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Neues Denken beim Marathontraining Vom "Runner's High" zum "Runner's Fly"

Ein "Runner's High" beflügelte Leserreporter Wolfgang Pfeiffer zu grundlegenden Gedanken über die Zukunft des Marathonlaufens.

Rennsteiglauf +
Foto: Norbert Wilhelmi

Beim Training für den Rennsteiglauf kamen Wolfgang Pfeiffer diese innovativen Gedanken. Ob die Teilnehmer vor dem Marathonstart beim Rennsteiglauf 2014 schon nach Anweisung des Autors das Fliegen einüben?

Die Fortschritte, die der Marathonlauf in den letzten Jahren genommen hat, sind enorm. Dies betrifft sowohl das Tempo als auch die Trainingsmethoden. Ganz zu schweigen vom Outfit. Wobei nicht immer klar erkennbar ist, ob und was das eine mit dem anderen zu tun hat.

Nehmen wir zum Beispiel die Trainingsmethoden. Früher, in grauer Marathon-Vorzeit – also in den 80iger Jahren, als man noch ohne Kredit aufzunehmen die Teilnahmegebühr des Berlin-Marathons aufbringen konnte – bestand Manfred Steffny in seinem Buch „Marathon-Training“ darauf, dass vor einer Marathonteilnahme mindestens ein einjähriges ordentliches Training zu stehen habe. Heute arbeiten die meisten Menschen sich arm bei zwei oder mehr Arbeitgebern und einer Wochenarbeitszeit von 70 - 80 Stunden. Da bleibt nicht mehr viel Zeit fürs Training. Und so sehen auch die modernen Trainingspläne und Marathonergebnisse aus.

Neues Denken beim Laufen

Ärgerlich ist, dass eines aber einstweilen unveränderbar scheint: um als Läufer zu gelten, muss man laufen. Doch in Zeiten, in denen das Oberste zuunterst gekehrt wird und angeblich selbst „BILD“ für mehr Transparenz in der Politik sorgt, werde ich auch beim Laufen ein Umdenken einleiten.

Neues Denken entsteht ja immer dann, wenn jemand, der sich langweilt – also entweder ein verkanntes Genie oder ein unterforderter Marketingfachmann – zwei Ideen, die scheinbar gar nichts miteinander zu tun haben, zu etwas Neuem zusammenführt. Noch „kreativer“ wird es allerdings, wenn sich die beiden Ideen bisher gegenseitig ausgeschlossen haben.

Ein Beispiel aus der (sehr, sehr kreativen) Laufschuhbranche soll das verdeutlichen. Der neueste Trend ist der sog. „Barfuß-Laufschuh“. Obwohl sich das Barfußlaufen mit Schuhwerk irgendwie genauso gegenseitig ausschließt wie Marketing und gesunder Menschenverstand. Trotzdem ist der Verkauf dieser „Natural-Running-Schuhe“ zufrieden stellend – für die Schuhhersteller. Den Käufern wird wahrscheinlich im nächsten Jahr ein neuer Trend angeboten werden müssen: der Laufrollator zur Entlastung der geschundenen Sehnen.

Meine innovative Idee geht noch einen Schritt weiter: sie erspart dem zukünftigen Marathonläufer nicht nur die Laufschuhe, sondern das Laufen überhaupt! Um mein "Neues Denken" zu verstehen, müssen Sie – siehe oben – die folgenden zwei Tatbestände, die nur für nichtgeniale Menschen nichts miteinander zu tun haben, miteinander verbinden: Neulich las ich, dass beim Versand von Daten im Internet auf den sog. Datenautobahnen bestimmte zusammengehörende Datenmengen durch „Blocken“ schneller und in größerer Menge durch die Leitung gequetscht werden können als auf herkömmliche Weise, bei der die einzelnen Daten sich hintereinander anstellen müssen wie wir an der ALDI-Kasse. So wird jede noch so kleine Lücke zum Transport von Datenblöcken genutzt.

Stellen Sie sich das vor wie auf dem Ruhrschnellweg, wo zu Hauptstoßzeiten Pförtnerampeln an den Einfahrten jeweils nur ein Auto durch ganz kurze Grünphasen zum Einfädeln in den fließenden Verkehr freigeben. So ungefähr jedenfalls. Wir behalten also im Sinn: Daten werden „geblockt“!

