslassie kurz vor dem Stadion in Peking.

Mit einer faustdicken Überraschung begannen die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking: Der neue Marathon-Weltmeister heißt Ghirmay Ghebreslassie und kommt aus Eritrea. Der erst 19-Jährige, der keine Verbindung mit dem äthiopischen Superstar Haile Gebrselassie hat, gewann das Rennen in 2:12:28 Stunden vor Yemane Tsegay (Äthiopien/2:13:08 Stunden) und Munyo Mutai (Uganda/2:13:30 Stunden). Während der Italiener Ruggero Pertile in 2:14:23 Stunden einen starken vierten Platz belegte, war es kein Tag der großen Favoriten. Mit Ausnahme von vielleicht Yemane Tsegay hätte man keinen der ersten vier Läufer auf diesen Plätzen erwartet. Dieses Ergebnis zeigt auch die Unberechenbarkeit eines Meisterschaftsrennens im Hochsommer.

Frühzeitiges Aus für Kimetto und Kipsang

So beendeten Weltrekordler Dennis Kimetto und sein kenianischer Landsmann Wilson Kipsang das Rennen vorzeitig. Titelverteidiger und Olympiasieger Stephen Kiprotich (Uganda) wurde hinter Shumi Dechasa (Bahrain/2:14:36 Stunden) immerhin Sechster mit 2:14:43 Stunden. Auf Rang sieben folgte der aktuelle Boston-Marathon-Sieger Lelisa Desisa (Äthiopien) mit 2:14:54 Stunden. Deutsche Läufer waren im Marathon nicht am Start.

Für Ghirmay Ghebreslassie, der seine Bestzeit im April als Zweiter des Hamburg-Marathons mit 2:07:47 Stunden aufgestellt hatte, war es der erste Medaillengewinn seiner Karriere. „Es ist die erste Marathon-WM-Goldmedaille in Eritreas Leichtathletik-Geschichte, und das ist natürlich etwas ganz besonderes für mich“, erklärte der jüngste Marathon-Weltmeister in der Historie dieser Titelkämpfe. Es war aber nicht die erste Goldmedaille für Eritrea bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften, denn Zersenay Tadese, der bisher bekannteste Läufer des Landes, hatte mehrfach die Halbmarathon-WM für sich entschieden.

Hohe Temperaturen von anfangs 24 und später rund 30 Grad Celsius machten es den Läufern ebenso wie eine hohe Luftfeuchtigkeit schwer. Kein Problem war dagegen die in der Regel stark verschmutzte Luft in Peking. Der Autoverkehr war in den Tagen vor den Titelkämpfen stark reduziert worden, viele Fabriken wurden geschlossen.

Die Italiener Meucci und Pertile zeigen sich an der Spitze

Nach einem erwartungsgemäß langsamen Beginn wurde der 5-km-Punkt in 16:06 Minuten passiert. Dies entspricht einem Tempo von 2:16 Stunden. In der Folge zog sich das Feld von 66 Läufern etwas auseinander, 37 Athleten formten eine lang gezogene Spitzengruppe. Nach gut 17 Kilometern zeigten sich die großen Favoriten erstmals ganz vorne: Der Boston-Marathon-Sieger Lelisa Desisa (Äthiopien), der Weltrekordler Dennis Kimetto sowie dessen Landsleute Wilson Kipsang und Mark Kiptoo (alle Kenia) liefen in einer gut 20-köpfigen Spitzengruppe. In der Folge waren es dann aber zunächst zwei Italiener, die das Tempo bestimmten und sich zeitweise wenige Sekunden absetzen konnten: Der amtierende Europameister Daniele Meucci und Ruggero Pertile.
Ruggero Pertile +
Foto: photorun.net

Der Italiener Ruggero Pertile belegte als bester Europäer einen glänzenden vierten Rang.

