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Leserreporter Martin Kreitzberg in Berlin Vom Traum, durchs Brandenburger Tor zu laufen

Beim Berlin-Marathon genoss es unser Leserreporter Martin Kreitzberg, durch das Brandenburger Tor zu laufen und die einmalige Atmosphäre aufzusaugen.

Martin Kreitzberg beim Berlin-Marathon +
Foto: Martin Kreitzberg

Unser Leserreporter Martin Kreitzberg lief beim Berlin-Marathon 2014 mit. Nach dem Baldeneysee-Marathon in Essen freut er sich darauf, am 2. November in New York an den Start gehen.

Ihr wundert euch vielleicht, dass ich erst jetzt mit Marathon Nummer sechs in 2014 um die Ecke komme. Es ist ganz einfach: Köln musste ausfallen, weil ich Rücken hatte. Am Freitag vor dem Marathon fing es an und Samstag konnte ich mich nicht bewegen. Schmerzmittel halfen nicht. Ich musste diesen Lauf ausfallen lassen.

War das Projekt "50. Marathon in New York" damit gestorben? Nein! Mein guter Kumpel Ingo und sein Team haben mich in zwei Wochen wieder fit bekommen, Trigger sei dank. Berlin stand vor der Tür und so wurde aus Nummer 7 die 6.

Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin

Mit meinem lieben Kumpel Michael vom Laufsport Bunert Hilden ging es am Samstagmorgen in Richtung Flughafen Düsseldorf. Alles war prima, bis wir ins Flugzeug kamen. Lärm. Geschrei. Ein Baby hatte sich zum Ziel gesetzt, lauter als die Triebwerke zu sein und das setzte dieser kleine Balg - mit vielleicht einer kleinen Unterbrechung - auch um. Die Mutter - leicht genervt - reiste mit drei kleinen Kindern von Düsseldorf nach Berlin, um dort ihre beiden anderen großen Kinder zu besuchen. Zum Glück gibt es Kopfhörer und gute Musik, so schaffte ich den Flug im Flug.

Tolles Wetter erwartete uns in Berlin. Michael hatte ein anderes Hotel als ich, sodass wir uns so gegen 14.00 Uhr auf der Marathonmesse Tempelhof wieder trafen. Ich kann die Berliner verstehen, dass sie gegen die Pläne von Herrn Wowereit gestimmt haben, aus diesem Fleckchen Erde etwas anderes zu machen als das, was es jetzt ist. Das hier ist wirklich eine tolle große Spielwiese, ein Naherholungsgebiet mitten in der Stadt.

Marathonmesse am Flughafen Tempelhof

Die Messe ist riesig und voller Menschen, vor allem aus aller Herren Länder. Nach einem langen Marsch an vielen Buden und Verkaufsständen vorbei, erreichte ich endlich Hangar 6. Das Abholen den Startnummer ging verdammt schnell. Ruckzuck saßen Michael und ich in der Sonne und genossen zwei dunkle Erdinger. Verdammt. Die knallen ganz schön, wenn man in der Sonne sitzt, traut man den Bayern gar nicht zu. Leicht angetrunken sind wir in unsere Hotels zurück. Ich um Fußball zu schauen und danach im Cinque mit anderen aus der Heimat zu essen, und Michael, um Irina Mikitenko (die vom selben Sponsor eingeladen worden war) beim Essen kennen zu lernen. Ich glaub, ich mach einen Laufladen auf, die sind immer eingeladen. Verkaufen die eigentlich noch Laufschuhe?

Die nächste Herausforderung wartet schon

Sonntag um sechs Uhr ist die Welt noch in Ordnung, auch in Berlin. Aufstehen, waschen und fertigmachen. Dann das Hotel bitten, das Frühstückbuffet schon um 6:15 Uhr zu eröffnen statt um 6:30 Uhr um mit ein paar genauso Verrückten zu frühstücken. Bei der Gelegenheit lernte ich eine Hamburgerin kennen, die mir erzählte, dass man ein Zertifikat erhält, wenn man alle World Marathon Majors läuft. Nach New York hätte ich die Hälfte geschafft. Diese Majors setzen sich aus London (hab ich), Berlin (hab ich), New York (werde ich bald haben), Boston, Chicago und Tokio zusammen. Wäre doch eine neue, schöne Herausforderung, oder was meint ihr? ;-)

Mit der Bahn zum Hauptbahnhof und von da mit unzähligen Läufern zum Startpunkt. Ich durfte einen Luxus genießen, den ich so bisher so nicht hatte. Meine Toilettenanstellzeit betrug schlappe 5 Minuten und nicht wie bei allen anderen eine gefühlte Ewigkeit. Getränke und Snacks vor dem Start, sitzen in bequemen Stühlen. Toll! Danke, Stefan. Das Wetter war auch einfach toll. Mit Cora, Andrea, Katharina und Michael ging es los in den Block G. Marathonis, wohin man schaut. Mitten in diesem Trubel ein Fernsehteam der ARD. Die warteten auf Jan Fitschen, der nicht an der Spitze lief, sondern mitten im Trubel laufen sollte. Michael kannte Jan aus seinem Laden und so wurden wir Teil der Reportage des RBB und der ARD.
Martin Kreitzberg Schlagzeug +
Foto: Martin Kreitzberg

Martin Kreitzberg war besonders von dem schlagzeugspielenden Marathonläufer Sam Hurd angetan.