„Yogischen Fliegen" als Vorbild für Läufer

Dann las ich auch, dass der Yogi M. Mahesh gestorben ist. Dieser gilt als der Erfinder des „Yogischen Fliegens“. In drei Stufen sollten seine Schüler das „Yogische Fliegen“ erlernen. Zuerst macht man bei Anwendung des entsprechenden Flug-Mantras erste „Levitationserfahrungen, die zu kurzen sprunghaften Fortbewegungen des gesamten Körpers über kurze Distanzen“ führen. Ich würde das eher ein „Yogisches Hopsen“ nennen. In der zweiten Stufe kann es ohne jeden Muskeleinsatz schon zu einem „Gleiten über den Boden“ kommen, während die dritte Stufe durch eine „willentliche freie Bewegung des Körpers durch den Raum“ gekennzeichnet ist, sprich eben durch Yogisches Fliegen. (Kurze Anmerkung des Verfassers: der Lehrgang für Stufe drei ist natürlich der teuerste.)

Um nun meine revolutionären Gedankengänge zu begreifen, beantworten Sie einfach folgende Frage: wodurch unterscheidet sich das Gehen vom Laufen? Eben durch jene Sekundenbruchteile, in denen beim Laufen beide Füße des Läufers in der Luft schweben. Schweben! Leute, merkt Ihr was!

Beim Laufen wechselt sich also eine Bodenberührungsphase mit einer „Flugphase“ ab. Nun trainieren wir Folgendes: wir „blocken“ zunächst die Gehphasen zu einer Einheit (so wie die Daten im Internet)! Dazu müssen wir nur beim nächsten Marathonlauf 42 Kilometer mehr oder weniger gemütlich normal zu Fuß gehen. Damit haben wir die 42.000 Bodenberührungsphasen hintereinander geblockt!

Was bleibt dann noch übrig? Richtig, die Flugphasen! Auch diese 42.000 jeweils eine Zehntelsekunde dauernden Einzelflugphasen „blocken“ wir zu einer Einheit! Und diese so entstandene einzige große Flugphase sollte doch wohl reichen, um die restlichen 195 Meter bis zum Ziel an einem Stück zu fliegen!

Marathon-Fliegen statt Marathon-Laufen

Diese Innovation kann weiter ausgebaut werden: durch das Ansammeln von Geh-Kilometern im Training kann die Anzahl der „geblockten“ Flugphasen beliebig erhöht und angespart werden ähnlich dem Verfahren „Miles And More“, bis man z. B. bei Bedarf die Hälfte bzw. später vielleicht die gesamte Marathonstrecke des Berlin-Marathons fliegend zurücklegen kann. Der nächste Schritt wäre dann, dass man seine gesammelten „Flugblocks“ bei E-Bay versteigert, aber das könnte schon die WADA interessieren …

Für die Organisatoren von Marathons hätte diese Marathon-Fliegerei zahlreiche Konsequenzen. So kann die Zeitnahme dann natürlich nicht mehr auf den Berührungsmatten erfolgen, sondern im Flug. Und in welcher Höhe sollten die Verpflegungsstellen unterwegs organisiert werden?

Auch müssten spätestens dann meiner Meinung nach in die Marathonwertung Haltungsnoten für die Flugphasen einfließen so wie beim Skiflug. Das alles führt leider dann zur weiteren Erhöhung der Teilnahmegebühren … (Ich würde dann einfach „schwarz“ laufen bzw. fliegen. Wie sollen die mich denn runterkriegen?!)

Wenn nun jemand auf den Gedanken kommt, Läufer, die nicht laufen, sondern fliegen, brauchten auch kein Lauf-Outfit mehr, dem empfehle ich den Besuch der nächsten Sportmesse: der neueste Outfit-Trend ist das sog. „Flying-running“-Konzept. Vom Flughelm (mit und ohne Stirnlampe) bis zur sportlichen Marathon-Sitzunterlage (früher bekannt als „Fliegender Teppich“) ist alles im Angebot.

Die obigen Gedanken kamen mir übrigens während einer sauerstoffreduzierten Phase meines Trainings für den Rennsteiglauf, während eines sog. „Runner’s High“. Das heißt demnächst „Runner’s Fly“.
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Autor: Wolfgang Pfeiffer 27.08.2014
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