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Leserreporter Günter Schmidt Vollmond-Marathon zu Ostern

Leserreporter Günter Schmidt lief bei herrlichem Frühlingswetter den Berliner Vollmond-Marathon in der Osteredition.

Vollmond-Marathon Osteredition +
Foto: Günter Schmidt

Zusammen mit Ralf Welzel lief Leserreporter Günter Schmidt einen Teil der Strecke des Berliner Vollmond-Marathons 2016 in der Osteredition.

Der Uli, also Frank-Ulrich Etzrodt, der hat was drauf! Der könnte eigentlich Vorträge halten. Aber nein, das macht er ja schon. Als wir das Vereinshaus der Kleingartenkolonie „Am Hohenzollernkanal“ betreten, hält er so eine Art Diavortrag über die Gefahren eines Marathonlaufs in der Hauptstadt. Da staunen die Provinzler: Wir können uns verlaufen, überfahren werden oder gar in den Hohenzollernkanal fallen. Aber nur, wenn wir nicht aufpassen.

Uli könnte aber auch Vorträge vor Marathon-Veranstaltern halten. Das Thema: Wie verdopple ich die Teilnehmerzahl einer Laufveranstaltung innerhalb eines Jahres. Denn während viele Veranstalter mit zurückgehenden Teilnehmerzahlen kämpfen, hat Uli die Teilnehmerzahl bei der Osteredition des Berliner Vollmondmarathons mehr als verdoppelt. Im Vorjahr waren wir 19 Läuferinnen und Läufer, in diesem Jahr 46! Wie man so etwas schafft? Es ist eigentlich ganz einfach: Man nehme eine interessante Strecke, dazu einen Termin wie Ostern, an dem kein vernünftiger Mensch Marathon läuft und baut darauf, das jene, die im Vorjahr dabei waren, überall erzählen wie schön es war. Und es ist unglaublich, wie weit sich die Botschaft vom schönen Oster-Vollmondmarathon herumgesprochen hat. Läufer aus Hongkong, Island, Russland, Frankreich und Belgien sind am Start. Und selbst das Besen-Fahrrad ist international besetzt mit Gemma aus Teneriffa.

Zum Startpunkt einen Kilometer wandern

Die Atmosphäre am Start ist fast familiär. Man kennt sich aus dem Vorjahr oder von anderen Läufen. Es gibt viel zu erzählen, der Winter war lang. Start ist 10 Uhr. Aber was die Läufer hier lustig finden, würde man wohl bei anderen Läufen als Schikane betrachten. Einen Kilometer müssen wir wandern, bis wir den Start an der Mäckeritzbrücke Brücke erreichen. Und wen erblicke ich dort? Günter Hallas! Was, den kennen Sie nicht? Das ist schwach... Denn er hat etwas geschafft, was kein anderer mehr schaffen kann - nicht mal ein Kenianer. Er hat den 1. Berlin-Marathon gewonnen!

Wer es nicht weiß, Uli ist selbst Marathonläufer. Daher weiß er auch, was Marathonläufer am Start erwarten – ich zum Beispiel das Rennsteig-Lied. Und das hat er auch mitgebracht, es erklingt aus einem Recorder. Ein Hauch von Rennsteiglauf erfasst mich, ich schaue nach oben. In Neuhaus würde jetzt der Hubschrauber kreisen... Aber das bekommt der Uli auch noch hin.

Die ersten zwei Kilometer laufen wir auf einem Radweg. Kein gewöhnlicher, es ist der Europafahrradweg Berlin – Kopenhagen. Links von uns der Hohenzollernkanal, rechts Kleingärten. Man läuft durch Berlin – und merkt es gar nicht! Oder anders ausgedrückt: man läuft dort durch Berlin, wo sich die Berliner erholen. Und wo es so gefährlich ist – wie uns Uli in seinem Vortrag gewarnt hat. Aber da hat er wohl ein wenig übertrieben. Zwischen Brückenpfeiler und den Fluten des Hohenzollernkanals bleiben unter unseren Füßen immerhin noch 70 Zentimeter fester Boden – alle haben es überlebt.

