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Leser-Reporterin Julia Schmidt Ultra-Abenteuer bei der Night52 Bretten 2014

Bei der Night52 in Bretten lief Leser-Reporterin Julia Schmidt ihren ersten Ultra-Lauf, aber sicher nicht ihren letzten.

Ich habe noch die Worte der Ärztin in der Notaufnahme nach einem Rennradunfall im Ohr, als wäre es gestern gewesen. „Patellafraktur im rechten Knie, erst das CT wird das Ausmaß der Verletzung zeigen“. Sie glaube jedenfalls nicht daran, dass mein Bein wieder vollständig gesund wird. Knapp 2 Jahre später sollte ich ihr bei meinem ersten Ultra-Lauf über 52 Kilo-meter das Gegenteil beweisen.
Leser-Reporterin Julia Schmidt nach einem Rennradunfall +
Foto: privat

Leser-Reporterin Julia Schmidt nach einem Rennradunfall. Knapp zwei Jahre später lief sie bei der Night52 in Bretten ihren ersten Ultra-Lauf.

Idee zum Ultra-Lauf

Die Idee hierzu entstand in einem eher beiläufigen Gespräch bei der üblichen 10-km- Runde des Lauftreffs Karlsruhe Ende des Jahres 2013.Eigentlich war es auch gar nicht meine eigene Idee, ich selbst hätte mir niemals träumen lassen, jemals mehr als einen Marathon zu laufen. Auf den Gedanken brachte mich meine Laufbegleiterin und erfahrene Ultra-Läuferin Monika, die auf der üblichen Laufrunde von ihrem neuesten Vorhaben erzählte. Moni hatte sich vorgenommen im April 2014 den Jurasteig nonstop Ultratrail (Junut) mit einer Gesamtlänge von 230 km und 7.000 Höhenmetern zu bewältigen. Allein bei der Vorstellung wurde mir schwindelig, einfach Wahnsinn!

„Wenn ich mal einen Ultra laufe, würde ich vor Stolz platzen!“ brachte ich noch hervor.
„Das kannst du auch, ich kenne einen Ultra-Lauf in Bretten, der ist wunderschön und hat auch nur 52 Kilometer“ antwortete darauf Moni. An einen Marathon nochmal 10 Kilometer dranhängen fand ich dann aber schon ziemlich heftig und konnte über ihren Vorschlag nur etwas eingeschüchtert kichern. Allerdings ließ mich die Idee nicht mehr los und nachdem Moni mir versprochen hatte, den Ultra gemeinsam mit mir zu laufen, meldete ich mich kurzerhand am 31.12.2013 mit guten Vorsätzen für das kommende Jahr bei der Night52 in Bretten an.

Anspruchsvolles Höhenprofil bei der Night52

Hätte ich mal nur genauer hingesehen und die 900 Höhenmeter bei der Night52 nicht übersehen, nachdem meine gewohnte Laufrunde doch flach ist! Ich war also froh, dass Moni, Rüdi und Petra, zwei weitere Ultraläufer des Lauftreffs, mich an Fasching zum ersten Mal auf einen ihrer Trainingsläufe im Karlsruher Umland mitgenommen haben. Zum Glück hatte ich schon im Vorfeld angekündigt, nicht die ganze Runde mitzulaufen, da mein Trainingszustand zu diesem Zeitpunkt hierfür noch nicht ausreichte. Völlig erschöpft beendete ich diesen Lauf dann auch nach 25 Kilometern vorzeitig und fuhr mit der Stadtbahn nach Hause. Dort lobten die Mitreisenden mein „Kostüm“ - sich für den Karneval als Läufer zu verkleiden wäre sehr kreativ. Doch der Spaß an den langen Läufen mit Höhenmetern, aber auch der Ehrgeiz war geweckt. Das Schönste war: Ich hatte Mitstreiter, die mich motivierten und mit denen ich nahezu jedes Wochenende gemeinsam laufen war.
Leser-Reporterin Julia Schmidt berichtet von der Night52 Bretten 2014 +
Foto: Veranstalter

Einer der entspannten Momente der Night52 Bretten.

Schnell umfasste mein wöchentliches Laufpensum um die 70 Kilometer und auch die Hö-henmeter machten mir immer weniger zu schaffen. Das lag zu einem großen Teil wohl an der wunderbaren Gesellschaft, in der die Kilometer nur so dahinflogen. Die Läufe waren zwar immer sehr anstrengend, aber einfach herrlich. Mittlerweile konnte ich mich auch dem ersten Vorbereitungswettkampf in den Vogesen stellen (La MAC 6). Die Strecke über 26 Kilometer mit 1.200 Höhenmetern hatte mir Anfang des Jahres noch Sorgen gemacht, doch als ich am Start stand, überwog die Vorfreude und während des Laufs kamen mir die vielen Trainingskilometer zugute. Auch wenn ich während der Trainingsläufe oft gejammert habe, sie haben mir unzweifelhaft sehr viel gebracht.