Die ersten Kilometer

Start. Ich hatte die Aufgabe, Cora ins Ziel zu führen, Katharina sollte ebenfalls mit uns laufen. Michael lief sofort los, als wollte er den späteren Weltrekordler Kimetto noch einholen. Die ersten Kilometer waren sehr entspannt, viele Menschen am Straßenrand, tolles Wetter. Vorbei an der Siegessäule, die Straße des 17. Juni entlang Richtung Tiergarten. Wie bei vielen Marathonläufen sind auch hier wieder verschieden kostümierte Läufer: Feuerwehrleute, Haremsdamen, Polizisten und sogar Jesus mit seinem Kreuz. Bestzeiten sind da wohl nicht zu erwarten. Vorbei an Muttis Wohnung (Bundeskanzlerinnenamt) ging es Richtung Mitte. Von dort konnten wir schon den Reichstag wiedersehen beziehungsweise die Reichstagskuppel. Viele Zuschauer standen am Friedrichspalast. Unsere Gruppe war noch zusammen und wir waren auch sehr gut in der Zeit. Vor uns liefen zwei Damen mit rosa T-Shirts, die mir aus dem Herzen sprachen, denn darauf stand: "Hetz mich nicht!!! Ü40". Die richtige Einstellung, auch für mich, wie sich später noch herausstellen sollte.

Vor vier Jahren bin ich schon einmal in Berlin gelaufen und traf dabei einen Fortunen aus Benrath. Eigentlich unwahrscheinlich bei 40.000 Läufern, den Kollegen wieder zu treffen. Aber was soll ich euch sagen, ich traf ihn tatsächlich wieder. Zufälle gibt es!

Warmes Bier wird gemieden

Ab Kilometer 23 trennte sich unsere Gruppe. Von ursprünglich fünf Läufern blieben nur noch Cora und ich zurück. Wir waren zwei Minuten besser als geplant in den Zwischenzeiten und wollten etwas langsamer werden. Ich merkte langsam die drei Wochen Laufpause wegen des Rückens und Cora hatte andere Probleme. Bei Kilometer 27 machte Cora ein Pinkelpäuschen. Ich lernte unterdessen die Berliner Gastfreundlichkeit kennen. Man bot mir einen Stuhl an, und auf Nachfrage hätte ich auch ein Bier bekommen, allerdings nicht kalt. Ich lehnte ab, animierte aber die vorbeilaufenden Marathonis zu einer La Ola, jedoch mit mäßigem Erfolg. Die waren alle platt.

Eine willkommene Massage

Jetzt ging es zum Wilden Eber, der Partyhochburg neben dem Brandenburer Tor. Die Stimmung von Cora wurde sichtlich schlechter, aber es nahte schon unsere Rettung. Eine Massage. Cora steuerte direkt auf die zwei Masseure zu, die sie mit Hingabe durchkneteten. Ich bekam leider einen Krampf, der von meinem Masseur wegmassiert worden ist. Es ging weiter. Leider habe ich Cora irgendwie aus den Augen verloren und musste die letzten sieben Kilometer allein weiter. Ich nutzte die fehlende Verantwortung, um mich den vielen Musikkapellen hinzugeben. Die werden irgendwie nicht richtig gewürdigt. So setzte ich mich zum Spielmannszug Pankow von 1966 hin, und bei Kilometer 37 lauschte ich einem geilen Posaunenspieler, trank Kaffee mit einem netten Pärchen und wurde von fünf Frauen mit Afrofrisur begrüßt und angefeuert.

Sam Hurd (Startnummer 14421) aus England hielt an, sagte dem Schlagzeuger am Straßenrand irgendwas - ich nehme an es war: "Lass mich ran, ich kann es besser!" - denn was dann abging, passiert wohl nur in Berlin. Sam legte eine Drum Percussion hin, von der ich immer noch Gänsehaut bekomme. Die letzten Kilometer vergingen wie im Flug. Dann ein kurzer Blick auf mein Smartphone, checken wie es bei Fortuna steht: 0:1. Das Projekt führt, was für eine Sch...

Zieleinlauf beim Berlin-Marathon

Jeder Marathoni träumt davon, durch das Brandenburger Tor zu laufen und die geile Atmosphäre aufzusaugen, die von den Zuschauern ausgeht. Ich finde es auch beim zweiten Mal geil, wahrscheinlich nur zu toppen mit dem Einlauf in den Central Park in New York.

Dadurch, dass ich mich etwas zu viel der Entspannung während des Laufes hingegeben hatte, bekam ich ein paar Zeitprobleme. Also nichts mit Ausruhen auf der Wiese vor dem Reichstag. Sofort ins Hotel und duschen, dann mit dem Bus zum Flughafen. Letzteres gestaltete sich etwas schwieriger. Weil ich in der Nähe der Strecke wohnte, war der Busbetrieb nämlich noch gar nicht wieder aufgenommen worden. Also Drive Now Auto zur Haltestelle der Linie TXL, dann erst in den Bus. Blick aufs Smartphone, Fortuna war wieder da. 2:2 gegen das Projekt. Super! Nun entspannt zum Flughafen.

Fast geschafft

Michael und ich waren fast zeitgleich am Flughafen und so ging es gemütlich - ohne schreiendes Baby - wieder zurück in die Heimat.

Nun ist es kurz vor der Zielgeraden. Nur noch ein Lauf, dann gibt es das Finale in New York. Am 12.10.2014 laufe ich beim 52. Essen-Marathon "Rund um den Baldeneysee". Ich werde auch von dort berichten. Jetzt aber erst mal ausruhen und wieder ganz fit werden. in dem Sinne, bleibt mir gewogen und bis nach Essen.
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Autor: Martin Kreitzberg 22.10.2014

Hier finden Sie weitere Informationen zum Berlin-Marathon 2017.

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