An der 25-km-Marke, die die Spitze der Gruppe nach 1:19:16 Stunden erreichte (das Tempo lief nun auf eine Endzeit von 2:13:50 hinaus), zeichnete sich schon ab, dass sich der Traum der Kenianer, in Peking alle drei Medaillen zu gewinnen, nicht erfüllen würde. Weltrekordler Kimetto, der in Berlin im vergangenen Jahr 2:02:57 Stunden gelaufen war, lag ganz am Ende der Gruppe und fiel kurz darauf ebenso zurück wie sein Landsmann Mark Kiptoo, der im vergangenen Jahr den Frankfurt-Marathon gewonnen hatte und in Peking am Ende Rang 22 belegte. Und es sollte noch schlimmer kommen für die Kenianer bei der ersten Langstrecken-Entscheidung dieser WM: Der zweifache London-Marathon-Sieger und ehemalige Weltrekordler Wilson Kipsang fiel einige Kilometer später auch noch zurück und beendete das Rennen ebenso vorzeitig wie Dennis Kimetto.

Außenseiter aus Lesotho wagt Flucht nach vorne

An der Spitze setzte sich währenddessen zunächst ein Außenseiter ab: Tsepo Ramonene aus Lesotho, der mit einer Bestzeit von 2:16:21 Stunden ins Rennen gegangen war, hatte an der 30-km-Marke (1:35:02 Stunden) einen Vorsprung von 13 Sekunden, den er zunächst noch auf 20 Sekunden ausbauen konnte. Erwartungsgemäß konnte er diese Position jedoch nicht halten und fiel noch auf Rang 14 zurück.

Nicht erwartet hatte man jedoch, dass es dann Ghirmay Ghebreslassie (Eritrea) war, der an die Spitze lief und Ramonene kurz nach der 35-km-Marke überholte. Die Verfolgergruppe war auseinander gebrochen. Einem Läufer gelang es, noch einmal zu dem Läufer aus Eritrea aufzuschließen: Yemane Tsegay. Man hätte annehmen können, dass der erfahrene 30-Jährige, der bei seinem Sieg in Rotterdam 2012 mit 2:04:48 Stunden seine Bestzeit aufgestellt hatte, in diesem Jahr Zweiter beim Boston-Marathon war und bei vergangenen Weltmeisterschaften bereits die Ränge vier (2009) und acht (2013) belegt hatte, nun das Rennen für sich entscheiden würde. Doch dem war nicht so. Tsegay schaute sich immer wieder um und schien Probleme zu haben. Nach wenigen Minuten konnte er nicht mehr mithalten mit dem Überraschungsmann dieses Rennens, Ghirmay Ghebreslassie.

Unklarheit über Ende des Marathon-Rennens

Auch einige organisatorische Patzer konnten Ghirmay Ghebreslassie nicht mehr aufhalten. Kurz vor dem Stadion war dem Läufer nicht gleich offensichtlich, welchen Weg er einschlagen musste. In der Arena mussten die Athleten dann einen Bogen um eine Werbetafel im Bereich des 100-m-Startes machen. Da zudem ein Zielband fehlte, war nicht klar, ob nach 100 Metern Schluss ist oder noch eine Runde zu laufen ist. Viele Athleten liefen weiter, in der Annahme, dass noch 400 Meter zu absolvieren seien. Dadurch entstanden auch keine entsprechenden Zielfotos mit jubelnden Medaillengewinnern.

Ein Novum gab es bei diesem WM-Marathon zudem, weil es in der Anfangsphase einem ambitionierten Hobbyläufer gelang, sich an die Spitze des Feldes zu setzen. Mehrere andere rannten zudem in der Spitzengruppe. Die Veranstalter hatten unmittelbar hinter dem WM-Rennen einen 10-km-Volkslauf mit rund 10.000 Teilnehmern gestartet, jedoch nicht genügend Abstand zu den Marathonläufern eingeplant. Fast fünf Kilometer lang konnte dadurch ein unbekannter Athlet an der Spitze des WM-Marathons laufen.
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Autor: race-news-service.com 24.08.2015
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