Nachtmarathon als Vorbereitung

Die Generalprobe für meinen ersten Ultra-Lauf war der Nachtmarathon in Karlsruhe, welchen ich als Vorbereitungswettkampf eingeplant habe. Das hätte nicht besser laufen können: Ich konnte nicht nur meine persönliche Marathon-Bestzeit des Vorjahres trotz 450 Höhenmetern auf den ersten 17 km und in der Dunkelheit über Stock und Stein um 11 Minuten verbessern, sondern kam auch nach 03:45:45 als erste Frau im Ziel an. Jetzt war mir klar, dass der Night52 auf alle Fälle möglich ist, auch wenn es ein hartes Stück Arbeit werden würde. Doch mein Ziel war klar: Ich will finishen!

Unaufhaltsam rückte der Termin der Night52, meines ersten Ultras, näher und mit jedem Tag wuchs die Nervosität. Der größte Trost war, dass Moni mit mir laufen würde. Diese Vorstellung beruhigte mich ungemein, eine erfahrene und liebe Person an meiner Seite zu haben, mit der ich mich gut verstehe. Und: Der Kreis würde sich schließen, denn sie hatte die ausschlaggebende Idee zu meinem Abenteuer. Und gäbe es hier ein passenderes Happy-End, als dann gemeinsam über die Ziellinie zu laufen?

Heißer Start bei der Night52

Und so stellten wir beiden uns am 19.07.2014 um 17.45 Uhr bei „milden“ 34 Grad an den Start und liefen unter dem Jubel meiner treuen Fans, bestehend aus meinen Eltern und meinem Freund, in die Hitzeschlacht. Die ersten 20 Kilometer machte uns die niederbrennende Sonne schwer zu schaffen und wir ließen keine Gelegenheit aus, uns mit Wasser zu erfrischen und abzukühlen. Schnell beschlossen wir, dass wir die Anstiege nicht laufen, sondern gehen würden.

So hangelten wir uns langsam aber stetig von Kilometer zu Kilometer, unterbrochen nur von den langen Pausen bei den Verpflegungsstationen, an denen wir das köstliche und reichhal-tige Angebot ausgiebig nutzten. Dort trafen wir dann auch auf einige der 107 Mitläufer, von denen lediglich 81 den Lauf auch tatsächlich beendeten.

Auch der Mähdrescher neben der Laufstrecke, welcher uns bei Kilometer 25 in eine dicke Staubwolke hüllte und unsere Haut mit einem Millimeter dicken Schmutzfilm überzog, konnte unserer guten Laune nur kurz etwas anhaben.

Mehr als Marathon

Nach 43 Kilometer freuten wir uns noch zusammen über meinen ersten Lauf über die Marathondistanz hinaus. Ein überwältigendes Gefühl, dass ich das tatsächlich geschafft habe. Zugegeben, es wurde dann unglaublich hart und mit meiner psychischen und physischen Verfassung ging es von nun an rapide bergab. Doch genau das ist ja das Interessante daran - die Erkenntnis, dass der Kopf sehr wichtig ist, um eine solche Distanz zu bewältigen.

Zu den erwarteten brennenden Muskeln gesellten sich Seitenstechen und die Fortsetzung der Unterhaltung mit Moni war nicht mehr möglich. So zogen sich die letzten Kilometer hin wie Gummi, immer wieder mussten wir Gehpausen einlegen. Aber mein Ziel verlor ich nie aus den Augen:“Ich will einen Ultralauf finishen!“

Jetzt nicht aufgeben

Mit viel gutem Zureden und tatsächlichem Anschieben gelang es Moni, mich zum Weiterlaufen zu bewegen, denn „umdrehen wäre jetzt auch blöd“. Und dann passierten wir auch schon das 50 Kilometer Schild und wurden von den Besuchern der diversen Cafés in der Brettener Altstadt angefeuert. Da ich aber schon längst im Selbstmitleid badete, bekam ich die Motivation nur noch am Rande mit, meine Gedanken waren allein bei den Stühlen, auf denen die Leute saßen. Wie gerne hätte ich mich einfach hingesetzt und plötzlich erschienen mir 2 Kilometer unendlich lang.

Endlich erreichten wir das Stadion, welches man wie bei so vielen Läufen einmal umrunden muss, um ins Ziel zu gelangen. Das waren vermutlich die längsten und schwersten 400 Meter meines Lebens, die stimmungsvolle Beleuchtung durch Fackeln konnte ich in diesem Augenblick nicht würdigen. Schön, dass Moni meine Hand nahm und mich nach 05:43:11 Stunden endlich über die Ziellinie gezogen hat. Es war ein unvergessliches Erlebnis und wir schwelgen auch heute noch in der Erinnerung daran.

Nicht der letzte Ultra

Meine Lehre aus diesem Abenteuer lautet: Ich habe viel erlebt, viel über mich gelernt und finde es unfassbar, wozu man fähig ist, wenn man es wirklich will. Zugegeben, die vielen Trainingsläufe in den vergangenen Monaten waren nicht immer schön, aber sie haben mich dahin gebracht, wo ich unbedingt hin wollte, und zwar über die Ziellinie. Und eines ist klar: Das war mit Sicherheit nicht mein letzter Ultra-Lauf!
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Autor: Julia Schmidt 11.09.2014

Hier finden Sie weitere Informationen zum Night52 Bretten 2015.

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