Von einem singenden Läufer überholt

Kurz nach dem Abenteuer Brücke werde ich überholt. Nichts seltenes, aber dieser Überholvorgang würde mich in eine tiefe Krise stürzen, wenn ich nicht so eine starke Persönlichkeit wäre. Ihr kennt doch alle den Spruch, dass man so schnell laufen sollte, dass man noch reden kann. Wenn man noch singen kann, ist man zu langsam. Aber was, bitte schön, ist man denn dann, wenn man von einem singenden Läufer überholt wird? Der mich überholt ist Anton aus Russland – unüberhörbar, dass es ihm hier gefällt.

Etwa bei Kilometer 6 erreichen wir die Greenwich-Promenade mit der Anlegestelle für Ausflugsdampfer. Da haben wir aber Glück. Die Promenade gehört uns. Heute Nachmittag, wenn die Osterausflügler über die Promenade wandern, wird das anders aussehen. Am Ende der Promenade betreibt Ingo die erste Verpflegungsstelle. Ich muss mich mit keinem anderen Läufer um die Leckereien streiten. Die Läufer sind alle schon weg. Alle ist übertrieben, fünf sind noch hinter mir. Aber ich will heute ohnehin nicht gewinnen, ich will den Kilometer in sieben Minuten laufen.

An der Verpflegungsstelle, wir sind bei Kilometer 8, da kommt mir so ein Gedanke. Ich bin doch auf dieser Strecke schon zweimal gelaufen, heute aber erstmals gegen den Uhrzeigersinn. Würden wir im Uhrzeigersinn laufen, wäre ich jetzt schon bei Kilometer 35 – wäre auch nicht schlecht. Die Strecke führt jetzt entlang des Tegeler Sees, später entlang der Havel. Wie hatte Uli gesagt: Solange ihr Wasser seht, seid ihr richtig. Und trotzdem hat er auch hier mit Kreidepfeilen, Flatterbändern und Kilometerschildern dafür gesorgt, dass keiner auf Abwege kommt. Den ganzen Karfreitag waren er und einige Helfer damit beschäftigt. Bei strömenden Regen. Heute können wir uns über trockenes Wetter und sogar etwas Sonnenschein freuen. Ich meine, das ist ungerecht! Aber Uli, bitte nimm es mir nicht übel, umgekehrt wäre es schlimmer.

Wir laufen meist durch Wald oder entlang schmucker Häuschen. Wer hier wohnt, der hat es geschafft. Ich noch nicht, denke ich, als ich die Verpflegungsstelle an der Fähre Hakenfelde erreiche. Kilometer 14 – aber ich bin im Zeitlimit. Fünf Stunden will ich laufen, sechs Stunden darf ich laufen. Andreas Gäbler vom LC Auensee, mein „Taxifahrer“ hat eine klare Ansage gemacht: „6 Stunden – wenn du später kommst, kannst du mit dem Zug fahren.“

Einen alten Bekannten getroffen

Ich erreiche Heiligensee. Ein Fischerdorf soll das mal gewesen sein, sagte Uli. Ein Dorf? Sicher, aber ein sehr langes. Etwa 4 Kilometer zieht es sich hin – ohne langweilig zu sein - und kurz danach haben wir die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Hier befindet sich auch eine Verpflegungsstelle. Und siehe da: Hier stehen zwei Läufer? Ich hole auf – ich bin gut! Einer der Läufer sagt, dass er mich kennt. Ich kenne ihn nicht. Vom Marienwerder-Marathon, voriges Jahr, sagt er dann. Oh, da war ich auch... Und dann legt er noch nach: Er sei es gewesen, der nach dem Lauf noch nach Hause gelaufen ist. Ja, den kenne ich natürlich. Wir waren ein Stück zusammen gelaufen und da hatte er mir erzählt, dass er nach dem Marathon noch 40 Kilometer vor sich hat. Für mich war das eigentlich unvorstellbar. Das kann doch nicht gesund sein. Jetzt erzählt er mir, dass das falsch war. Siehe da, er hat es eingesehen - und sogar daraus gelernt. Denn jetzt läuft er die zusätzlichen Kilometer nicht mehr nach dem Marathon, sondern davor. Als wir heute gestartet sind, hatte er schon einen Halbmarathon in den Beinen. Und wie er mir erklärt, hat das Vorher-Laufen einen Vorteil: Auf den letzten 42 Kilometer ist die Verpflegung gesichert.

Es ergibt sich, dass Ralf Welzel und ich die zweite Hälfte der Strecke gemeinsam zurücklegen. Raus aus Berlin, nach Hennigsdorf, auf den Mauerweg – der Gesprächsstoff geht nicht aus. Speziell auf dem Mauerweg habe ich viele Fragen, denn Ralf hat den Mauerweglauf, die 100 Meilen von Berlin schon hinter sich gebracht. In beachtlichen 23 Stunden! Er erzählt über Verpflegung, darüber, was man in den Rucksack unterbringen sollte und vieles mehr. Jetzt fragt aber bitte nicht, ob ich da auch laufen will. Nein, nein, keiner hat die Absicht, hundert Meilen zu laufen. Es bleibt auch Zeit, etwas über die Mauer nachzudenken. Also ich brauche sie nicht wieder. Aber was wäre, wenn die heute noch stehen würde? Ganz einfach - da wäre ich nicht hier. Aber nächstes Jahr als Rentner dürfte ich hier laufen!

32 Kilometer haben wir nun schon zurückgelegt, als wir wieder die Fähre Hakenfelde erreichen. Da waren wir schon einmal – sind aber trotzdem richtig. In der Zwischenzeit haben Irmgard und Kalle ihren Tresen mit der Fähre übergesetzt und warten nun auf der anderen Havelseite. Ich schaue auf die Uhr – wir sollten vielleicht nicht so viel quatschen. Es ist dann nicht mehr weit, bis wir sagen können: Wir laufen in einer Stadt! Obwohl er in Berlin stattfindet, hat der Vollmondmarathon nichts mit einem Stadtmarathon zu tun. Aber darüber hat sich keiner beschwert.

Bei Kilometer 37, man riecht schon fast das Ziel, gibt es die letzte Verpflegungsstelle, betrieben von Arne Funke. Ralf fragt ihn, ob er mit Arno Funke verwandt ist. Ja, sagt er, das ist mein Onkel. Und wer ist der Onkel, muss man den kennen? Ja, denn zumindest unter dem Namen Dagobert hat der Geschichte geschrieben. Schön, da kenne ich jetzt also den Neffen von Dagobert persönlich! Wenn uns Arne nicht die Taschen gefüllt hat.

Das Ziel nach fünfeinhalb Stunden erreicht

In 5:27 Stunden erreichen wir wieder das Ziel. Uli erwartet uns, er hat sein „Büro“ vor dem Vereinsheim erreichtet. Und da wartet er schon lange, denn Sieger Pascal Lenard aus Frankreich war gerade mal 3:18 Stunden unterwegs, Siegerin Annika Arnold 4:22 Stunden. Und er wird noch eine ganze Weile warten müssen, denn der letzte Läufer wird 6:25 Stunden benötigen. Aber das macht dem Uli nichts. Der verlässt seinen Platz erst, wenn er auch dem letzten Läufer die Medaille umgehängt und das Vollmondbier in die Hand gedrückt hat.

Wie der ganzen Veranstaltung, merkt man auch der Medaille an: Hier ist alles mit Liebe gemacht. Und zudem ist sie aus Keramik, selbst in großen Medaillensammlungen dürfte sie damit eine Seltenheit sein. Einziger Wermutstropfen bei einer perfekt organisierten Veranstaltung: Daniela Dilling riss bei Kilometer 1,5 die Achillessehne. Noch am gleichen Tag wurde sie operiert, in 6 Wochen will sie wieder laufen und am 20. August bei der 3. Auflage des „richtigen“ Vollmond-Marathons wieder dabei sein. Gute Besserung, Daniela!

Übrigens: Wer hier gelaufen ist, hat nicht nur etwas für sich getan. Der Erlös der Veranstaltung geht an den Verein „Von Kindern für Kinder“. Dessen Gründerin Gertrud Meyer hat es sich nicht nehmen lassen, den ganzen Tag helfend vor Ort zu sein.
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Autor: Günter Schmidt 18.04.2016

Hier finden Sie weitere Informationen zum Berliner Vollmond-Marathon 2016.

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